GOKA-Star der Woche: Tom Schilling

In der Free-TV-Premiere des Cyber-Thrillers "Who Am I – Kein System ist sicher" werden wir Zeuge, wie Multitalent Tom Schilling seinem bisherigen Charakterdarsteller-Œvre eine weitere Facette hinzufügt.

Wenn am 25. Juni um 20.15 Uhr auf ProSieben "Who Am I – Kein System ist sicher" erstmals im Free-TV über die Mattscheibe flimmert, ist Tom Schilling in einer ungewohnten Rolle zu erleben. Denn wie der 35-Jährige im Thriller von Baran bo Odar vom schüchternen Hacker zum gesuchten Cyber-Terroristen mutiert, stellt seinen ersten Vorstoß ins Genrefach dar, dem Tom Schilling aber gekonnt und mit spielerischer Leichtigkeit seinen Stempel als über die Jahre gereifter Charakterdarsteller aufdrückt.

Tom Schilling: Schauspielanfänge

1982 in Ost-Berlin geboren, stand Tom Schilling erstmals als Sechsjähriger für den DDR-Kurzfilm "Stunde der Wahrheit" vor der Kamera. Der Schauspielvirus brach allerdings erst später am Gymnasium aus, als der damals 12-Jährige für ein Theaterstück gecastet wurde und fortan regelmäßig am Berliner Ensemble auf der Bühne stand.

Tom Schillings Film- und Fernsehkarriere begann, als er 1999 kurz nacheinander in der "Tatort"-Folge "Kinder der Gewalt" und in Friedemann Fromms Kino-Drama "Schlaraffenland" als rebellischer Problemjugendlicher in Erscheinung trat und 2000 in Hans-Christian Schmids Bestseller-Verfilmung "Crazy" dem Aufbegehren und Ausprobieren der Pubertät ein einprägsames Gesicht verlieh...

Trailer zu "Crazy" (2000)

Der Lohn: Für seine Darstellung des besten Freundes Janosch, der den von Robert Stadlober gespielten Hauptdarsteller aus der Reserve lockt, wurde Schilling auf dem Bayerischen Filmpreis als "Bester Nachwuchsdarsteller" ausgezeichnet.

Tom Schilling: Der Nachwuchsstar

Mit dem "Crazy"-Erfolg im Rücken etablierte sich Tom Schilling mit Jugenddramen wie "Verschwende deine Jugend" (2003) erneut mit Robert Stadlober, Dennis Gansels "Napola – Elite für den Führer" (2004) an der Seite von Max Riemelt oder "Egoshooter" (2006) zum Coming-of-Age-Experten der deutschen Filmlandschaft. Eine Expertise, die er 2008 mit der Hauptrolle in Leander Haußmanns Bestsellerverfilmung "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" auf die Darstellung junger Erwachsener übertrug...

Trailer zu "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" (2008)

Seine Meisterleistung als Charakterdarsteller männlicher Sinnsuche lieferte Tom Schilling 2012 in Jan-Ole Gersters Tragikomödie "Oh Boy" ab. Sein von Kritikerlob begleitetes Portrait des ziellos durch Berlin treibenden Studienabbrechers Niko brachte dem damals 30-Jährigen nicht nur seinen zweiten Bayerischen Filmpreis, sondern auch den Deutschen Filmpreis für die „Beste darstellerische Leistung“ ein...

Trailer zu "Oh Boy" (2012)

Tom Schilling als Interpret historischer Figuren

Das feine Gespür für charakterliche Nuancen stellt Tom Schilling mit Vorliebe auch als Interpret historischer Figuren unter Beweis. Spielte er 2008 in dem von Bernd Eichinger (GOLDENE KAMERA 2011) produzierten RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" den Rudi-Dutschke-Attentäter Josef Bachmann, sorgte Schilling 2011 mit seiner menschlichen Darstellung des jungen Adolf Hitlers in der Filmadaption des George-Tabori-Stücks "Mein Kampf" für mediales Echo...

Trailer zu "Mein Kampf" (2011)

Tom Schillings Talent, sich von Kopf bis Fuß in andere historische Lebensumstände hineinfühlen zu können, stellte er auch eindrucksvoll in dem mit der GOLDENEN KAMERA 2014 ausgezeichneten Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" unter Beweis. Aktuell steht Tom Schilling als ostdeutsche Künstler-Ikone Kurt Barnert für Florian Henckel von Donnersmarcks "Werk ohne Autor" (Kinostart: 2. November) vor der Kamera und möchte als nächstes, wie er uns unlängst im exklusiven Interview verriet, den Nudisten August Engelhardt spielen.

Tom Schilling in "Who Am I – Kein System ist sicher"

Seine schauspielerische Bandbreite demonstrierte Tom Schilling dann 2014, als er in dem mit GOKA-Gewinner Wotan Wilke Möhring und "Fack Ju Göhte"-Superstar Elyas M’Barek namhaft besetzten Cyber-Thriller "Who Am I – Kein System ist sicher" die Hauptrolle übernahm...

Langtrailer zu "Who Am I - Kein System ist sicher" (2014)

Schillings Wandlung vom lebensscheuen Computernerd Benjamin zum gerissen-wagemutigen Anführer der militanten Hackergruppe CLAY ist nicht nur vereinnahmend lebensecht gespielt, sondern scheint den 35-Jährigen auch auf den Genre-Geschmack gebracht zu haben.

Tom Schilling: Die neu entdeckte Genre-Leidenschaft

Wie sehr Tom Schilling, der 2015 in Oskar Roehlers "Tod den Hippies!" als wilder Punk-Rebell überraschte, das im Genrefach gerne thematisierte Spiel mit Identitäten zu genießen scheint, spiegelte "Auf kurz Distanz" wieder. In dem Anfang März mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichneten Wettmafia-Thriller lieferte sich Schilling als gewissensgeplagter Undercover-Ermittler Klaus Roth ein packendes Schauspielduell mit unserem letztjährigen Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic...

Und auch in seiner letzten großen Rolle als Romeo-Agent Lars Weber in Oliver Hirschbiegels Mehrteiler "Der gleiche Himmel" war es die scheinwelthafte Beschaffenheit der Rolle, die Tom Schillings schauspielerisches Interesse geweckt hatte...

"Der gleiche Himmel"-Star Tom Schilling im Video-Talk

Tom Schilling: Der Musiker

Mit ernsthaftem Eifer widmet sich der immer makellos elegant gekleidete Vater von drei Kindern, der 2013 den verdienten Titel "Krawattenmann des Jahres" verliehen bekam, auch seiner Musikkarriere, die ihre Ursprünge 2012 beim Dreh von "Oh Boy" hatte. Damals freundete sich Schilling mit den Komponisten der Filmmusik an und gründete mit ihnen die musikalisch zwischen Element of Crime und Nick Cave angesiedelte Neo-Chanson-Combo "Tom Schilling & The Jazz Kids", die seit dem 2. Mai mit dem vom Schauspieler-Frontmann selbst komponierten und getexteten Debütalbum "Vilnius" auf Konzert-Tour ist...

Tom Schilling & The Jazz Kids live: "Schwer dich zu vergessen" (2016)
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