GOKA-Kandidat: "Das Leben danach"

Bei der Duisburger Loveparade kämpft Antonia (Jella Haase) um ihr Leben. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Thomas (Martin Brambach) versucht seiner Tochter Antonia (Jella Haase) zu helfen. Doch auch er stößt an die Grenzen der Belastbarkeit. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia Schneider (Jella Haase) lernt den Taxifahrer Sascha Reinhardt (Carlo Ljubek) kennen, dessen Leben ebenfalls vor sieben Jahren zerbrach. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Auch sieben Jahre nach der Katastrophe ist Antonia (Jella Haase) immer noch unfähig, ein normales Leben zu führen. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Trigger wie Polizeisirenen oder die Farbe Rosa lösen Panikattacken und Flashbacks bei Antonia (Jella Haase) aus. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Sascha (Carlo Ljubek) lebt von seiner Frau Maria (Charlotte Bohning) und Sohn Jasper (Jeremias Meyer, hinten) getrennt. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) und Sascha (Carlo Ljubek) kommen sich näher. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Auch Antonias Vater Thomas (Martin Brambach) und Stiefmutter Kati (Christina Große) sind mit ihren Kräften am Ende. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) – an der Gedenkstätte für die Opfer der Katastrophe. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Sascha (Carlo Ljubek) behauptet, dass auch er bei der Loveparade-Katastrophe dabei war. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) sucht Kontakt zu Sascha (Carlo Ljubek). Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) baggert Saschas Sohn Jasper (Jeremias Meyer) an. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) lernt den Taxifahrer Sascha Reinhardt (Carlo Ljubek) besser kennen. Foto: WDR/Alexander Fische
Verzweifelt: Antonia (Jella Haase) und Sascha (Carlo Ljubek). Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Suchen Frieden: Antonia (Jella Haase) und Sascha (Carlo Ljubek). Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Als Antonia (Jella Haase) Sascha (Carlo Ljubek) als Lügner enttarnt, plant sie Rache. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Kaputt und traumatisiert – Jella Haase leidet im ARD-Film unter den Folgen der Loveparade-Katastrophe.

Diese Tragödie ist kein leichter Erzählstoff. Vor sieben Jahren starben auf der Loveparade in Duisburg 21 Menschen. Im Gedränge gab es über 500 Schwerverletzte und die Überlebenden sind bis heute zum Teil massiv traumatisiert. Der GOKA-Kandidat "Das Leben danach" (27. September, 20.15 Uhr, Im Ersten) baut um die reale Handlung einen fiktive Geschichte, die es in sich hat.

Hier sehen Sie den Trailer:

Trailer "Das Leben danach"

Darum geht´s in "Das Leben danach"

Kurz vor dem Abi will Antonia (Jella Haase) noch mal richtig feiern. Doch dann ist sie gefangen im Tunnel der Loveparade und wird fast zerquetscht. Auch sieben Jahre nach dieser Katastrophe bekommt Antonia ihr Leben nicht wieder in die gewohnte Bahn. Sie ist schwer traumatisiert, völlig destruktiv und wie sie selber sagt: "kaputt". Antonia weiß nicht wohin mit ihrer Wut und ihren Schuldgefühlen gegenüber den Toten. In einem Anfall zerstört sie sogar die Gedenkstätte der Opfer.

Ihr Vater Thomas (Martin Brambach), ihre Stiefmutter Kati (Christina Große) und ihre beste Freundin Betty (Anna Drexler) sind mit Antonias Verhalten überfordert. Der einzige Lichtblick: Taxifahrer Sascha (Carlo Ljubek). Er behauptet auch Opfer des Loveparade-Unglücks zu sein. Aufopfernd steht er Antonia zur Seite. Doch dann erkennt Antonia, dass er sie belogen hat. Das löst in ihr eine neue Gefühlswelle voller Schmerz und Hass aus. Als sie auf Saschas Sohn Jasper (Jeremias Meyer) trifft, lässt sie ihrer zerstörerischen Wut freien Lauf.

Jella Haase als Antonia

Jella Haase (24) kann jedes Gesicht spielen: Von der "Fack ju Göhte"-Tussi Chantal, als Prostituierte im "Tatort" bis hin zur Geistigkranken in "4 Könige" und "Loopin". Als gestörter Teen in ihrem ersten Kinofilm „Lollipop Monster“ gewann sie 2011 den Bayerischen Filmpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Auch in "Das Leben danach" leidet sie unter einer psychischen Krankheit – alles andere als eine einfache Rolle: „Da habe ich so viel geweint, dass ich irgendwann am Ende war,“ erklärt sie im Interview mit der GOLDENEN KAMERA. Dennoch versteht sie es die Zerrissenheit und den Vernichtungstrieb der Antonia mit Bravour darzustellen. Sie verkörpert den Schmerz so glaubwürdig, dass man als Zuschauer einfach mitleiden muss.

Carlo Ljubek als Sascha

Egal, ob als brutaler Killer im Til Schweiger-"Tatort" oder als Verbrecher im RTL-"Winnetou"-Remake, Carlo Ljubek (41) glänzt oft als Fiesling. Aber in "Das Leben danach" zeigt er sich von seiner sanfte Seite, etwa als er Antonia aus einer aufkeimenden Panikattacke heraus hilft.

