"MoMa"-Wettermann Stöwe: "Genaue Wetterprognosen sind nur kurzfristig möglich"

Alle 14 Tage von Montag bis Freitag erzählt uns Benjamin Stöwe, Wetterfrosch beim "ZDF-Morgenmagazin", wie das Wetter wird. Im Interview verrät er den Zusammenhang von "Star Trek" und Wettersatelliten.

Interview mit Benjamin Stöwe

Was ist die häufigste Zuschauerfrage, Herr Stöwe?

Wie das Wetter an einem bestimmten Datum wird. Gestern hat mir zum Beispiel ein Brautpaar gemailt, das gern wissen möchte, wie das Wetter in zwei Wochen wird. Aber das kann man erst am Vortag mit größtmöglicher Verlässlichkeit vorhersagen. Genaue Wetterprognosen für einen Ort und eine bestimmte Uhrzeit sind nur ganz kurzfristig möglich – und man sollte niemandem glauben, der konkret vorhersagt, wie der nächste Sommer wird. Denn genauso gut könnte man im Hochsommer fragen, ob es Heiligabend schneit.

Wie sind Sie Wetterfrosch geworden?

Von Haus aus bin ich Fernsehjournalist. Und durch Zufall, weil ein Kollege nicht konnte, habe ich vor zehn Jahren meinen ersten Wetterbericht im rbb moderiert. Dabei ging es vor allem darum, eine Wettergeschichte zu erzählen. Immer von draußen, überall unterwegs, und Wetter war eben auch dabei. Beim Morgenmagazin ist das anders, die Meteorologie steht viel mehr im Fokus. Für eine morgendliche Sendung aber ganz normal – denn, mal ehrlich: Nach den Abendnachrichten geht fast niemand mehr nach draußen. Aber beim moma habe ich schnell einige Mails im Postfach, wenn sich das Wetter nicht ganz an die Vorhersage gehalten hat.

Auffällig ist, dass Sie sich die Wetterkarte in der Live-Sendung anschauen – und dann minutenlang frei und ohne Teleprompter improvisieren. Wie funktioniert das?

Ganz einfach! Wenn ich eine Wetterkarte sehe, sehe ich darin eine Geschichte, und von der möchte ich den Zuschauern berichten. Wetter ist dynamisch, es passiert eine Menge, und es gibt so viele Details, dass ich noch viel mehr erzählen könnte. Aber die Zeit im Sendeablauf ist oft schnell vorbei, deshalb variiere ich zwischen den verschiedenen Wetterberichten. Übrigens wäre mein Wetterbericht nicht das, was er ist, wenn nicht tolle Kollegen hinter mir stünden – nämlich das Wetterteam in Mainz.

Ihr erster MoMa-Einsatz ist morgens um 5.30 Uhr. Wann stehen Sie dafür auf?

Meistens um 3.15 Uhr, je nach Wetterlage auch früher. Alles nach drei Uhr ist für mich nicht mehr mitten in der Nacht, sondern nur frühes Aufstehen. Außerdem versuche ich spätestens gegen 21.30 Uhr im Bett zu sein, und bekomme so also fünf bis sechs Stunden Erholung. Oft werde ich sogar ohne Wecker wach, und dann freue ich mich aufs momaWetter.

Inwiefern ist Ihr Job krisensicher?

Zumindest zweifelt nie jemand an der Relevanz des Wetterberichts – und das gefällt mir natürlich. Um es mit meinen Worten auf den Punkt zu bringen: Das Klima beim Morgenmagazin ist klasse, mit den Kollegen und vor allem mit unseren Zuschauern: Ich bekomme sehr viele Zuschriften, mit Fotos von Sonnenaufgängen, Wolkenformationen oder Fragen zum Wetter. Regelmäßig gehen wir auch auf Wettertour und besuchen unsere Zuschauer. Egal ob auf der Zugspitze oder zum Baden im See, Wetter ist schließlich immer und überall. Ein besonders treuer "Morgenmagazin"-Zuschauer lebt übrigens in Cairns, an der australischen Ostküste. Er ist Koch und schreibt mir regelmäßig – und wenn ich auf den Satellitenbildern einen schweren Sturm mit Windgeschwindigkeiten über 200 km/h in Richtung Cairns ziehen sehe, frage ich mich schon, wie es ihm wohl geht. Manchmal schreibt er mir anschließend, dass er alles festgebunden hat und gerade in seiner Küche sitzt und wartet, bis es vorbei ist.

Aber wie ist es, nachts zu arbeiten?

Ich genieße es. Auch, weil wir ein gutes Team sind. Das frühe Aufstehen schmiedet uns zusammen.

Sie haben das Wetter schon mal im Star-Trek-Kostüm präsentiert. Gibt's einen heimlichen Masterplan für Auftritte in weiteren Kostümen?

"Captain Kirk macht jetzt das Wetter", schrieb damals ein Zuschauer bei Twitter. Das war Rosenmontag vor zwei Jahren. Ich hatte auch schon mal spitze Ohren – wie Mr. Spock, das war am 11.11. und ein bisschen subtiler. Ich bin eben Enterprise-Fan. Außerdem spielt der Weltraum eine erhebliche Rolle für die Wettervorhersage. Unsere Wettersatelliten sind da oben. Einige Zuschauer können immer noch nicht glauben, dass unser geostationärer Wettersatellit Meteosat 36.000 Kilometer entfernt ist. Ein paar Leute schreiben mir, und behaupten dann, dass wir uns irren, und es in Wirklichkeit nur 36 Kilometer wären. Tja, dem ist nicht so. Denn die 36.000 Kilometer sind nicht willkürlich. Salopp gesagt, heben sich in dieser Entfernung die Erdanziehungskraft und die Fliehkraft gegenseitig auf – nur deshalb bleibt der Wettersatellit immer über derselben Stelle auf der Erde.

Kann man den Bauernregeln eigentlich noch trauen?

Ja und nein. Die Bauernregeln sind oft vage formuliert. In der Region, in der sie entstanden sind, mögen sie gelten, aber aufs ganze Land übertragen gilt das nur für die wenigsten Bauernregeln. Eisheilige, Altweibersommer und Weihnachtstauwetter lassen sich tatsächlich statistisch belegen. Doch auch die Eisheiligen sind mit Vorbehalt zu betrachten, diese Bauernregel stammt noch aus der Zeit vor der gregorianischen Kalenderreform. Insofern müsste man die Eisheiligen, wenn man korrekt sein wollte, heute zehn Tage später ansetzen.

Was macht der Schneemann aus Steinen auf Ihrem Schreibtisch?

Der ist ein Geschenk. Die Zuschauer schicken mir eben nicht nur Wetterfotos. Nach Ostern bekam ich zum Beispiel eine Wetterkarte aus Eierschalen. Ist das nicht toll? Da hat jemand sämtliche Flüsse, Gebirgszüge und Hauptstädte gebastelt, alles aus farbigen Eierschalen. Den steinernen Schneemann hingegen hat ein kleines Mädchen gebaut, weil es für einen echten Schneemann einfach nicht genug Schnee gab.

Schlussfrage: Wie wird der Sommer?

Die nächsten drei Tage wechselhaft mit sonnigen Abschnitten. Und danach? Abwarten.

Interview: Mike Powelz

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