Robert De Niro als 65-Milliarden-Dollar-Betrüger

Das top besetzte HBO-Biopic "The Wizard of Lies" erzählt die unglaubliche Story des Ausnahme-Betrügers Bernie Madoff.

Zu den entlarvendsten Szenen gehört eine rauschende Gala in Palm Beach, Florida, im Oktober 2008. Dresscode: Smoking. „Ver- f***te Reiche! Parasiten!“, flucht Bernie Madoff abseits der feiernden Gäste. Der bestens vernetzte Finanzexperte und Ex- Chef der Technologiebörse NASDAQ meint damit seine Geschäftspartner: Er hat gerade am Telefon erfahren, dass einige seiner vermögenden Investoren ihr Geld zurückhaben möchten – die Finanzkrise zollt ihren Tribut. Und während sich Drums und Klavier der Jazzband duellieren, hat Madoff schon einen neuen Interessenten an der Angel, der förmlich darum bettelt, 400 Millionen US-Dollar bei ihm anzulegen. Wie er sein williges Opfer ohne jede Gefühlsregung binnen Sekunden mit dieser Summe über den Tisch zieht, lässt einen beim Zuschauen frösteln.

Trailer "Wizard of Lies"

Robert De Niro spielt Bernie Madoff

Bernard L. Madoff war selbst ein reicher Parasit: Mit einem gewaltigen Schneeballsystem hatte der Finanzmakler seine Anleger mit dem Versprechen traumhafter Renditen von bis zu 20 Prozent um eine Rekordsumme von insgesamt 65 Milliarden Dollar geprellt. 52 000 Entschädigungsanträge sind die Folge des größten Anlagebetrugs der US-Geschichte. Nun erzählt der HBO-Film „The Wizard of Lies“ (Mo, 10. Juli, Sky Atlantic) von Oscarpreisträger Barry Levinson („Rain Man“) diese unglaubliche Geschichte mit Robert De Niro in der Hauptrolle.

Er verkörpert Madoff als eher stillen Mann, dessen manipulative Umtriebe auf unheimliche Art tief verwurzelt zu sein scheinen. „Bernie ist das klassische Beispiel eines Hochstaplers“, sagt De Niro im Interview mit GOLDENE KAMERA über Madoff, der im Dezember 2008 vom FBI verhaftet und im Folgejahr zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde. „Er hat Menschen nicht belästigt, sondern sich eine Position aufgebaut, die andere glauben ließ, es sei eine Ehre, bei ihm zu investieren. Und dann hat er einfach nur gewartet, dass sie auf ihn zukamen.“

Diana Henriques, einer Investigativ-Reporterin der „New York Times“, gelang es, das Vertrauen des inhaftierten Madoff zu gewinnen. Ihre Gespräche hinter Gittern sind im Film nachgestellt als Rahmenhandlung zu sehen: Henriques, die sich hier selbst spielt, kann oft nur erschüttert auf Madoffs Unverforenheiten reagieren. War er ein Soziopath? Und glaubte er wirklich, sein Kartenhaus aus Lügen würde nie einstürzen? Für Schauspielikone De Niro bleiben auch nach dem Dreh noch große Fragezeichen: „Was er gemacht hat, ist jenseits meines Vorstellungsvermögens“, stellt er fest. „Ich habe wirklich mein Bestes gegeben, um ihn zu verstehen, aber er ist innerlich total abgeschottet.“

Michelle Pfeiffer als ahnungslose Ehefrau

Internationale Banken, Stiftungen, und Prominente wie Steven Spielberg, Kevin Bacon und der Holocaust-Überlebende und Nobelpreisträger Elie Wiesel zählten zu Madoffs Opfern. Mindestens zwei Anleger, die bei Madoff ihr gesamtes Vermögen verloren, nahmen sich das Leben – wie auch Madoffs Sohn Mark: Bernie Maddoff soll selbst Ehefrau und Kinder nicht eingeweiht haben, 16 Jahre lang. Während die Öffentlichkeit lange an der Ahnungslosigkeit der Angehörigen zweifelte, zeigt „Wizard of Lies“, wie auch seine Familie von dem Betrugsskandal überrollt wird.

Brillant dabei: Michelle Pfeiffer als Ehefrau Ruth, die für Bernies Machenschaften büßen muss. Für sie, die Bernie im Alter von 18 Jahren heiratete, beginnt der Absturz, als sich ihr Promifriseur weigert, sie als Kundin zu behalten. Ihr Gang durch den Laden, begleitet von den urteilenden Blicken der anderen Kundinnen, wird zum Walk of Shame. „Ich habe Ruth Madoff kontaktiert, und zu meiner Überraschung war sie bereit, sich mit mir zu treffen“, erzählt Michelle Pfeiffer. „Was ihr im Leben widerfahren ist, wird keiner je wirklich nachvollziehen können. Sie hat buchstäblich an einem Tag alles verloren. Ich hoffe, unser Film wird mehr Aufschluss über sie geben, denn viele Menschen haben einfach einen falschen Eindruck von ihr.“

Bernie Madoff bleibt ein einziges großes Rätsel

Und dann ist da noch die Frage nach der Verantwortung der zuständigen Instanzen: Wie konnte ein 65-Milliarden-Betrug den Kontrollbehörden entgehen? „Wir behandeln, wie die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC Mist gebaut hat“, sagt Regisseur Barry Levinson. „Denn selbst in der Welt der Börse gibt es Regeln und Vorschriften. In diesem Fall wurden sicherlich viele Fehler gemacht.“ Mit „The Wizard of Lies“ hat man das Gefühl, Bernie Madoff beeindruckend nahe zu kommen – und dennoch bleibt dieser Mann ein einziges großes Rätsel.

The Wizard of Lies: Behind The Scenes

TV-Premiere: Mo, 10. Juli, 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD

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