Andreas Wunn: "Wir vom 'Moma' starten eine Transparenzoffensive"

GOLDENE KAMERA traf zum 25-jährigen Sendungsjubiläum des "ZDF-Morgenmagazin" den Redaktionsleiter Andreas Wunn.

Exklusive Enthüllungen, die neuesten Infos zu aktuellen Themen und Live-Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten: Das sind die Zutaten für das reichhaltige Nachrichten-Büfett, mit dem das "Morgenmagazin" des ZDF uns alle 14 Tage zur Frühstückszeit in den Tag lockt, montags bis freitags, 5.30 bis 9 Uhr. Das "MoMa", das am 20. Juli in der 3152. Ausgabe 25. Geburtstag feiert, ist eine Erfolgsgeschichte: die quotenstärkste Morgensendung Deutschlands.

Zu diesem Jubiläum trafen wir den Leiter des "ZDF-Morgenmagazins" Andreas Wunn und sprachen mit ihm über den frischen Wind beim MoMva.

Interview mit Andreas Wunn

Was ist das Erfolgsgeheimnis des "ZDF-Morgenmagazins"?

Das MoMa ist ein bisschen wie eine "Tageszeitung im Fernsehen". Wir sind topaktuell und politisch, bieten aber auch Kultur und Buntes, beispielsweise Buch- und Filmtipps. Außerdem gibt's bei uns Sport, Live-Musik und Servicethemen. Wer MoMa guckt ist bestens gerüstet für den Tag. Aus politischer Perspektive sind wir das "heute Journal" am Morgen - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass wir aufgrund unserer sieben Mal so langen Sendezeit viel mehr Platz für Variationen und Experimente haben. Das MoMa informiert darüber, was der Tag bringt, und es stößt Diskussionen an. Viele Politiker kommen gern zu uns, weil das, was sie morgens bei uns sagen, die politische Debatte bis zum Mittag bestimmt - mindestens.

Am 20. Juli wird das ZDF-MoMa 25 Jahre alt: Wie hat sich die Sendung seit 1992 verändert?

Das Tempo ist viel schneller geworden, genau wie der News-Circle. Heutzutage prasseln morgens viel mehr Bilder auf uns ein als früher. Außerdem gibt’s viel mehr Live-Elemente, etwa Schalten zu Reportern, die mit Gesprächspartnern reden oder sich in so genannten "gestalteten Liveschalten" bewegen und Dinge anfassen, um sie den Zuschauern zu erklären. Vor fünf oder zehn Jahren hätten wir uns das gar nicht leisten können, aber jetzt ist die Technik erschwinglich geworden. Diese aufwändigen, gestalteten Live-Schalten gibt's nun bei uns mehrmals in der Woche.

Politiker-Interviews hat das ZDF-MoMa häufig exklusiv. Warum?

Bei uns sind die Politiker morgens live im Studio, weil wir aus Berlin senden. Das hat kein anderer Sender in Deutschland, keine andere Zeitung und auch kein Radiosender. Das ARD-MoMa wird beispielsweise in Köln produziert, und muss für Interviews extra nach Berlin schalten.

Aber wo schwächelt das ZDF-MoMa?

Unsere Schwäche ist vielleicht, dass wir manchmal zu viel reinpacken wollen in eine Sendung.

Was dann wiederum eine Stärke ist?

Ja, aber vielleicht sollte man manchmal lieber etwas weglassen oder es nur kurz bringen und stattdessen lieber einen Schwerpunkt setzen. Zwar machen wir das mitunter bereits, aber manchmal könnten wir uns noch mehr fokussieren. Übrigens kritisieren wir uns selbst sehr hart in den so genannten "Schelten" nach der Sendung. Das ist wiederum eine Stärke.

Künftig wird vieles neu beim ZDF-MoMa. Was konkret?

Ab Juli fällt die Börsen-Schalte weg. Zwar soll es weiterhin Wirtschaft geben, aber nicht mehr in dieser Form. Deshalb führen wir die neue Rubrik "MoMa Wirtschaft" ein und bringen mehrfach in der Woche z.B. unternehmens- oder volkswirtschaftliche Themen. In Beiträgen lassen sich die Themen plastischer darstellen. Außerdem beenden wir das Tassenspiel.

Es gibt kein "Richtig oder Falsch?" mehr?

