Dunja Hayali: "Das 'MoMa' wird spontaner, und dadurch authentischer"

Zum 25-jährigen Sendungsjubiläum des "ZDF-Morgenmagazins" trafen wir das Moderatoren-Duo Dunja Hayali und Mitri Sirin zum Interview. Sie verraten, wie sehr sie sich auf die Veränderungen beim "MoMa" freuen.

Exklusive Enthüllungen, die neuesten Infos zu aktuellen Themen und Live-Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten: Das sind die Zutaten für das reichhaltige Nachrichten-Büfett, mit dem das "Morgenmagazin" des ZDF uns alle 14 Tage zur Frühstückszeit in den Tag lockt, montags bis freitags, 5.30 bis 9 Uhr. Das "MoMa", das am 20. Juli in der 3152. Ausgabe 25. Geburtstag feiert, ist eine Erfolgsgeschichte: die quotenstärkste Morgensendung Deutschlands.

Zu diesem Jubiläum trafen wir das Moderatoren-Duo Dunja Hayali und Mitri Sirin zum Interview.

Interview mit Dunja Hayali und Mitri Sirin

Frau Hayali, Herr Sirin, seit 2013 starten Sie alle zwei Wochen gemeinsam in den Tag. Fluch oder Segen?

Dunja Hayali: Ein Segen. Meine Schwester sagt immer, wir sind am Kopf verbundene siamesische Zwillinge, die man bei der Geburt getrennt hat.

Mitri Sirin: Es gibt tatsächlich unglaublich viele Parallelen. Wir sind beide in Deutschland großgeworden, teilen viele Interessen, mögen dieselbe Popkultur, surfen, haben Hunde und fahren beide das gleiche Motorrad.

Dunja Hayali: Und haben mittlerweile einen ähnlichen Freundeskreis. Das liegt daran, dass wir "ziemlich beste Freunde" sind. Wir waren sogar schon zusammen im Urlaub.

Mitri Sirin: Wenn man mich fragt, mit wem ich am liebsten moderiere, dann kann ich mir das eigentlich nur mit Dunja vorstellen. Bei Doppelmoderationen muss man sich entweder total gut verstehen oder total gut vorbereiten. Mit Dunja und mir klappt beides immer bestens.

Dunja Hayali: Es ist natürlich toll, mit jemandem zu arbeiten, mit dem man auch befreundet ist. Und es ist zugleich auch eine Kunst, weil Freunde manche Kritik vielleicht noch persönlicher nehmen. Wir können uns aber tatsächlich alles sagen, stehen füreinander ein, haben beide ein gesundes Ego. Wir wollen gemeinsam gut performen – es gibt aber kein Konkurrenzdenken.

Bald wird das MoMa erneuert. Warum freuen Sie sich darauf?

Dunja Hayali: Wir freuen uns auf Veränderungen, bei allem was schön ist und gut funktioniert ist ein Update nach 25 Jahren ja absolut sinnvoll. So wie sich alle Dinge verändern, verändern sich eben auch die Anforderungen an ein tagesaktuelles Format wie das ZDF MoMa. Es gibt verschiedene Rubriken, die in der heutigen Zeit nicht mehr so viel Sinn ergeben wie noch vor einigen Jahren und es gibt Vorschläge, die wir beide präsentiert haben. Dazu gehört auch ein spontaneres Plaudern, wie es bei BBC und CNN der Fall ist. Diese beiden Sender sind ein gutes Beispiel dafür, dass Themen durchaus beiläufiger an den Zuschauer herangetragen werden können – und wir dabei trotzdem professionell und politisch bleiben. Das abwechselnde Moderieren wie bislang nach dem Motto: "Ich – du – ich – du – Anmoderation - Beitrag – Anmoderation - Gespräch" wirkt leicht starr. Vor allem in unserem Fall, lässt sich das ja aufbrechen. Wir verstehen uns so gut und können uns so gut aufeinander verlassen, dass wir die Dinge im Vorfeld nicht eins zu eins absprechen müssen. Das MoMa wird spontaner, und dadurch authentischer.

Also: "Hey, wie gefällt dir eigentlich Trumps neuester Tweet?"

Dunja Hayali: Nein,. das gehört sich in einem tagesaktuellem Nachrichtformat wie dem ZDF MoMa nicht, zumindest nicht im Bereich Politik. Es geht ums einordnen, nicht ums persönliche Gefallen.

Mitri Sirin: So etwas machen wir nur bei leichteren Themen. Bei der Politik verbietet es sich, weil es automatisch mit einer Ansicht verbunden ist.

