GOKA-Kandidat: "Tod im Internat"

Im ZDF-Thriller "Tod im Internat" ermittelt Nadja Uhl undercover als Lehrerin. Es geht um Morde – und Millionen. Wir trafen die Schauspielerin zum Interview.

Eine Schülerin verschwindet spurlos, in einem See wird ein Toter gefunden. Im Umfeld eines Elite-Internats häufen sich mysteriöse Ereignisse. Wie bereits die Serie "Tod eines Schülers" zeichnet der hochkarätig besetzte Zweiteiler "Tod im Internat" (9. und 11. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF) ein Bild des Mikrokosmos Schule als Sumpf aus Lügen, Intrigen und Leiden. Doch es geht in den beiden 105 Minuten langen Folgen – ursprünglich war der Stoff sogar als Miniserie geplant – um noch mehr. Denn den Hintergrund der Geschehnisse bildet ein weitestgehend unbekannter Skandal in der deutsch-deutschen Geschichte: illegale Geldströme, über die in der Wendezeit hohe Millionensummen aus DDR-Beständen verschoben wurden.

Darum geht's in "Tod im Internat"

Die Story spielt in der Gegenwart: Als seine Tochter Sophie (Emma Drogunova) spurlos aus dem noblen Internat "Erlengrund" verschwindet, schleust der designierte LKA-Präsident Herbert Wichert (Joachim Król, hier im Interview) dort eine Fahnderin ein: Isabell Mosbach (Nadja Uhl) soll als vorgebliche Sportlehrerin Karla Parker im "Erlengrund" den Vorfällen auf den Grund gehen. Für sie ist es vertrautes Terrain, als Teenager hatte sie die Schule selbst besucht. Und tatsächlich gewinnt die Beamtin schnell das Vertrauen der Sprößlinge aus reichen Familien.

Doch dann eskaliert die Lage. Eines Nachts stirbt der Schüler Felix Baumschulte (Valentino Fortuzzi) durch Kugeln aus einer Waffe, mit der in den 8oer-Jahren Polizistenmorde begangen wurden. Die Spuren führen Isabell in die Vergangenheit, zu Millionenbeträgen aus der Ex-DDR, die in dubiosen Kanälen verschwanden – und sogar zu ihrer eigenen Geschichte.

Für Nadja Uhl wird die Rolle gerade durch diesen Aspekt spannend. Im Video-Talk verrät unsere GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 2014 was genau die Zuschauer erwartet und wie ihre Ermittlerin tickt.

Interview mit Nadja Uhl

Nadja Uhl im Video-Talk über den Thriller "Tod im Internat"

Gesellschaft, Philosophie und Psychologie – in "Tod im Internat" gibt's mehrere Erzählebenen. Warum?

Unser Zweiteiler illustriert, dass die Verstrickungen der Menschen, die bereits vor der Wendezeit unter den damaligen Machtstrukturen litten, bis heute Bürger beeinflusst – am Beispiel von drei Generationen. Väter der Kriegsgeneration bekamen Kinder, auf die sich ihr Verhalten auswirkte, und deren Nachwuchs spürt ebenfalls die Folgen. Es gibt den schönen Spruch: "Was du erbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen." Aber was, wenn die junge Generation es gar nicht besitzen will – und sich von den Taten bzw. Lasten der Väter distanziert?

Aber können wir dem Erbe unserer Väter entkommen?

Nichts geht verloren. Energie ist unser Erbe. Die Väter zahlen ihren eigenen Preis für ihre Taten, aber die Kinder einen noch höheren. Wir Menschen folgen ein Leben lang sogenannten "Ausgleichs-Gesetzen". Ich kenne das aus neun Jahren Familienaufstellung für andere. Alles hat seinen Preis - auch das Unrecht. Energie geht nie verloren. Das ist eine physikalische Gewissheit. Ich bin ein großer Fan von Albert Einstein, denn er war ein großer Mystiker und Metaphysiker. Bei ihm geht mir das Herz auf. Aber wenn ich von "energetisch" rede, meine ich, dass uns unsere Vergangenheit immer wieder einholt. Die meisten Verletzungen bekommt ein Mensch in der Kindheit. Leider werden Kinder – obwohl sie prinzipiell gut sind – oft nicht um ihrer selbst willen geliebt. Stattdessen heißt es: "Wenn du nicht das und das machst, dann …" Aber wenn die Liebe fehlt, züchten wir große Zeitbomben heran. Und wenn Eltern obendrein noch die Wirtschaftlichkeit über die Menschlichkeit stellen, ergibt das einen brenzligen Mix. Machtausübung kann Menschen brechen.

Sind die Fehler der Vergangenheit nie mehr gut zu machen?

Doch. Jede Entscheidung im Leben will gut überlegt sein. Aber wenn wir einen Fehler machen, sollten wir darüber nachdenken und darüber reden – und das verursachte Leiden thematisieren. Früheren Generationen war das oft nicht möglich. Heutzutage jedoch wird alles transparenter. Das finde ich wunderbar.

Aber was ist die psychologische Ebene des Films?

Dass Charakterzüge, die wir verdrängen wie ein Bumerang in unser Leben zurückkehren. Wenn jemand über Leichen geht, bekommt er früher oder später die Quittung – zwar nicht unbedingt in der Form, dass ihm ein Dachziegel auf den Kopf fällt, aber vielleicht so, dass seine Kinder den Preis zahlen oder er selbst keinen Seelenfrieden findet. Das zeigt unser Film sehr schön.

Ob "Tod im Internat", "Operation Zucker" oder "Jagdgesellschaft" – Sie spielen häufig Figuren, die in Abgründe schauen, mit dem Schrecken davonkommen und weiterleben. Ist das Zufall?

Nein. Nach dem Gesetz der Anziehung ziehe ich solche Rollen an – denn mein Lebensbild ist so positiv, dass ich das aushalte. Ich bin gern ein "Kanal" für schwierige Stoffe, denn dabei geht’s um große Themen, die weit über dem eigenen Ego stehen.

Können Filme die Welt verbessern?

Das wäre eine maßlose Überschätzung unserer Mittel. Filme können Stimmungen aufgreifen und ein Klima beeinflussen – und ein solches Klima ist wiederum die Voraussetzung für politisch-gesellschaftliche Veränderungen. Unabhängige Künstler sind unglaublich wichtig – und manchmal, zum Beispiel in Diktaturen, sogar von existentieller Bedeutung.

Doch wie würden Sie vor diesem Hintergrund die Bedeutung von Filmen wie "Die Farbe Lila" oder "Philadelphia" einschätzen?

Sie erreichen mehr als politische Reden. Filme gehen direkt in die Seele der Menschen. Deshalb müssen wir Künstler aufpassen, wofür wir uns benutzen lassen. Das ist eine große Verantwortung.

Interview: Mike Powelz

"Tatort: Goldbach": Neue Kommissare ermitteln im Schwarzwald

Die zwei neuen "Tatort"-Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) tun rund um Freiburg Dienst und offenbaren dunkle Seiten des Idylls.
Mehr lesen