GOKA-Kandidat: "Die letzte Reise"

Christiane Hörbiger spielt in unserem GOKA-Kandidaten "Die letzte Reise" eine Seniorin, die Suizid begehen möchte. Wir trafen die Schauspielerin zum Interview.

Am Montag, 2. Oktober, zeigt Das Erste im Rahmen des Themenabends "Selbstbestimmtes Sterben" das Drama und unseren GOKA-Kandidaten "Die letzte Reise" (20.15 Uhr) mit Christiane Hörbiger (GOLDENE KAMERA 1988 und 2001), die nicht als Pflegefall enden will.

Darum geht's in "Die letzte Reise"

Katharina (Christiane Hörbiger) ist lebensmüde. Zwar hat die 76-Jährige eine große Familie, eine prächtige Villa und ein geliebtes Hobby, das Malen. Andererseits machen sich schon die ersten ernsthaften Krankheiten bemerkbar. Sie leidet unter Arthrose und einer chronischen Lungenerkrankung. Um zu verhindern, als Pflegefall zu enden, plant sie ihren eigenen Tod – in der Schweiz. Tochter Heike (Suzanne von Borsody, GOLDENE KAMERA 1980 und 2001) will die Seniorin daraufhin wegen Depressionen entmündigen lassen, doch Tochter Maren (Nina Kronjäger), eine Anwältin, verteidigt vor Gericht das Recht ihrer Mutter auf Freitod.

GOKA-Wertung

Ernsthaft und aufrichtig: Christiane Hörbiger zeigt einmal mehr Mut zu einer schwierigen Rolle als kluge aber verbittere Lebensmüde. Ein hochsensibles Drama - schmerzlich, aber keinesfalls trostlos.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

GOKA-Reporter Mike Powelz sprach mit Christiane Hörbiger über das TV-Drama "Die letzte Reise":

Christiane Hörbiger im Video-Talk über "Die letzte Reise"

Interview mit Christiane Hörbiger

Im TV-Film "Die letzte Reise" spielen Sie die lebensmüde Seniorin Katharina, die in einem Schweizer Sterbehaus Suizid begeht. Warum hat Sie diese Rolle gereizt?

Es ist einfach eine wunderbare Rolle, eine Frau zu spielen, die mit dem Leben hadert und den Weg bis zum Suizid konsequent geht.

Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet? Haben Sie mit Sterbehelfern oder Sterbewilligen gesprochen?

Nein. Als wir uns auf den Dreh vorbereitet haben wurde in Deutschland gerade viel über aktive Sterbehilfe diskutiert und ich habe mich deshalb sehr in das Thema eingelesen. Ansonsten habe ich einfach meinen Text gelernt und mir natürlich beim Textlernen vorgestellt, wie es wäre, wenn ich in der Situation von Katharina wäre. Vorarbeit mit Selbstmordkandidaten habe ich nicht gemacht. Aber natürlich gab es schon die gewisse Überlegung, ob ich so etwas tun würde oder nicht – und ich kann Ihnen sagen, dass ich es nie tun würde. Nicht einmal, wenn ich in einer völlig hoffnungslosen Situation wäre, würde ich Selbstmord erwägen – das habe ich meinem Vater bereits im Alter von zwölf Jahren versprochen. Außerdem ist Selbstmord für mich als Christin eine Sünde.

Wie war der Dreh?

In einer Szene wird Katharina Zeugin, wie sich eine junge Frau das Leben nimmt. Es war sehr hart, das zu sehen. Ich fand die Szene so berührend und bekam Gänsehaut und Tränen in den Augen. Die Szene ist großartig gelungen. Insgesamt war es einfach eine wunderbare Arbeit mit wunderbaren Schauspielern. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Film die Zuschauer in Befürworter und Gegner spaltet.

Die Suizidrate unter Senioren ist sehr hoch – aufgrund von Einsamkeit und Krankheit. Gleichzeitig wird dieses Thema aber tabuisiert …

Es wäre besser, das Thema Suizid und Einsamkeit nicht auszublenden – das gilt auch für ganz jungen Menschen, die in der Pubertät stecken und sich das Leben nehmen.

Dem Sterben blickt unsere Gesellschaft ungern ins Gesicht …

Dabei gibt es den berühmten Spruch "Der Tod gehört zum Leben". Aber sagen Sie das mal einem Sterbenden. Es ist kein Trost!

Geraten ältere Menschen zu sehr aus dem Blickfeld – und leidet unsere Gesellschaft unter Jugendwahn?