Genau. Bislang haben wir kurz vor 9 Uhr immer einen Film gezeigt, bei dem zwei Zuschauer raten mussten, ob der Inhalt stimmt. Dann gab es zwei MoMa-Tassen zu gewinnen. Das werden wir nun weglassen, denn die Filmproduktion ist sehr arbeitsaufwändig und ich wünsche mir Freiraum für Neues. Aus meiner Sicht ist das MoMa manchmal etwas zu trocken, und ich möchte, dass unsere tollen Moderatoren spontaner (inter-)agieren können - wie zum Beispiel bei der Übergabe vom Wetter zur Anschlussmoderation. Dafür schaffe ich jetzt Räume. Und für die beliebten Moma-Tassen überlegen wir uns natürlich etwas Neues.

Was wird noch anders?

Ab Juli gibt’s neben "MoMa Wirtschaft" noch drei weitere neue Rubriken. Erstens das vierminütige Reportageformat "MoMa Nahaufnahme". Zweitens "MoMa Future", wo wir uns um Zukunfts- und Technologiethemen kümmern. Und drittens "MoMa Pro und Contra": Das ist ein Meinungsformat mit zwei Ansichten. Zusätzlich haben wir ein neues Regie- und Grafikkonzept erarbeitet und optimieren die Gesamtabläufe und die Dramaturgie. All das macht uns im besten Sinn moderner und dynamischer. Wir drehen an vielen kleinen Stellschrauben - im Studio, inhaltlich, in den Formaten und in den Rubriken.

Was, wenn Dunja Hayalis gleichnamige Talkshow am Mittwochabend ein Riesenerfolg wird? Droht Ihnen dann der personelle Abgang einer "MoMa"-Moderatorin?

Dunja Hayali hat eine große Routine, sie führt unglaublich gute Interviews und ist eine der tragendsten Säulen der Redaktion sowie ein Hauptgesicht der Sendung. Ich hoffe, sie bleibt uns beim Moma noch lange erhalten.

Was muss man sich konkret unter der neuen Rubrik "MoMa Nahaufnahme" vorstellen?

Künftig zeigen wir mehr Lebenswirklichkeiten. Wir wollen näher ran an die Leute und werden die verschiedenen Milieus und Probleme beleuchten. Wir bringen den Menschen die Menschen näher. Es ist eine Hauptstärke des Fernsehens, dass es Situationen, Problemen und Milieus intensiv und emotional vermitteln kann.

Worum geht’s in "MoMa Future?"

Davon verspreche ich mir sehr viel. Wir müssen uns mehr um Zukunfts- und Technologiethemen kümmern. Wie werden wir künftig leben? Gibt’s bald selbstfahrende Autos, Roboter in der Altenpflege und elektronische Assistenten? Und was bedeutet dass dann für unsere Gesellschaft? All das werden wir beleuchten.

Doch was steckt hinter "Pro und Contra"?

Wir werden je zwei Reporter losschicken, die die Zuschauer mitnehmen durch zwei verschiedene Argumentationswelten. Denn es gibt immer mehr Themen, die polarisieren.

Werden all diese neuen Rubriken flexibel eingeplant?

Ja, denn wir brauchen nicht noch mehr Korsett. Die "MoMa"-Nahaufnahme gibt's ein- bis zweimal pro Woche, "MoMa"-Future einmal pro Woche und "MoMa"-Wirtschaft mehrfach pro Woche.

Wie wollen Sie neue, junge Zuschauer für das "MoMa" gewinnen?

Mein Ansatz ist: wir brauchen nicht mehr Social Media in unserer Sendung, sondern mehr unserer Sendungsinhalte auf Social Media. Künftig setzen wir noch mehr auf die Stärken unserer Livesendung mit ihren exklusiven Inhalten, Politikerinterviews und aktuellsten, frischesten News. All diesen Content bringen wir exklusiv auf Facebook und Twitter - und zwar in knackiger, kurzer und prägnanter Form nach dem Motto: Das wichtigste Zitat in 20 Sekunden. Derzeit experimentieren wir auch mit "Facebook Live". Das ist Teil einer Transparenzoffensive, denn die Zuschauer können mich in meiner Funktion als Redaktionsleiter und auch ein paar leitende Redakteure und Moderatoren befragen - etwa zu unseren redaktionellen Entscheidungen oder warum wir Interviewpartner X statt Gesprächspartner Y eingeladen haben.

Schlussfrage: Welches Ziel peilen Sie mit den geplanten Neuerungen an?

Die beste Information am Morgen. Und natürlich wollen wir, wenn Sie so wollen, auch unsere Quote und Reichweite erhöhen. Außerdem müssen wir in Sachen Social Media weiterkommen - und deshalb noch abwechslungsreicher und überraschender werden.

Interview: Mike Powelz

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