Die üblichen "Tatort"-Verdächtigen

Sie spielen keine Kommissare und gehören doch zum festen "Tatort"-Inventar: Angelika Bartsch, Hans Peter Hallwachs, Dietrich Mattausch und Florian Bartholomäi gehören zu 12 Schauspielern, die in mindestens 12 unterschiedlichen Rollen der Krimi-Institution des deutschen Fernsehens ihren Stempel aufgedrückt haben.

Als am 29. November 1970 mit der NDR-Produktion "Taxi nach Leipzig" die erste "Tatort"-Folge über die Bildschirme flimmerte, konnte noch niemand ahnen, dass sich das Krimi-Konzept spielfilmlanger Fälle für regionale Ermittler zu einer der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Nachkriegsfernsehens auswachsen würde. 47 Jahre und 1025 Episoden später sind nicht nur 90 "Tatort"-Teams, sondern auch zahllose Nebendarsteller gekommen und gegangen. Und unter diesen finden sich einige, in deren schauspielerischen DNA der "Tatort" fest eingeschrieben ist.

15 "Tatort"-Einsätze: Hans Peter Hallwachs

Von Anfang mit dabei ist Hans Peter Hallwachs. Der heute 79-jährige Brandenburger, der in der Debütepisode "Taxi nach Leipzig" als Volkspolizei-Oberleutnant Klaus dem im Osten ermittelnden Kommissar Trimmel (Walter Richter) das Undercover-Leben schwer machte, stand danach noch in 13 weiteren Gastrollen vor der "Tatort"-Kamera. In "Tod vor Scharhörn" (2001) durfte Hallwachs sogar einen Kommissar-Kollegen des musizierenden Kult-Duos Stoever (Manfred Krug) und Brockmüller (Charles Brauer) spielen. Ein eigenes "Tatort"-Kommissariat zu übernehmen, blieb dem gelernten Bühnenschauspieler indes verwehrt. Hallwachs selbstbewusste Erklärung gegenüber der GOLDENEN KAMERA: "Es hat sich nie einer zu fragen getraut."

Obwohl Hans Peter Hallwachs rückblickend kein Lieblingsauftritt aufgefallen sein will, haben ihn die "Tatort"-Fans vor allem als Oberleutnant Klaus ins Herz geschlossen. Laut eigener Aussage wird er bis heute auf diese Rolle angesprochen, was mit ein Grund dafür gewesen sein mag, dass er sie 2016 in der 1000. Jubiläumsfolge "Taxi nach Leipzig" in einem Mini-Cameo ein zweites Mal bekleiden durfte. Hallwachs selber verbindet mit seinem Beitrag zur deutschen TV-Geschichte hingegen keine romantischen Gefühle. Danach befragt, ob für ihn als Veteran der ersten Stunde die Fernseh-Institution "Tatort" mehr als ein Broterwerb ist, gibt es als Antwort nur eine trockene Rückfrage: "Ist sie das?"

13 "Tatort"-Einsätze: Dietrich Mattausch

Ein differenzierteres "Tatort"-Bild legt Dietrich Mattausch an den Tag, der nach seinem Debüt als Schwerverbrecher in "Haie vor Helgoland" (1984) noch 12 weitere Gastrollen übernahm und dies immer mit großem Vergnügen tat. Neben der Zusammenarbeit mit talentierten Schauspielkollegen waren es vor allem die guten Drehbücher, die den "Tatort" in den Augen des heute 77-Jährigen zu etwas Besonderem machen: "Im 'Tatort' werden soziale Themen verhandelt, die sonst im Unterhaltungssegment keine Rolle spielen."

So konnte Mattausch unter anderem in "Reise ins Nichts" (2002) in die Haut eines skrupellosen Schleppers schlüpfen und glänzte in "Eine ehrliche Haut" (2004) als korrupter Politiker. Eine Festanstellung als "Tatort"-Kommissar kam dafür nicht infrage: "Es gab mal die Überlegung. Man muss sich aber bewusst sein, dass man im Idealfall für lange Zeit fest gebunden und künstlerisch sehr unfrei ist. Ich wollte lieber Freiräume haben, um weiter Theater zu spielen."

Dietrich Mattausch weiß, wovon er spricht. Von 1984 bis 2005 gehörte der Wahl-Berliner als Hauptkommissar Norbert Rick 202 Folgen lang zum festen Team der Vorabendserie "Der Fahnder". Ein einträgliches Rollen-Abo, das für Mattausch Vor- und Nachteile beinhaltet: "Ein solches Engagement bietet natürlich eine enorme Sicherheit. Aber es machen sich auch Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Und es besteht die Gefahr, vor allem von den verantwortlichen Redakteuren in eine Schublade gesteckt zu werden – nach dem Motto: Der kann ja nichts anderes!"