Letzteres ja, doch in Wien, wo ich lebe, sind die alten Leute sehr gut aufgehoben. Man begegnet ihnen mit viel mehr Respekt als in anderen Städten. Selbst die jungen Leute stehen sofort auf in der Straßenbahn, wenn eine weißhaarige Frau hereinkommt. Außerdem wird man oft um Rat gefragt, was ich ebenfalls toll finde. Ich liebe diese Stadt unendlich. In Wien werden alte Menschen geehrt.

Alte Menschen sind wie gute dicke Bücher, denn sie stecken voller Erfahrungen und Weisheiten. Warum wohl interessieren sich junge Menschen nicht so sehr dafür?

Junge Menschen wollen lieber ihre eigenen Erfahrungen machen. Ich merke das auch an meinem Sohn. Wenn ich versuche, ihm einen gewissen Ratschlag zu geben, sagt er: "Mama, ich bin Ende 40, ich entscheide alleine." Daraus habe ich gelernt, dass man sich die Sucht, anderen seine Erfahrungen überstülpen zu wollen, abgewöhnen muss – denn ansonsten bekommt man keine Besuche mehr von jungen Leuten. Die jungen Leute wollen keine Ratschläge. Aber Respekt ist natürlich eine ganz andere Sache. Ich selbst habe ältere Menschen ein Leben lang geehrt, denn ich hatte zwei wunderbare Großmütter und meine Generation wurde mit großem Respekt vor älteren Menschen erzogen.

Aber ist der Jugendwahn auch in Ihrer Berufsbranche zu spüren?

Ja, sicher, aber er betrifft mich nicht mehr. Der Jugendwahn ist mir egal, denn ich spiele niemandem die Rolle weg, wenn eine 18-Jährige zur Diskussion steht.

Mae West hat einmal gesagt, alt werden sei nichts für Feiglinge. Richtig?

Nein. Eine Kollegin von mir ist kürzlich 90 geworden und noch immer so gesund wie eine 50jährige. Ich bin so dankbar, dass ich noch am Leben bin und was ich noch alles sehen und erleben kann. Ich möchte noch lange nicht von dieser Welt Abschied nehmen.

Ihre Meinung über die Jugend?

Ich finde es sensationell, dass junge Leute wie Emmanuel Macron oder Sebastian Kurz in die Politik gehen und so viel zu sagen haben. Das finde ich richtig. Junge Leute sollen die Politik machen.

Stellen Sie sich einmal vor, es würde ein Gruppenbild geknipst und für dieses Gruppenbild würden all die Figuren, die Sie im Laufe Ihrer langen Karriere gespielt haben, gemeinsam auf die Bühne treten. Wer dürfte dann ganz vorne stehen, im Zentrum – und warum?

Ich dürfte ganz in der Mitte stehen, weil ich die Älteste bin. Und rechts und links würde ich meine Alzheimer-Rolle und meine Alkoholikerin-Rolle an die Hand nehmen. Denn das waren richtig gute Arbeiten. Was ich nicht von allen Filmen sagen kann.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus?

Alleine danach, ob es eine gute Rolle ist.

Und wie definieren Sie gut?

Die Rolle müsste das letzte Wort haben.

Wie hilft Ihnen Ihr Glaube durch Krisen?

Das Einzige, was mir wirklich hilft, ist mein Glaube an den lieben Gott. Wenn ich – wie kürzlich – Urlaub am Wolfgangsee mache, dann stehe ich um sechs Uhr früh auf und nehme meine beiden Möpse mit und wir gehen Schwimmen, ganz in der Früh. Oft habe ich dann das Glück, dass die Sonne gerade aufgeht, und dann sage ich: "Lieber Gott, danke, dass ich das erleben darf."

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ja! Ich glaube daran, aber ich muss mich in diesem Glauben jeden Tag üben.

Manchen Menschen zufolge ist die Religion die Heilung für die Welt, anderen zufolge das grundlegende Übel. Was stimmt eher?

Ich finde, Christen haben den richtigen Glauben. Davon bin ich überzeugt.

Wann gehen Sie in Fernseh-, Kino- und Theaterrente?

Noch lange nicht – weil mir die Arbeit Freude macht. Ich könnte es mir leisten, nicht mehr zu arbeiten, aber ich definiere mich über meine Arbeit.

Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Gott sein Dank ein ARD-Lustspiel. Das habe ich mir nach den vielen Katastrophen, die ich in letzter Zeit gedreht habe, aber auch wirklich verdient.

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