Dunja Hayali: Bei politischen Themen haben persönliche Ansichten im ZDF MoMa keinen Platz. Ich werde oft damit konfrontiert, dass man meine Haltung im ZDF MoMa spüre. Meine Meinung dazu ist: Solange die Haltung gegen Rassismus, für Humanismus, für Pluralität und parteilos ist, dürfen wir als Journalisten sehr wohl diese Haltung haben – aber sie findet sich in der Regel in politischen Gesprächen nicht wieder. Grundsätzlich sind wir unabhängig und neutral. Aber es mag manchmal anders wirken. Ein Beispiel: Wenn Horst Seehofer bei uns wäre und wir über das Thema Obergrenze sprächen, dann würde ich ihn z.B. fragen: "Wie soll das gehen mit dem 200.001 Flüchtling?" Cem Özdemir hingegen müsste sich fragen lassen, wie es in Deutschland ohne Obergrenze weitergehen soll. Das heißt, ich frage zweimal aus einer völlig anderen Perspektive – dabei ist weder das Eine, noch das Andere meine persönliche Meinung. Es ist ganz wichtig, dass die Zuschauer das verstehen, denn wir werden und wollen auch künftig im ZDF MoMa Transparenz schaffen und den Zuschauern erklären, wie wir arbeiten. Wer sucht unsere Gäste aus? Wer entscheidet, welche Fragen gestellt werden? Warum fragen wir den einen Interviewpartner dieses und den nächsten jenes? Mit Transparenz treten wir den Lügen- und Lückenpressevorwürfen entgegen.

Mitri Sirin: Es gehört zu unserer Technik, die jeweilige Gegenposition unseres Interviewpartners einzunehmen – um seine Argumente zu verstehen und ihn aus der Reserve zu locken. Bislang verstehen manche Zuschauer nicht, dass das ein journalistisches Handwerk ist. Manche Leute verwechseln es mit politischen Ansichten oder damit, dass wir uns angeblich anbiederten.

Wird Ihnen mitunter auch zu viel Angriffslust beim Interview vorgeworfen?

Dunja Hayali: Es gibt Gespräche, die führt man schärfer und manchmal entwickelt sich auch eine Eigendynamik. Andere Interviews wiederum sind eher informative Gespräche, da geht es um das Abfragen von Informationen. Was jedoch alle Gesprächsformen eint – und für uns obendrein wichtig ist – ist der Erkenntnisgewinn. Der Zuschauer soll etwas mitnehmen. Manchmal ist es dabei übrigens auch vielsagend, wenn sich ein Politiker vor einer Antwort dreht und windet.

Was war Ihre denkwürdigste MoMa-Ausgabe – und warum?

Dunja Hayali: Da gäbe es für mich nach 10 Jahren MoMa einige. Zuletzt sicherlich der Morgen nach der US-Wahl, als Donald Trump als Wahlsieger feststand oder aber auch der Brexit. Ich habe viele Freunde in London, die ziemlich geschockt waren.

Mitri Sirin: Aber es gibt nicht die eine denkwürdige Sendung! In den letzten fünf Jahren hatten wir mehr Blindflugsendungen als jemals zuvor – wegen des Brexits, der US-Wahl, dem Berlin-Anschlag und vielem mehr. An solchen Tagen haben wir uns einfach ins Studio gestellt und dann drauf los moderiert.

Machen diese Blindflüge mehr Spaß als perfekt durchstrukturierte Sendungen?

Dunja Hayali: Ja, aber natürlich braucht man das nicht täglich. Zwischendurch sind solche Tage aber schon deshalb interessant, weil wir an der Quelle sitzen und die Ersten sind, die etwas wissen und es dann an die Zuschauer weitergeben können. Die Kehrseite ist, dass Blindflugsendungen leider oft auf Terroranschlägen, Unfällen und Katastrophen basieren.

Mitri Sirin: An solchen Tagen gibt es auch eine Selbstvergewisserung der eigenen Qualitäten. Bekommt man das hin? Schafft man das auf den Punkt?

Wie lässt sich das MoMa am besten beschreiben?

Dunja Hayali: Es ist ein guter Spiegel dessen, was draußen passiert – ein Mix aus Politischem und Buntem, wie eine Wundertüte. Ein Gemischtwarenladen im besten Sinne.

Mitri Sirin: Außerdem ist das MoMa eine erwachsene Sendung. Künftig bekommen wir ein paar neue Werkzeuge. Beispielsweise zoomt die Kamera noch näher an uns heran und die Zuschauer fühlen sich uns noch näher. Außerdem gibt’s künftig die "MoMa-Nahaufnahme" – also ein reportagiges Eintauchen in verschiedene Lebenswirklichkeiten und Technologien.

Und die neue Rubrik "Pro und Kontra"?

Dunja Hayali: ... Habe ich mir gewünscht, denn wann immer ich diese Rubrik in der "Zeit" lese, bin ich wie gefesselt. Als Leser schließt man sich zunächst der Pro-Seite an – aber nach dem Lesen des Kontras überdenkt man noch mal alles. Es ist eben nicht immer alles schwarz oder weiß. Und unsere Zuschauer bekommen mit der Rubrik kurze, präzise Argumente an die Hand.

