Charly Hübner: "Männer, die nicht am süßen Kuchen knabbern dürfen."

Unser Reporter Mike Powelz sprach exklusiv mit Charly Hübner über den GOLDENEN KAMERA-Kandidaten "Jürgen – Heute wird gelebt".

Charly Hübner (44) bekam 2013 die GOLDENE KAMERA als "Bester deutscher Schauspieler" für das Psychodrama "Unter Nachbarn", seine Rolle als Alexander Bukow im "Polizeiruf 110" ist längst legendär. Doch der Hamburger kann auch anders: Im GOLDENEN KAMERA-Kandidaten "Jürgen – Heute wird gelebt" gibt er seinem Kumpel Jürgen so skurril Kontra, dass die Zuschauer garantiert Lachen werden.

Trailer zu "Jürgen – Heute wird gelebt"

Charly Hübner im Interview

Wie tickt Bernd Würmer, was ist er für ein Typ?

Er tickt wie eine Uhr. Erwacht am Morgen, schreibt Jürgen eine SMS, rollt zur Arbeit, beschwatzt die Menschen am Telefon, Saatgut zu kaufen, schreibt Jürgen zum Mittag eine SMS über neue Dating-Ideen, telefoniert bis 16 Uhr. Dann rollt er zu Jürgen ins Parkhaus und die beiden überlegen neue Flirttricks. Und die ganze Zeit wechseln sich Sehnsucht nach der Frau fürs Leben und Selbsthass über das eigene Schicksal ab.

Ist er eine arme Sau?

Wer oder was ist eine arme Sau. Bernd ist keine Sau.

Bernd Würmer belügt seinen besten Kumpel nach Strich und Faden. Würden Sie ihm vergeben, wenn Sie Jürgen Dose wären, und falls ja, warum?

Jürgen hält sich auch nicht immer an die Wahrheit und insofern ist es doch eher eine Pattsituation.

Humor und Tristesse balancieren einander aus. Aber dominiert in "Jürgen- Heute wird gelebt" die Tragik oder der Optimismus?

Ach, dass ist ja immer der persönliche Blickwinkel des jeweiligen Zuschauers. Der eine findet vielleicht, dass das alles ziemlich traurig ist, der andere findet das Ende wirklich Mut machend.

Was kennzeichnet eine "echte Männerfreundschaft"?

Keine Ahnung. Das ist ein Begriff, den ich nur aus den Medien kenne. Aber sicher ist es jemand, der für Dich da ist – auch nach einem handfesten Krach oder Missverständnis.

Ob Schulz-Rülps-Gesten oder Give-me-Five – die Kerle im Film wirken tendenziell tölpelhaft. Ist das nur ein Kennzeichen der aktuellen männlichen Generation "40 +" oder archetypisch für Männer in der Midflife-Lebensphase?

Es ist die Welt, die Jürgen Dose um sich herum erlebt und im Roman erzählt. Eine Welt von Männern, die nicht am großen, süßen Kuchen dieser Zeit mitknabbern dürfen. Deren Lebenspartner die Einsamkeit ist und die aus Teenagertagen noch das eine oder andere Gruppenritual im Köcher tragen.

Was halten Sie von Partnervermittlungsagenturen?

Ich war noch nicht in der Situation, eine solche Agentur um Mithilfe zu bitten. Daher kann ich dazu gar nichts sagen.

Viele Buddy-Filme sind Kult. Welchen mögen Sie besonders und warum?

Mein erster Buddy-Film war Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Den finde ich immer noch super.

Im deutschen TV dominieren Krimis. Gibt’s zu wenig Komödien?

Ach das weiß ich nicht.

Was schätzen Sie an Heinz Strunk?

Heinz ist ein feiner, sehr sensibler, wacher Dokumentarist der Zeit in der er lebt. Er kann vieles nur in der ihm eigenen Ambivalenz erzählen, berichten oder herausfinden. Das ist sehr stark.

Und welche Eigenschaft sollte er tunlichst ablegen?

Er sollte in Zukunft nicht immer so viel Zeit ohne mich verbringen.

Ihr nächstes spruchreifes Projekt?

Im Kino läuft aktuell die Sven Regener Verfilmung "Magical Mystery" über eine herrlich verpeilte Techno-Truppe in den 90er, die mit einem alten Mercedes-Bus 10 Tage durch Deutschland touren und immer müder werden.

Hier der Trailer zu "Magical Mystery"

Trailer zu "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" (Kinostart: 31.8.2017)
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