Free-TV-Premiere "Atempause": Eine Familie im Ausnahmezustand

Keine leichte Kost: Eben noch fröhlich beim Fußballspielen liegt plötzlich ein 9-Jähriger mit Diagnose Hirntod im Krankenhaus.

Hannes (Mikke Rasch) winkt seinen Eltern fröhlich zu. Der 9-Jährige darf bei den großen Jungs im Tor stehen. Als ein Fußball seinen Kopf trifft, werden Esther (Katharina Marie Schubert) und Frank (Carlo Ljubek) kurze Zeit später im Krankenhaus mit dem Unfassbaren konfrontiert: Ihr Sohn ist hirntot. Plötzlich stehen die Eltern vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens. In "Atempause" (14. Juni 2017, 20.15 Uhr, Das Erste) muss eine Familie ihren Sohn loslassen.

Während Frank versucht, sich an den Gedanken zu gewöhnen, Hannes' Geräte abschalten zu lassen, hofft Esther auf alternative Heilmethoden. Und auch die Tochter Tina (Sarah Mahita) schottet sich zunehmend ab. Einzig Hannes todkranker Zimmernachbar Yusuf (Ilyes Moutaoukkil) bringt die Familie dazu, sich dem Unausweichlichen zu stellen.

Hintergrund

"Atempause“ reiht sich in die ARD-Themenwoche "Woran Glauben" ein. Noch an eine Zukunft zu glauben, scheint für die Familie unmöglich. Warum hat es ihren Sohn getroffen? Frank rechnet mit Gott ab. Und Tina bringt es gegenüber ihres muslimischen Freundes auf den Punkt: "Manchmal beneide ich Euch Muslime irgendwie: Ihr habt zwar Kopftücher und so'n Mist, aber wir haben gar nichts mehr, woran wir glauben."

Darsteller

Eigentlich kennt man Katharina M. Schubert u.a. als Prostituierte aus "Der Tatortreiniger" (NDR). Doch bereits im ARD-Film "Wer aufgibt, ist tot" spielt Schubert die Angehörige eines Hirntoten. Während dieser Film ins Klamaukige abdriftet, überzeugt Schubert in "Atempause" mit erschreckend echten Gefühlsausbrüchen. Kein Wunder also, dass die Schauspielerin bereits 2015 eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin beim Deutschen Filmpreis für den Kinofilm "Ein Geschenk der Götter" erhielt.

Egal, ob als brutaler Killer im Til Schweiger-"Tatort" oder als Verbrecher im RTL-"Winnetou"-Remake, Carlo Ljubek glänzt oft als Fiesling. Auch in "Atempause" zeigt er sein hartes Gesicht, etwa als er vor Verzweiflung die Kirchenraumeinrichtung demoliert. Aber der Kroate, der mittlerweile in Hamburg wohnt, kann mehr. Gerade seine sensible Seite machen diesen Film so sehenswert.

GOKA-Wertung

Ganz klar, dieser Film polarisiert: „Atempause“ ist keine leichte Kost und nicht jeder möchte eine Familie beim Loslassen des eigenen Sohnes erleben. Aber es lohnt sich, denn dieser Film berührt nachhaltig.

Muss ich sehen, weil...

die Geschichte fesselt, realistisch und herzzerreißend ist. Die Schauspieler überzeugen und bringen dem Zuschauer eines der größten Tabuthemen näher.

Für Fans von...

"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" (2014)

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