"It's Showtime!" für Bully Herbig

Im großen Interview mit der GOLDENEN KAMERA verrät Fernsehmuffel Bully Herbig, warum er für die neue Sat.1-Produktion "It's Showtime! Das Battle der Besten" eine Juroren-Ausnahme macht – und wie es um den "Bullyparade"-Kinofilm und seine "Tatort"-Ambitionen bestellt ist.

Am 14. Mai heißt es um 20.15 Uhr in Sat.1 erstmals "It’s Showtime! Das Battle der Besten". In insgesamt 6 Sonntag-Abendshows treten Künstler aus aller Welt gegeneinander an, um den Meister ihres jeweiligen Unterhaltungsfachs zu bestimmen. Dafür müssen sie nicht nur das Publikum, sondern auch eine namhafte Jury überzeugen, in der neben Michelle Hunziker und Sasha (GOLDENE KAMERA 2001) auch Bully Herbig (GOLDENE KAMERA 2005) sitzt. Und der hat eigentlich mit derartigen Show-Formaten nichts am Hut...

Bully Herbig im Interview

Wieso machen Sie um Shows wie diese normalerweise einen Bogen?

Bisher habe ich nur bei "Der Quiz-Champion" eine Ausnahme gemacht, weil mir das Konzept gut gefällt und ich da für die Kategorie Film und Fernsehen sitze. Ich hangle mich nicht so gerne von einer Talkshow zum nächsten Quiz. In erster Linie mache ich ja am liebsten Filme.

Und warum haben sie dann für "It’s Showtime!" zugesagt?

Eine total berechtigte Frage! Der erste Impuls war eigentlich, das aus den genannten Gründen direkt abzusagen. Da es aber ein unheimlich freundschaftliches und jahrelanges Verhältnis zu ProSiebenSat.1 gibt, habe ich einfach die Gelegenheit genutzt, mich mit Jobst Benthues, dem Produzenten der Show und ehemaligen Unterhaltungschef bei ProSieben, auf einen Kaffee zu treffen. Dabei hat sich sehr schnell herauskristallisiert, dass es überhaupt nicht darum geht, jemanden zu casten. Die Jury darf sich die unfassbarsten Acts sozusagen aus erster Reihe anschauen und muss dann ihre Punkte vergeben. Es steht mir auch überhaupt nicht zu einem Sänger oder einem Artisten zu sagen, was er besser machen kann. Das ist nicht mein Metier. Aber ich mache selber gerne Unterhaltung und wenn da jemand vor mir steht, der mich überrascht und mitreißt, dann bin ich in der Lage, eine Bewertung zwischen 0 und 10 zu geben. Die spiegelt dann meine subjektive Meinung und meinen persönlichen Geschmack wieder.

Wir haben die erste Folge gesehen und beobachtet, dass Sie und Ihre Co-Juroren Michelle Hunziker und Sasha nie weniger als 8 Punkte vergeben haben.

Das sagt ja nichts über uns aus, sondern über die Qualität der Acts. Wir sind nie unter sieben Punkte gekommen. Das war einfach nicht möglich. Wenn Du etwas wirklich Fantastisches gesehen hast, kannst Du nicht hergehen und so jemandem nur zwei Punkte geben. Das geht einfach nicht! Das hat sich auf einem unheimlich hohen Niveau abgespielt und war immer sehr, sehr knapp. "It’s Showtime!" unterscheidet von anderen Talentshows, dass am Ende immer der Showact des Abends gekürt wird. Und den wählt dann das Publikum. Ich war recht froh, dass ich aus dieser Nummer raus war!

Die Teilnehmer gucken manchmal ziemlich verdattert, wenn die Punkte vergeben werden. Die scheinen das richtig ernst zu nehmen, oder?

Die Teilnehmer sind größtenteils Profis und werden aus aller Welt eingeflogen, um eine Nummer ihrer Show zu zeigen. Die könnten genauso gut sagen: Was soll ich mich da von ein paar Pappnasen beurteilen lassen? Aber die haben sehr schnell gemerkt, dass wir nicht dazu da sind, sie zu kritisieren, sondern um ganz subjektive Bewertungen abzugeben. Ich habe in diesen sechs Shows gemerkt, dass unsere Geschmäcker total verschieden sind. Ich bin sogar einmal ausgebuht worden! Das heißt, da geht’s auch emotional zu. Und ich habe festgestellt, dass ich bei den Gewinnern des Abends meistens komplett daneben lag. Manchmal habe ich einfach ein komplett anderes Humorverständnis und gucke auf andere Dinge. Wenn sich beispielsweise jemand dermaßen verbiegen kann, dass ich denke, dem knallt's gleich die Hüfte raus, dann schmeiß ich mich weg. So etwas kriegt von mir eine Riesenpunktzahl – das muss nicht heißen, dass es das Publikum genau so sieht.

Welche Darbietungen haben Ihnen Schweißperlen auf die Stirn getrieben?

