Ein Mord zu viel: Hat sich "Der Gutachter" geirrt?

Das TV-Drama "Der Gutachter" (8. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) mit Benjamin Sadler hinterfragt den Umgang mit Straftätern.

Darum geht's in "Der Gutachter"

Auf seinem Gebiet ist er absoluter Experte. Doch nun hat der forensische Psychiater Robert Siedler (Benjamin Sadler) womöglich einen tödlichen Fehler begangen. Aufgrund seiner Einschätzung wurde der lange inhaftierte Alkoholiker Friedhelm Knecht (Michael A. Grimm) entlassen – und beging allem Anschein nach sofort einen Mord. Öffentlichkeit, Presse und der Ehemann der Toten eröffnen eine Hetzjags auf Siedler.

"Der Gutachter": Hinter den Kulissen

Wie geht unsere Gesellschaft mit Straftätern um?

Das ist die Ausgangslage des Films "Der Gutachter: Ein Mord zu viel", der die Frage aufwirft, wie wir mit psychisch kranken sowie suchtkranken Straftätern umgehen. Diese sitzen ihre Strafe in bestimmten Fällen nicht in einem normalen Gefängnis ab, sondern kommen in den Maßregelvollzug. Dort durchlaufen sie eine Therapie, die das Ziel verfolgt, ihnen zu einem eigenverantwortlichen Leben in Freiheit zu verhelfen.

Die Entscheidung über ihre Entlassung fällt ein Richter, doch die Einschätzungen der Gutachter spielen in der Urteilsfindung eine wichtige Rolle. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, Rückfälle entlassener Straftäter kann leider niemand komplett ausschließen", sagt Benjamin Sadler. "Aber sollten wir deshalb jeden Täter für immer wegsperren? Das wäre meiner Meinung nach der falsche Weg. Wenn wir in einer freien Gesellschaft leben wollen, müssen wir das Restrisiko aushalten und permanent über Verbesserungsmöglichkeiten des Strafvollzugs sowie der Therapien nachdenken."

Sicherheit für eine richtige Entscheidung gibt es nicht

Zurzeit werden in Deutschland mehr als 10.000 Menschen in den Kliniken des Maßregelvollzugs behandelt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde werden rund fünf von 100 behandelten und entlassenen schizophrenen Patienten, der größten Patientengruppe, in irgendeiner Weise wieder straffällig. "Die Gutachten der Experten basieren auf wissenschaftlichen Methoden, die erstaunlich effektiv sind", sagt Sadler.

Zur Vorbereitung auf seine Rolle traf er sich mit drei Gutachtern. "Sie tragen eine schwere Last auf ihren Schultern", sagt er. "Alle wissen, dass ein Rückfall eines Entlassenen möglich ist, und hoffen, dass dies nie passiert. Wie sie in einem solchen Fall genau reagieren würden, kann niemand vorhersagen. Klar ist aber: Sie werden dann ihre gesamte Arbeit infrage stellen und Emotionen erleben, die sie bis ins Mark erschüttern."

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