TV-Aufreger des Jahres: Thriller "Gift" mit Heiner Lauterbach

Der TV-Thriller "Gift" (17. Mai 2017, 20.15 Uhr, Das Erste) und eine Doku enthüllen den Pharmaskandal um gepanschte Medikamente.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind auf ein lebenswichtiges Medikament angewiesen – doch die Wirkstoffe, die Ihnen helfen sollen, sind in manchen Packungen des Präparats gar nicht vorhanden. Bei uns undenkbar? Keinesfalls.

Die ARD kündigt jetzt brisante Enthüllungen über den Handel mit gefälschten Medikamenten an. Der aufrüttelnde TV-Film "Gift" (17. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) thematisiert das weltweite Geschäft mit – teils lebensgefährlichen – gefälschten Pharmaprodukten. In der Anschluss-Doku "Gefährliche Medikamente" (21.45 Uhr) verraten, so die ARD, unter anderem ehemalige Mitarbeiter von Pharmafirmen, wie schutzlos wir den Arzneifälschern ausgeliefert sind.

Darum geht's im TV-Thriller "Gift"

In dem Wirtschaftskrimi "Gift" konfisziert die Interpol-Agentin Juliette Pribeau (Julia Koschitz, lesen Sie hier das Interview) bei einer Razzia im deutsch-tschechischen Grenzgebiet mehrere Tonnen gefälschter Medikamente. Dabei stößt sie auch auf den Adressaten der Lieferung: Günther Kompalla (Heiner Lauterbach).

Wir trafen Heiner Lauterbach zum Interview:

"Gift"-Star Heiner Lauterbach im Video-Talk

Der Pharma-Großhändler Kompalla ist seit Jahren in profitable Geschäfte mit gefälschten Pillen verstrickt, doch jetzt, unheilbar an Krebs erkrankt, will er sich mit seiner in den Slums von Mumbai als Ärztin tätigen Tochter Katrin (Luise Heyer) versöhnen und ihr ein "sauberes" Erbe hinterlassen. Er droht den Hintermännern mit Verrat. Als er sich nach Indien absetzt, überzeugen Lobbyistin Prof. Edwards (Maria Furtwängler) und Pharma-Manager Adler (Martin Brambach) den Interpol-Präsidenten (Francis Fulton-Smith), Agentin Pribeau auf seine Spur zu setzen. Edwards’ Ziel: Kompallas Beweise sichern – um diese zu vernichten.

"'Gift'", erklärt der Regisseur Daniel Harrich, "ist so nah an der Realität wie juristisch möglich und so weit fiktionalisiert wie juristisch nötig." Der Grimme-Preisträger hat auch die Doku zum Film produziert. "Darin zeigen wir, wie Pharma-Firmen auch in Deutschland über Leichen gehen, um ihre Rendite zu steigern."

Als Beleg liefert der Regisseur ein Beispiel: Auf Medikamentenschachteln fehle der Hinweis, wo die Pillen produziert worden sind. "'Made in'", erklärt Harrich, "steht auf jedem billigen T-Shirt, und man kann seine Produktion bis zu Fabriken in Indien oder Bangladesch zurückverfolgen. Auf Arzneipackungen sucht man ein 'Made in' vergeblich, und die Fälschungen sind oft perfekt. Als normaler Verbraucher hat man keine Chance, sie zu entlarven. Wenn eine deutsche Pharmafirma etwa ihre Produktion nach China auslagert und dortigen Zulieferern ihre Daten überlässt, können diese tagsüber Originale herstellen – aber nachts durchaus auch gepanschte Fälschungen mit denselben Strichcodes."

Wie viele falsche Pillen sind bei uns in Umlauf?

Daniel Harrich meint: "Rund ein Prozent aller Arzneien in Deutschland sind gefälscht. Das sind bei 1,4 Milliarden Präparatepackungen 14 Millionen." Leider, so der Filmemacher, stünden die für Zulassung und Kontrolle zuständigen Behörden enormen Herausforderungen gebenüber: "Entwicklung, Forschung und Qualitätskontrolle finden nicht mehr in regionalen Firmen statt, sondern ausgelagert rund um den Globus. Auch ein deutscher Apotheker hat kaum eine Chance, das Herstellungsland oder die Qualität eines ihm vorliegenden Medikaments zu überprüfen."

Bislang, meint Harrich, wüssten nicht einmal die Politiker, dass auch ihr Leben durch tödliche Pillen riskiert wird. Er wolle mit Film und Doku keine Panik schüren, sondern Systemfehler beleuchten. Damit wir nicht mehr alles schlucken.

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