Bereits im Film "Atempause" war Ljubek nach einem Schicksalsschlag auf der Suche nach Erlösung. Auch in "Das Leben danach" versteht Ljubek es wieder, Schuld und die Suche nach Rettung so zu spielen, dass es nicht gefühlsduselig wirkt. Als starker Gegenpart zu Jella Haase harmonieren die beiden Rollen so glaubwürdig, dass Teile des Filmes definitiv keine leichte Kost sind.

Hintergrund

Die Fakten zu dem Loveparade-Unglück sind bekannt. Die Trauer um die sinnlosen Opfer ist groß. Doch was es mit den Überlebenden gemacht hat, darüber wird vielleicht noch zu wenig nachgedacht. Wie der Selbsthilfeverein LoPa-2010 berichtet, haben mindestens sechs Überlebende aufgrund der andauernden seelischen Belastung Selbstmord begangen. Auch in Wirklichkeit ist die Gedenkstätte, eine 3,50 Meter hohe Stahltafel mit 21 ineinander gestützten Balken, die für die Betroffenen stehen, mehrfach zerstört worden. Zuletzt wurde am 4. August die Glastafel mit den Namen der Opfer zerschlagen.

GOKA-Wertung

Regisseurin Nicole Weegmann ("Mobbing") beweist einmal mehr psychologisches Feingefühl und beleuchtet die Ereignisse aus der Perspektive der Opfer derart lebendig, dass der Schmerz schier greifbar wird. Große Filmkunst, die aus einem furchtbaren Stoff einen mitreißenden Film macht.

Muss ich sehen, weil...

...es ein großartiger Film mit mit einem beeindruckenden Gefühlsspektrum und tollen Darstellern ist.

Für Fans von...

..."Tarragona – Ein Paradies in Flammen" (2007) und "Flug in die Nacht – Das Unglück von Überlingen" (2009)

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

Thomas (Martin Brambach) versucht seiner Tochter Antonia (Jella Haase) zu helfen. Doch auch er stößt an die Grenzen der Belastbarkeit. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Bei der Duisburger Loveparade kämpft Antonia (Jella Haase) um ihr Leben. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia Schneider (Jella Haase) lernt den Taxifahrer Sascha Reinhardt (Carlo Ljubek) kennen, dessen Leben ebenfalls vor sieben Jahren zerbrach. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Auch sieben Jahre nach der Katastrophe ist Antonia (Jella Haase) immer noch unfähig, ein normales Leben zu führen. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Trigger wie Polizeisirenen oder die Farbe Rosa lösen Panikattacken und Flashbacks bei Antonia (Jella Haase) aus. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Sascha (Carlo Ljubek) lebt von seiner Frau Maria (Charlotte Bohning) und Sohn Jasper (Jeremias Meyer, hinten) getrennt. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) und Sascha (Carlo Ljubek) kommen sich näher. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Auch Antonias Vater Thomas (Martin Brambach) und Stiefmutter Kati (Christina Große) sind mit ihren Kräften am Ende. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) – an der Gedenkstätte für die Opfer der Katastrophe. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Sascha (Carlo Ljubek) behauptet, dass auch er bei der Loveparade-Katastrophe dabei war. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) sucht Kontakt zu Sascha (Carlo Ljubek). Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) baggert Saschas Sohn Jasper (Jeremias Meyer) an. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Antonia (Jella Haase) lernt den Taxifahrer Sascha Reinhardt (Carlo Ljubek) besser kennen. Foto: WDR/Alexander Fische
Verzweifelt: Antonia (Jella Haase) und Sascha (Carlo Ljubek). Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Suchen Frieden: Antonia (Jella Haase) und Sascha (Carlo Ljubek). Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Als Antonia (Jella Haase) Sascha (Carlo Ljubek) als Lügner enttarnt, plant sie Rache. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen

Nicht verpassen: Die besten Free-TV-Premieren der Woche

Das sind die besten Free-TV-Premieren der Woche in Bildern.
Montag, 25. September, 20.15 Uhr, ZDF: "Der gute Bulle". Armin Rohde und Axel Prahl lohnen das Einschalten. Foto: © ZDF / Stephanie Kulbach
Montag, 25. September, 21.55 Uhr, Arte: "Jugend ohne Jugend". Vielschichtiges Werk von Francis F. Coppola. Foto: © Pathé Films
Montag, 25. September, 23.15 Uhr, NDR: "Das Geständnis". Bitteres Kammerspiel nach den Memoiren eines anonymen Kommissars. Foto: © NDR/ARIES IMAGES
Mittwoch, 27. September, 20.15 Uhr, Das Erste: GOKA-Kandidat "Das Leben danach". Explosiver Mix aus Wut, Trauer und Hoffnung. Foto: WDR/Alexander Fischerkoesen
Freitag, 29.September, 20.15 Uhr, Das Erste: "Hochzeit in Rom". Schwärmerisches Vergnügen vor schöner Kulisse. Foto: © ARD Degeto/RAI FICTION/Cristina Di Paolo Antonio
Sonntag, 1. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste: "Tatort: Goldbach". Ein Einstand, der Lust auf mehr macht.
Sonntag, 1. Oktober, 22.00 Uhr, ZDF: GOKA-Kandidat "Maximilian" (1). Alles dabei, was ein guter Kostümfilm braucht.
In der TV-Woche vom 25. September bis 1. Oktober gibt es mit dem TV-Drama "Das Leben danach" und dem historischen Dreiteiler "Maximilian" gleich zwei Anwärter auf die GOLDENE KAMERA 2018 zu sehen.
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