"RTL Samstag Nacht": Das große Comeback?

In den 90ern war "RTL Samstag Nacht" legendär. Das Vorbild ist in den USA wieder ein Hit. Wird die Comedy-Show bei uns neu aufgelegt?

Die Comedy-Könige von "RTL Samstag Nacht" feierten von 1993 bis 1998 Riesenerfolge, fast zwei Millionen Zuschauer schalteten die Nonsens-Show gegen Mitternacht ein. Aus Nobodys wie Olli Dittrich oder Esther Schweins wurden Stars, die Sketche waren montags im Büro Gesprächsthema. Für die Talkparodie "Zwei Stühle – Eine Meinung" gab es den Grimme-Preis, Wigald Boning und Dittrich verdrängten als Die Doofen 1995 sogar Take That von Platz eins der Album-Charts.

Zwei Stühle – Eine Meinung: Franz Beckenbauer über Lothar Matthäus (1995)

Hit in den USA

Heute ist die Comedy-Show mit wechselnden Gaststars, Musik und bösen Sketchen wieder ein Hit – allerdings nur in den USA. "Saturday Night Live", seit 1975 bei NBC auf Sendung und seinerzeit Vorbild für die RTL-Show, verzeichnete jüngst die höchsten Einschaltquoten seit zwei Jahrzehnten. Zu verdanken hat das das Liveprogramm saukomischen Persiflagen aufs Weiße Haus, in denen Alec Baldwin als trotteliger US-Präsident Trump brilliert.

Alec Baldwin als Donald Trump

RTL Plus zeigt 40 Best-of-Folgen

Angesichts dieses Erfolgs müssen sich die Entscheider von RTL fragen lassen, warum sie so ein Format nicht wiederbeleben, sondern momentan nur recyclen. Derzeit hat der Retro-Spartensender RTL Plus den rund zwanzig Jahre alten Klassiker im Programm: "Auf vielfachen Zuschauerwunsch zeigen wir jetzt 40 halbstündige Best-of-Folgen", sagt Jan Peter Lacher, Leiter von RTL Plus und Programmplaner bei RTL. Die ersten drei Folgen am Stück zeigt RTL Plus am 24. Juni, ab 22.40 Uhr.

Hugo Egon Balder hat eine Vermutung, warum die Verantwortlichen nicht gerade wild auf einen Neustart von "RTL Samstag Nacht" sind: "In Deutschland heißt es bei solchen Versuchen fast schon automatisch, das sei ein lauer Aufguss und reiche nicht ans Original heran."

Vorbild "Saturday Night Live"

Balder war in den 90ern Produzent der Sendung, zusammen mit seinem Freund Jacky Dreksler, der für wenig Geld die Formatrechte in den USA gekauft hatte: "'Saturday Night Live' war unser Vorbild. Ich weiß, dass Lorne Michaels, der Schöpfer der Show, unsere erste Staffel genau angeguckt hat. Er wollte kontrollieren, ob wir Gags übernehmen, denn die hätten noch mal deutlich mehr gekostet." Doch die deutschen Macher setzten lieber auf eigene Pointen – und auf Comedians, die Balder selbst castete: "Unterhaltungschef Marc Conrad, der damals die Idee zur Sendung hatte, wollte Leute wie Dirk Bach und Hella von Sinnen engagieren. Aber die waren schon lange als Solisten erfolgreich – und wir brauchten Teamplayer, deshalb haben wir nach unbekannten Gesichtern gesucht. Das Ensemble war in dieser Zusammenstellung dann ein großer Glücksfall", erinnert sich der 67-Jährige.

"RTL Samstag Nacht" - Dieser Trailer zeigt das Beste aus allen fünf Staffeln

Die Erfahrung der Produzenten war ein weiterer Grund für den Erfolg. "Man muss einen an der Waffel haben – im positiven Sinne. Also schon mal etwas mit Humor zu tun gehabt haben. Und das Künstlerleben kennen, kein Schreibtischtäter sein", sagt Balder. Jacky Dreksler und er seien für das Team Mutter, Vater, Bruder, Schwester gewesen – und manchmal auch der Pfarrer. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir das noch einmal antun würde. Es war schon sehr kräftezehrend."

Wird es eine Comeback geben?

Auch die Produktionsbedingungen müsste man sich heute erst erkämpfen: "Voraussetzung für einen Erfolg wäre, dass keiner reinquatscht. RTL hat uns damals völlige Freiheit gelassen", sagt er. Eine weitere Schwierigkeit: In den USA macht sich Hollywoods A-Liga gern in Gastauftritten zum Affen, von Tom Hanks über Scarlett Johansson bis Kevin Spacey. Deutsche Stars sind nach Balders Erfahrung zu sehr um ihr Image besorgt, viele hätten ihm damals abgesagt.

Einen Versuch, eine neue Ensemble-Comedy-Show zu starten, gab es bereits: 2014 zeigte der WDR "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von ...". Doch nach nur zwei Staffeln kam das Aus. "Eine geile Sendung", sagt Balder. "Für mich waren ihre Comedians die legitimen Nachfolger von 'Samstag Nacht'. Der WDR hat leider nicht gemerkt, was für einen Schatz er da hat. Er ließ die Sendung nur im Dritten laufen, anstatt mal auf die Kacke zu hauen und sie im Ersten zu zeigen."

"Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von ...": Palina Rojinski - Dad Bod

Bis jemand Mutiges es erneut versucht, können wir nur neidvoll in die USA blicken. Für den echten Donald Trump ist "Saturday Night Live" übrigens "wirklich schlechtes Fernsehen", wie er auf Twitter schrieb.

Die Macher der Show dürften das durchaus als Kompliment empfunden haben.

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