GOKA-Kandidat: "Willkommen bei den Honeckers"

Ein ehrgeiziger Kellner ergaunert sich ein Interview mit Erich Honecker in Chile: Die TV-Tragikomödie von Philipp Leinemann erzählt die wahre Geschichte aus dem Jahr 1993.

Die Geschichte der ARD-Komödie "Willkommen bei den Honeckers" (bis zum 3. Januar 2018 hier in der ARD-Mediathek abrufbar) klingt verrückt, basiert aber auf einer wahren Begebenheit.

Darum geht's in "Willkommen bei den Honeckers"

Frankfurt an der Oder 1993: Der junge Kellner Johann Rummel (Max Bretschneider) träumt von einer Karriere als Boulevardjournalist, bekommt bei den Magazinen aber keinen Fuß in die Tür. Da schlägt seine große Stunde: Es gelingt ihm, Kontakt zu Erich Honecker (Martin Brambach) aufzunehmen. Doch der frühere Staats- und Parteichef der DDR, der todkrank im Exil in Chile lebt, misstraut Journalisten.

Also wendet Rummel eine List an: In Briefen gibt er sich als Bewunderer aus und behauptet, er habe eine kommunistische Jugendorganisation gegründet, die sich großen Zulaufs erfreue. Honecker glaubt das und lädt den jungen Mann in sein Refugium ein. Nun hat Rummel endlich seine "Story". Er verkauft sie an eine große Zeitung und darf dort ein Volontariat machen.

Der Hintergrund von "Willkommen bei den Honeckers"

In Wahrheit heißt der Honecker-Besucher Mark Pittelkau, seit dem Coup arbeitet er bei der "Bild". "Wir haben diesen Stoff gewählt, um mal eine andere Art von Wendegeschichte zu erzählen“, sagt Drehbuchautor Matthias Pacht. "Schon oft ging es um die klaren Gewinner und Verlierer. Aber was ist mit all den Biografien, die nicht ganz so eindeutig sind? Wir haben hier einen Antihelden, der in einer Gesellschaft im Übergang nach Chancen sucht und im richtigen Moment die Gelegenheit beim Schopfe packt. Der das alte System nutzt, um im neuen anzukommen. Das finde ich spannend."

Eindeutige Antworten möchte Pacht mit dem Film nicht abgeben: "Bei der Bewertung des Vorgehens von Mark Pittelkau muss man so manchen Widerspruch berücksichtigen", sagt er. "Ich bewundere seinen nassforschen Mut und sein Talent. Gleichzeitig fühlt es sich nicht nur gut an, wenn jemand so belogen wird – selbst wenn der Belogene ein Verbrecher war. War es in Ordnung, was der Nachwuchsjournalist damals gemacht hat, oder nicht? Es würde mich freuen, wenn sich die Zuschauer nach dem Abspann darüber ein bisschen streiten.“

GOKA-Wertung

Drehbuchautor Pacht traf sich mit Pittelkau, um die Ereignisse aus erster Hand zu erfahren. Einiges ist auch erfunden, etwa die Freundin des Kellners (Cornelia Groöschel), deren Bruder einst bei einem Flucht versuch erschossen wurde. Erzählt wird die Geschichte nicht als Haudraufklamauk mit knalligen Gags, sondern als überwiegend stille Komödie mit ernsten Momenten. Und Martin Brambach wuppt in dem Schmierenjournaille-Unsittenbild den Balanceakt, dem einstigen DDR-Despoten tragische Züge zu verleihen.

Muss ich sehen, weil...
...weil diese Tragikomödie einen skurrilen Aspekt der deutschen Wiedervereinigung ohne Schänkelklopf-Humor aufarbeitet und Martin Brambach schauspielerisch über sich hinauswächst.

Für Fans von...
..."Good Bye Lenin!" (2003) und "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (2017)

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

Nicht verpassen: Die besten Free-TV-Premieren der Woche

In der TV-Woche vom 2. bis 8. Oktober kehrt ein verlorener Sohn in sein Küstekaff zurück, Erich Honecker wird interviewt und Christiane Hörbiger beginnt "Die letzte Reise".
Mehr lesen