GOKA-Event der Woche: "Ich werde nicht schweigen"

Im Nachkriegsdrama "Ich werde nicht schweigen" (8. September, 20.15 Uhr, Arte) kommt Nadja Uhl einem schrecklichen Verbrechen in einer psychiatrischen Anstalt auf die Spur.

Darum geht's in "Ich werde nicht schweigen"

Deutschland 1948: Um ihre zwei Söhne ernähren zu können, arbeitet die die Kriegswitwe Margarete Oelkers (Nadja Uhl) als Näherin. Sie kämpft für ihr Recht, ihre Kriegswitwenrente zu bekommen.

Trailer zu "Ich werde nicht schweigen"

Sie benötigt eine Bestätigung über die Beschäftigung ihres im Krieg gefallenen Mannes beim Gesundheitsamt, die ihr niemand ausstellen will. Für die Frau des ehemaligen Chefs ihres Mannes, dem Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Ahrens (Rudolf Kowalski), fertigt sie ein Kleid an. Sie hofft auf dessen Hilfe. Schließlich haben ihr Mann und er immer gut zusammengearbeitet.

Auch der zuständige Beamte hat mit ihrem Mann zusammengearbeitet, will aber dennoch das Dokument nicht ausstellen. Nachdem sie wieder erfolglos auf dem Fürsorgeamt war, platzt ihr der Kragen und beschwert sich lauthals. Als sie Herrn Dr. Ahrens sieht, der so tut, als kenne er sie nicht, zerschlägt sie aus Wut eine Scheibe. Ihre Schnittwunde wird in der Krankenstation behandelt und nun nimmt das Schicksal seinen Lauf: Dr. Ahrens weist sie mit der Diagnose Schizophrenie in die Heil- und Pflegeanstalt in Wehnen ein. Die Kinder kommen zu ihrer Schwester.

Ein Jahr lang muss sie furchtbare Heilmethoden in der Anstalt über sich ergehen lassen, dann wird sie als geheilt entlassen. Sie wird unter die Vormundschaft ihres Nachbarn mit brauner Vergangenheit Erich Windhorst (Martin Wuttke) gestellt. Der Aufenthalt in Wehnen hat sie gezeichnet. Trotzdem findet sie die Kraft, für ihre Rehabilitation und um das Sorgerecht für ihre beiden Kinder zu kämpfen. Als sie sich mit der jungen Antje Eversen (Janina Fautz) anfreundet, deren Mutter in Wehnen starb, keimt in Margarete ein schrecklicher Verdacht. Wie kam es zu ihrer Einweisung und was geschah wirklich in der Psychiatrie? Sie ahnt, dass in Wehnen mit den Kranken Ungeheuerliches passiert ist. Als sie dann auch noch Schriftstücke von ihrem Mann findet, sucht sie weiter nach Beweisen für die Vernachlässigung und für das bewusste Tothungern ausgewählter Patienten in der Anstalt. Doch die Drahtzieher von einst befinden sich noch immer in ihren Ämtern...

"Ich werde nicht schweigen" im Stream

Bis zum 8. Oktober 2017 stellt arte.tv "Ich werde nicht schweigen" auf Abruf bereit.

Die Schauspieler und ihre Rollen

Neben Nadja Uhl, Martin Wuttke und Rudolf Kowalski spielen Katja Flint, Janina Fautz, Barbara Philipp, Marek Harloff, Eleonore Weisgerber, Petra Zieser und andere.

Nadja Uhl als Margarete Oelkers

Mit Nadja Uhl konnte Esther Gronenborn eine der wandlungsfähigsten Darstellerinnen des deutschen Films für die Hauptrolle gewinnen. Für ihre Rolle in "Operation Zucker" von Regisseur Rainer Kaufmann bekam sie als beste deutsche Schauspielerin die GOLDENE KAMERA 2014 überreicht. Zuletzt war sie in Andreas Dresens "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" (2017) im Kino zu sehen.

Rudolf Kowalski als Dr. Ahrens

Rudolf Kowalski ist vor allem als Kommissar Stolberg bekannt. Die gleichnamige Krimiserie lief von 2006 bis 2013. Von 2005 bis 2008 spielte er regelmäßig in der Krimireihe "Bella Block" an der Seite der zweifachen GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Hannelore Hoger (1989 und 1998). Von 2014 bis 2016 war er als Psychotherapeut Dr. Breugel in der erfolgreichen Serie "SOKO Leipzig" zu sehen.

Martin Wuttke als Erich Windhorst

Auf der Kinoleinwand erreichte Martin Wuttke vor allem durch seine Rolle als Adolf Hitler in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" (2009) internationale Bekanntheit. In Joe Wrights "Hanna" (2011) spielte er an der Seite der Oscar-Preisträgerinnen Saoirse Ronan und Cate Blanchett. Außerdem war Martin Wuttke im Jahr 2012 in Tom Tykwers Literaturverfilmung "Cloud Atlas" an der Seite der Oscar-Preisträger Tom Hanks und Halle Berry zu sehen.

Hintergrund

"Ich werde nicht schweigen" beruht auf wahren Tatsachen. Die preisgekrönte Regisseurin Esther Gronenborn (u. a. erhielt sie für "alaska.de" den Deutschen Filmpreis für die beste Regie) erzählt die ergreifende Geschichte ihrer Großmutter. Das Drehbuch schrieb sie zusammen mit Sönke Lars Neuwöhner. Mit diesem Film macht sie auf ein weitgehend verdrängtes Kapitel des Nationalsozialismus in Deutschland zum Thema: die "Hunger-Euthanasie" in den psychiatrischen Anstalten der Nazizeit. In Wehnen kamen durch mangelnder Pflege, körperlicher Gewalt und Nahrungsentzug 1500 Patienten ums Leben. Ärzte und Pfleger wurden für ihre Verbrechen nie vor Gericht gestellt.

GOKA-Wertung

"Ich werde nicht schweigen" erzählt eine bedrückende Geschichte. Ein eindrücklicher Film, der gerade deswegen so erschreckend wirkt, da er auf wahren Begebenheiten beruht. Großartig verkörpert Nadja Uhl die kämpferische Kriegswitwe, die sich trotz aller Hindernisse behauptet.

Muss ich sehen weil...

... dieser Film von einem Kapitel des Nationalsozialismus in Deutschland erzählt, vor dem man nicht die Augen verschließen darf.

Für Fans von...

... "Im Labyrinth des Schweigens" (2014) und "Nebel im August" (2016)

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