TV-Wahlkampf – was die Sender planen

Claus Strunz (ProSieben/SAT.1), Sandra Maischberger (ARD) sowie Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL, v.l.) interviewen beim "TV-Duell" am 3. September Angela Merkel und Martin Schulz.
Claus Strunz (ProSieben/SAT.1), Sandra Maischberger (ARD) sowie Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL, v.l.) interviewen beim "TV-Duell" am 3. September Angela Merkel und Martin Schulz.
Foto: Thomas Kierok/ZDF
Illner, Kloeppel, Maischberger und Strunz haben die richtigen Fragen zur Bundestagswahl.

Von wegen Sommerloch! Dieses Jahr geht es für die TV-Sender in der warmen Jahreszeit in die heiße Phase. Schließlich müssen sie ihre neuen Formate rund um die Bundestagswahl am 24. September 2017 vorbereiten. Neben dem klassischen TV-Duell gibt es zahlreiche neue Möglichkeiten für den Wähler, sich im Fernsehen eine Meinung zu den Wahlprogrammen zu bilden. GOLDENE KAMERA stellt die wichtigsten Ausstrahlungen rund um die Bundestagswahl vor. Fast immer mit dabei: Maybritt Illner, Peter Kloeppel, Sandra Maischberger und Claus Strunz.

Der Klassiker: "Das TV-Duell: Merkel-Schulz"

Am 3. September um 20.15 Uhr übertragen ARD, ZDF, SAT.1 und RTL das große Duell. Die Sender haben versucht vom ursprünglichen Konzept abzuweichen, sie wollten zwei Duelle, sie wollten für mehr Tiefe verschiedene Zeitblöcke pro Moderationspaar einrichten. Alles umsonst. Die Vertreter der Bundeskanzlerin lehnten unter diesen Bedingungen eine Teilnahme ab. Jetzt steht alles auf Anfang: Das Duell wird wieder klassisch - wie auch schon 2013 - abwechselnd mit den verschiedenen Moderationspaaren gehalten. Dieses Jahr am Mikrophon: Maybritt Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL), Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (ProSieben/SAT.1). Bei der letzten Wahl schalteten 17,64 Millionen Zuschauer das Duell Merkel gegen Steinbrück ein.

Das TV-Duell: Merkel - Steinbrück

TV-Runde für die "kleinen" Parteien

Damit die kleineren Parteien auch nicht zu kurz kommen, forderten die Spitzenkandidaten der Linken, von Grünen und FDP eine TV-Debatte mit den Parteien, die Chancen auf Einzug ins Parlament haben. Deshalb planen ARD und ZDF am 21. September um 22 Uhr eine Runde für die kleineren Parteien.

"Illner intensiv"

Neben dem großen Duell moderiert Maybritt Illner (GOLDENE KAMERA-Preisträgerin 2009) vom 5. bis zum 8. September fünf Folgen "Illner intensiv" im ZDF. Spitzenkandidaten und Politiker diskutieren mit ihr die wichtigsten Wahlthemen und Wahlversprechen. Angekündigt sind bereits Andrea Nahles, Thomas de Maiziére, Christian Lindner, Cem Özdemir, Sahra Wagenknecht, Alice Weidel und Joachim Hermann.

"Frag selbst" - "Tagesschau 24":

Auch im Internet wollen die Öffentlichen-Rechtlichen zur Bundestagswahl Präsenz zeigen. Schließlich zählt der "Wahl-O-Mat" zu den wichtigsten Instrument der Meinungsbildung. Bei "Frag selbst" können die User ihre Fragen sonntags direkt online und auf Facebook an die Politiker schicken. Sahra Wagenknecht (Die Linke, 9. Juli), Peter Altmaier (CDU, 16. Juli), Martin Schulz (SPD, 27. August) haben ihr Kommen schon zugesagt. Zugelassen wird das Format allerdings nur vom Rundfunkstaatsvertrag, wenn es auch einen Bezug im Fernsehen gibt. Deshalb wiederholt Tagesschau 24 "Frag selbst" wenige Stunden nach der Facebook-Präsenz im Programm.

Und auch das ZDF startet das Crossmediale Faktencheck-Projekt #ZDFcheck17. "Damit sich die Wähler fair entscheiden können, müssen sie wissen, welche Information richtig ist und welche falsch", sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Ein Redakteursteam untersucht dafür alle Nachrichten zur Bundestagswahl auf ihren Wahrheitsgehalt.

#felixfragt

"An einem Tisch mit..."

Auch RTL steckt tief in der Planung. "Unser Anspruch für den Wahlkampf ist es, den Zuschauern eine Stimme zu geben. Wir wollen versuchen, die Menschen wieder näher an die Politik heranzubringen,“ sagt Chefredakteur Michael Wulf. Deshalb hat sich der Sender in dem 25.000 einwohnerstarken Städtchen Rinteln bei Hannover eine Wohnung gemietet und holt Wähler und Politiker an einen Tisch. Die Berichte laufen dann in den regulären Nachrichten- und Magazinsendungen, mit Ausnahme vom 13. Und 20. August: dann werden Martin Schulz und Angela Merkel an einem Tisch vor rund 70 Zuschauern Platz nehmen und um 22 Uhr beim Townhall-Meeting Peter Kloeppel Rede und Antwort stehen .

"RTL Nachtjournal Spezial" und "RTL Aktuell"

Überhaupt ist Peter Kloeppel (GOLDENE KAMERA-Preisträger 2017) ähnlich wie Illner zur Wahl sehr gefragt. Ab dem 11. September moderiert er in "RTL aktuell" täglich aus einer anderen Stadt, um die Stimmung des Landes zu erkunden. Beim "RTL Nachtjournal" gibt es die Sommerinterviews (auch mit Merkel und Schulz) und Ilka Essmüller begleitet die Spitzenkandidaten auf Wahlkampftour.

"Talk vor der Wahl" & "Faktenchecks"

Und auch SAT.1 bietet einige Formate rund um die Bundestagswahl. Fast immer mit dabei: Christian Strunz. Er lädt am 30. August die Spitzenvertreter der Grünen, der Linken, der FDP und der AfD ein, bei "Tallk vor der Wahl" Stellung zu beziehen. Bei "Faktenchecks" präsentiert Strunz in den Magazin- und Nachrichtenformaten eine umfangreiche Berichterstattung zur inneren Sicherheit und sozialen Gerechtigkeit.

ZDF hat auch die Jungend im Blick

Damit auch die Kinder und Jugendlichen zur Bundestagswahl bestmöglichst informiert werden, gibt es bei "Logo! Extra" am Tag der Wahl eine Spezialsendung. Außerdem arbeitet das ZDF eng mit YouTuber Felix von der Laden, besser bekannt als Dner, zusammen. Er wird verschiedene Clips für das Internet ("#felixfragt") und eine Dokumentation für das Hauptprogramm drehen.

Wer sich informieren will, hat also die Qual der Wahl. Die Berichterstattung nimmt mittlerweile amerikanische Tendenzen ein. Und mit Sicherheit werden nach der Sommerpause noch viele neue Formate dazu kommen.

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