Gern hätte ich obendrein auch noch die "Fake-News" der Woche unter die Lupe genommen, denn es geistern ja manchmal tagelang Dinge durch das Netz, die schlicht falsch sind. "Papst würde Trump wählen" oder...

Mitri Sirin: … etwa, wenn es wieder mal heißt, dass ein Flüchtling irgendwo ein Heim in Brand gesteckt hat oder jemanden vergewaltigt hat. Die Dimension der "Fake News" ist riesig – genau wie ihre schneeballsystemartige Verbreitung.

Dunja Hayali: Aber eines nach dem anderen. Jetzt erst mal "pro und contra".

Wie wichtig sind Ihnen Exklusiv-News?

Mitri Sirin: Sie sind gut für das Ego …

Dunja Hayali: … und gut für den Sender. Aber beim ZDF MoMa warten wir lieber ein paar Minuten länger mit dem Vermelden einer Exklusiv-Meldung, auch wenn die Zuschauer uns dann unterstellen, dass wir etwas vertuschen oder nicht wahrhaben wollen. Doch darum gehts nicht. Als öffentlich-rechtlicher Sender orientieren wir uns an dem, was ein Fakt ist und nicht an dem, was wir glauben. Konjunktiv-Journalismus sollte nicht unser Anspruch oder unser Standard werden. Deshalb muss man die Chuzpe haben, zu sagen, wir warten ab, statt einen Anschlag sofort "islamistisch" zu nennen, ohne die Bestätigung dafür zu haben.

Mitri Sirin: Man darf sich dem Zeitdruck nicht beugen. Richtigstellungen nehmen tendenziell immer mehr zu. Ich betrachte das mit Sorge, aber ich verstehe auch die Gründe. Denn die sozialen Netzwerke bauen mittlerweile einen derartigen Druck auf, dass viele Redaktionen immer noch nicht wissen, wie sie damit vernünftig umgehen sollen. Der journalistische Urreflex, schnell Neuigkeiten zu vermelden, hat maßgeblich zur aktuellen Medienkrise beigetragen. Wir müssen uns selbst wieder das Abwarten und Gelassenbleiben beibringen.

Wann stehen Sie für's MoMa auf?

Dunja Hayali: Ich habe vier verschiedene Weckzeiten einprogrammiert – um 3.47 Uhr, 3:51 Uhr, 3:57 und 3:59. Je nachdem, wie viel ich vorbereiten muss.

Mitri Sirin: Ich variiere auch immer. In der Redaktion tauche ich spätestens um 4:45 Uhr auf, lese die Presseschau und bin anschließend gut informiert.

Und wann gehen Sie ins Bett?

Dunja Hayali: Mit Claus Kleber... und dem "heute Journal". Außerdem brauche ich tagsüber immer noch mal ein Stündchen. Sonst bin ich echt unleidig.

"Richtig oder Falsch?" wird abgeschafft …

Dunja Hayali: Für die Produktion der Filme braucht unser Team unheimlich viel Zeit, die wir künftig besser für andere Dinge einsetzen können.

Haben Sie selbst schon mal eine Idee für "Richtig oder falsch" beigesteuert?

Dunja Hayali: Nein, noch nicht. Warum eigentlich nicht?

Mitri Sirin: Ich habe schon mal eine Idee beigesteuert. Die heißt "MoMa intim". Dabei ging es um Fragen wie "Ist es richtig oder falsch, dass Mitri Sirin jeden Tag 20 Kilometer joggen geht" oder "Stimmt es, dass Dunja Hayalis derzeitige Zahnbürste rosa ist?"

Dunja Hayali: Eigentlich eine ganz schöne Idee. Aber vielleicht etwas selbstrefferenziell. Das MoMa ist ein Tanz auf dem Drahtseilakt. Manchmal kann man mit Nuancen total danebenliegen…

Mitri Sirin: …deshalb glauben manche Zuschauer auch, dass wir total ineinander verschossen sind – oder total zerstritten.

Schlussfrage: Bleiben Sie dem ZDF MoMa erhalten, falls "Dunja Hayali" voll einschlägt, Frau Hayali?

Dunja Hayali: Diese Entscheidung werden wir treffen, wenn Sie ansteht. Alles zu seiner Zeit.

Kommentare einblenden

"MoMa"-Wettermann Stöwe: "Genaue Wetterprognosen sind nur kurzfristig möglich"

Alle 14 Tage von Montag bis Freitag erzählt uns Benjamin Stöwe, Wetterfrosch beim "ZDF-Morgenmagazin", wie das Wetter wird. Im Interview verrät er den Zusammenhang von "Star Trek" und Wettersatelliten.
Mehr lesen