"Ku'damm 59": Die Schöllack-Frauen tanzen wieder

So geht’s weiter nach der ZDF-Serie "Ku'damm 56". Wir besuchten die Dreharbeiten und erlebten Stars im Tanzrausch.

Zwischen glitzernden Diskokugeln und üppigen Rosenbuketts stehen sie schon, die "Girls" in Petticoats, die "Boys" in Hochwasserhosen. Da erklingt auf ein Zeichen von Regisseur Sven Bohse der Schlager "My Happiness: Immer will ich treu dir sein". Vom Band. Und eine Komparsin bewegt brav die Lippen dazu. Sie spielt die österreichische Sängerin Erni Bieler (1925 – 2002), die mit dem Lied 1959 einen großen Hit landete.

Schauplatz des Geschehens ist die Bühne der Tanzschule von Caterina Schöllack (Claudia Michelsen, GOLDENE KAMERA 2013). Schon im nächsten Moment rauscht sie herein, fegt wie ein Derwisch übers Parkett und landet vor der Kamera. Gleich soll hier die Fernsehshow "Rendezvous nach Noten" aufgezeichnet werden. Eine TV-Szene in der TV-Szene. Die Fortsetzung des erfolgreichen ZDF-Dreiteilers "Ku'damm 56" spielt nämlich Ende der 50er, als das Fernsehen gerade seinen Siegeszug antritt. Und Schöllacks Tanzschule will auf diesen Zug aufspringen.

In den neuen Folgen, die voraussichtlich Ostern 2018 unter dem Titel "Ku'damm 59" laufen, gibt Mutter Schöllack wieder die Wächterin der guten Sitten. Obendrein managt sie ihre Tochter Monika (Sonja Gerhardt), die sich zum TV-Star entwickelt.

"Ku'damm 59"-Star Sonja Gerhardt im Video-Talk

"Die rebellische Monika", verrät uns Produktionsleiter Ilja Leptihn beim exklusiven Setbesuch, "ist auch in der zweiten Staffel wieder die Hauptfigur. Und sie emanzipiert sich noch stärker. Sie und ihr Tanzpartner Freddy, den Trystan Pütter spielt, werden zu Gesangsstars der späten 50er, sie sind als 'Nicky und Freddy' quasi ein Pendant zu Conny Froboess und Peter Kraus, drehen Heimatfilme vor der Kulisse des Wolfgangsees – und Monika ist auch noch Mutter geworden."

"Ku'damm 59"-Star Trystan Pütter im Video-Talk

So geht's weiter in Staffel 2

Es herrscht ganz schön viel Trubel in der Fortsetzung jener Serie, die sich 2016 als Überraschungshit entpuppte und von Folge zu Folge mehr Zuschauer anlockte. Im Schnitt begeisterte der Dreiteiler damals 6,01 Millionen Menschen. Was ist sein Erfolgsgeheimnis? Und wie geht es weiter? "In der ersten Staffel war das große Thema, dass drei junge Mädels flügge werden und sich emanzipieren müssen", verrät uns Regisseur Sven Bohse. "Nun gehen wir einen Schritt weiter, denn die drei Schöllack-Schwestern Monika, Eva und Helga stehen vor der wichtigen Frage, wie sie ihre neu gewonnene Freiheit bewahren können. Sie übernehmen jetzt die Verantwortung für sich und ihr Leben."

Die preisgekrönte Autorin Annette Hess ("Weissensee") erfand dafür fünf neue Handlungsstränge, die Tabus der damaligen Zeit aufgreifen und je einer Hauptperson zugeordnet sind: Monika bringt Tochter Dorli (Alma Löhr) zur Welt, kann sich aber nicht entscheiden zwischen einer Tanzkarriere mit Freddy und einer Hochzeit mit Joachim (Sabin Tambrea).

Schwester Helga (Maria Ehrich, GOLDENE KAMERA Nachwuchspreis 2015), die Monikas uneheliches Kind aufnimmt, muss weiter um ihre Ehe kämpfen, denn Gatte Wolfgang (August Wittgenstein) fühlt sich weiter zu Männern hingezogen.

Eva (Emilia Schüle) plagen ebenfalls Beziehungsprobleme: Die Krankenschwester ist unglücklich verheiratet mit dem wesentlich älteren Medizinprofessor Jürgen Fassbender (Heino Ferch, GOLDENE KAMERA 2002) und stürzt sich in sexuelle Eskapaden.

Mutter Schöllack verliebt sich in den schmierigen österreichischen Fernsehproduzenten Moser, der Monika und Freddy "groß herausbringen" will. Für diese Rolle stößt Ulrich Noethen neu zum Ensemble, Uwe Ochsenknecht dagegen steigt aus. Zu guter Letzt verliebt sich Monikas schwuler Gatte Wolfgang tatsächlich in einen Mann. Das aber hat fatale Folgen, denn Homosexualität war damals strafbar, und Wolfgang wird heimtückisch von einem Familienmitglied verraten.

Ein Riesenerfolg in Serie

"Das Erfolgsgeheimnis von 'Ku'damm' ist", sagt Sven Bohse, "dass die Zuschauer Spaß daran haben, über Figuren aus den 50ern und 60ern Zugang zu einer Zeit zu finden, die ihnen aus dieser Perspektive noch unbekannt ist. Denn wir beleuchten, wie es jungen Menschen und Frauen in der damaligen konservativ-reaktionären Gesellschaft ging – etwa mit starken, gegensätzlichen Emotionen und sogar mit einem 'Film im Film'." Monika und Freddy drehen nämlich die Komödie "Nicky und Freddy machen Musik".

Sonja Gerhardt: "Es macht wahnsinnig viel Spaß, im Stil der 50er zu drehen. Ich habe mich mithilfe eines Gesangs-Coachs darauf vorbereitet." Trystan Pütter ergänzt: "Mein Respekt vor dem Singen ist ebenfalls riesengroß. Ich habe mein Bestes gegeben!" Ebenfalls eine Topleistung vollbrachte auch diesmal die Kostümbildnerin Maria Schicker. Sie verrät: "Seit der ersten Staffel hat sich die Mode weiter verändert: Die Röcke werden schmaler, die Stoffe schwerer, die Farben sind weniger pastellig. Und Blue Jeans sind voll im Trend!" Und welche Requisite war für den Szenenbildner Axel Nocker am schwierigsten zu besorgen? "Die historischen Verkehrsampeln aus den 50ern", sagt der Requisiteur. "Zum Glück gibt’s Leute, die so etwas sammeln!"

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