Es gab ein paar Auftritte, bei denen ich dachte, du sitzt nur ein paar Meter entfernt. Wenn der Kandidat jetzt in seine Bohrmaschine kracht, dann kriegst Du womöglich noch Material ab! Glücklicherweise hat man es ja mit Profis zu tun – aber auch Michelle war sehr empfindlich und konnte streckenweise gar nicht hingucken.

Man sieht Sie auch einige akrobatische Übungen selber versuchen. Haben Sie sich dafür irgendwie vorbereitet?

Null. Nein, das Tolle und auch ein Argument, es überhaupt zu machen, war, dass ich tun durfte, was ich wollte. Wenn ich an die Stange springen wollte, habe ich das auch getan. Es gab keine Vorschriften und keine Regeln. Die Produzenten wollten einfach nur, dass ich mir einen schicken Anzug anziehe, da sitze und Spaß habe. Das war für mich ein unglaublich entspannter Job. Es gab nicht mal Proben für uns, damit wir bloß nicht mitbekommen, wer da auftritt. Dem Sender war auch ganz wichtig, dass unsere Reaktionen authentisch und spontan sind.

Sind Sie nach diesen Erfahrungen froh darüber, dass "Stars in der Manege" eingestellt worden ist und Sie nicht mehr angefragt werden können?

Sagen wir so: Ich wurde immer wieder mal angefragt, aber ich bin nicht hingegangen! (lacht) Die Manege ist nichts für mich, deshalb hab´ ich´s dann auch lieber gelassen.

Es waren auch diverse englischsprachige Artisten am Start. Haben die ein bisschen irritiert auf den Namen Bully reagiert?

Ja, ich weiß, im Englischen ist der Name Bully nicht sonderlich schmeichelhaft.

Aber mittlerweile habe ich sogar Spaß daran, mich in den USA mit Bully vorzustellen. Als vor etwa 15 Jahren die ersten Gespräche in Amerika stattfanden und ich von Studio zu Studio gereicht wurde, hab ich mich vorsichtshalber mit Michael vorgestellt. Irgendwann meinte aber ein Agent zu mir: "Wir haben tausende von Michaels, aber keinen Bully!" Ab da dachte ich mir, ich bleibe lieber dabei, dann merken sie sich den Namen wenigstens.

Hatten Sie bei der Besetzung der Jury Mitspracherecht?

Ich bin ganz diplomatisch gefragt worden, ob es Kollegen gäbe, mit denen ich nicht so gerne in der Jury sitzen möchte. Ich habe dann ganz diplomatisch zurückgefragt, warum sie mir nicht sagen, wen sie im Auge haben. Bei Sasha war das eh ein Selbstläufer. Wir sind befreundet und mögen uns. Und Michelle kannte ich bereits von ein paar Auftritten bei "Wetten, dass...?". Da fanden wir uns bereits sympathisch und als wir uns jetzt näher kennengelernt haben, war es Liebe auf den ersten Blick.

Was hat "It’s Showtime!" Ihrer Meinung nach, was "Das Supertalent" nicht hat?

In der Qualität der Acts lässt sich "It’s Showtime!" eigentlich mit keiner anderen Show vergleichen. Endlich hat der Sonntag seine Samstag-Abend-Show!

Sonntags läuft im Gegenprogramm der "Tatort". Hätten Sie auch mal Lust auf Kommissar?

"Tatort" ist das einzige TV-Urgestein, das bis heute überlebt hat. Es gibt kein "Wetten, dass...?" mehr, kein "TV Total", kein "Harald Schmidt", das ist ja alles weg. Der "Tatort" hat einen ähnlichen Event-Charakter und ich finde es ganz ehrlich beeindruckend, dass das jeden Sonntag so funktioniert. Ich muss gestehen – und das hat überhaupt nichts mit der Qualität vom "Tatort" zu tun – dass ich bisher nur sehr wenige gesehen habe. Der letzte "Tatort" war der mit Til Schweiger, weil mich interessiert hat, was er daraus gemacht hat. Ich bin kein "Tatort"-Fachmann, aber ich bin sicherlich im Kommissar-reifen Alter. Ich würde das perse nicht ausschließen.

Dafür steht fest, dass die "Bullyparade" wieder kommt! Passen die alten Kostüme noch?

Wir haben für den Kinofilm viele Figuren, die von den Leuten erwartet werden, in ein neues Kleid gesteckt. Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten, aber auch viel Neues. Die Fans der "Bullyparade" aber auch von "Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise" werden bei dem Film ihren Spaß haben.

Sollte "It’s Showtime!" ein durchschlagender Erfolg werden – wären sie bereit für eine zweite Runde?

Wenn alle juhu schreien, dann setze ich mich da wieder rein – klar! Das ist für mich ja wie abends ausgehen.

Interview: Dirk Oetjen

Kommentare einblenden

Gefühle ohne Grenzen im neuen Muttertags-"Polizeiruf"

Im "Polizeiruf 110: Muttertag" (14. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) müssen Olga Lenski und Adam Raczek den Mord an einem Familienvater aufklären.
Mehr lesen