12 "Tatort"-Einsätze: Angelika Bartsch

Wer sich trotz dieser Gefahr unter den nebenberuflichen "Tatort"-Veteranen sehr gut ein Hauptrollen-Engagement als Kommissarin vorstellen könnte, ist Angelika Bartsch. Die 58-jährige Schwäbin, die es gleich in ihrer ersten "Tatort"-Episode "Doppelspiel" (1985) als fadenscheinige Psychotherapeutin mit Kult-Kommissar Götz George alias Horst Schimanski zu tun bekam, konnte 2010 in der Folge "Klassentreffen" als Hauptkommissar-Kollegin von Freddy Schenk (Dietmar Bär) erste Ermittlerinnenluft schnuppern. Doch ob sie nun eine Polizistin oder ein Mordopfer spielt – auf ihre bisherigen 12 Einsätze blickt Barsch mit großer Begeisterung zurück: "Der 'Tatort' ist absoluter deutscher Sonntagabend-Kult! Da mitzumachen, ist wie ein Ritterschlag."

Befragt nach ihrer liebsten „Tatort“-Erfahrung nennt die Bühnenschauspielerin die "Tatort"-Episode "Aida" (1996), die in der Presse als "Lustpiel mit Leichen" tituliert wurde und in der Angelika Bartsch eine unter Mordverdacht geratene Sängerin verkörperte: "Alles spielte in der Oper und war deshalb ein vollkommen anderes Milieu als gewöhnlich." Zur Abwechslung trugen auch die unterschiedlichen regionalen Teams bei, die Bartsch bei ihren "Tatort"-Dreherfahrungen in Duisburg, Hamburg, München, Frankfurft, Stuttgart, Köln und zuletzt 2015 in Münster sammeln konnte: "Das Catering zeigt einem immer, wo man sich befindet. Bayern: Weißwurst, Schwaben: Brezeln, Hamburg: Labskaus. Aber die Teams bedeuten immer und überall: Familie."

12 "Tatort"-Einsätze: Florian Bartholomäi

Dass ein Gästerollen-Abo beim "Tatort" keine Frage des Alters ist, beweist abschließend Florian Bartholomäi. Der gerade einmal 30-jährige Frankfurter, der zuletzt als Entführer der Crossover-Kommissare Lindholm (Maria Furtwängler) und Borowski (Axel Milberg) die Krimi-Show stahl, hat bereits 12 "Tatort"-Einsätze auf dem Konto und nennt gegenüber der GOLDENEN KAMERA die Vielfalt als Hauptgrund für sein schauspielerisches Interesse an der Reihe: "Jedes Ermittlerteam hat seinen eigenen Stil, der auch regional geprägt ist. Sich dieser Atmosphäre in der Geschichte anzupassen, macht jeden 'Tatort' für mich zu einem eigenen Film. Ich mag es, wenn sich ein Film auch mit dem Ort beschäftigt und Kriminalfälle nicht nur universell irgendwo stattfinden lässt. Die Tat an sich ist oft banal, aber die Prägung der Figuren durch ihre Umgebung ist, was das Ganze spannend macht."

Hinzu kommt, dass Gastrollen im "Tatort" auch ein Karrieresprungbrett sein können. Für ihre Leistung als diabolische Internatsschüler in "Herz aus Eis" wurden Bartholomäi und sein Co-Star Nora Waldstätten 2009 mit dem New Faces Award ausgezeichnet. Kein Wunder also, dass der junge „Tatort“-Veteran große Stücke auf den TV-Krimi-Evergreen hält: "Der 'Tatort' ist Kult. Dort mitspielen zu dürfen, ist eine tolle Möglichkeit, sehr vielen Zuschauern etwas über seine Figur erzählen zu können."

Ende des Jahres wird Bartholomäi dazu erneut Gelegenheit haben. In "Tollwut", dem 11. Fall des Dortmunder "Tatort"-Teams, begegnet der labile Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) nämlich seiner serienmordenden Nemesis Markus Graf wieder, die Bartholomäi 2014 in der Episode "Auf ewig Dein" verkörperte und neben seinem "Taxi nach Leipzig"-Auftritt als bisheriges Highlight seiner "Tatort"-Vita zu Protokoll gibt. Für die üblichen "Tatort"-Verdächtigen ist halt niemals Feierabend.

Happy Birthday, Terminator: Arnold Schwarzenegger wird 70!

Arnold Schwarzenegger erhielt 2015 die GOLDENE KAMERA für sein Lebenswerk.
Arnold Schwarzenegger erhielt 2015 die GOLDENE KAMERA für sein Lebenswerk.
Foto: © Arne Weychardt
Am 30. Juli feiert Arnold Schwarzenegger Geburtstag! Das Fernsehen ehrt ihn mit zahlreichen Filmen und Dokus - und wir erklären, warum der zweifache GOKA-Preisträger auf keinen Fall von gestern ist.
Mehr lesen