GOKA-Kandidat: "Willkommen bei den Honeckers"

Johanna Gastdorf und Martin Brambach als Margot und Erich Honecker in der Tragikomödie "Willkommen bei den Honeckers". Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann Rummel (Max Bretschneider) träumt von einer Karriere als Boulevardjournalist. An Stars wie Heino kommt der trickreiche Möchtegern-Reporter aber bisher nur in seinem Beruf als Kellner heran. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Gemeinsam mit seinem Freund Maik (Maximilian Mauff, l.) versucht Johann (Max Bretschneider) vergeblich, seine Klatschstorys an den Mann zu bringen. Starjournalistin Elke Marbach (Suzanne von Borsody) zeigt sich von seinem Engagement beeindruckt. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider) möchte sich bei Zeitungsmacher Jochen Trommler (Misel Maticevic) als Journalist empfehlen. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Zeitungsmann Jochen Trommler (Misel Maticevic, r.) und Kollege Ronny (Ronald Zehrfeld) geben Johann (Max Bretschneider) eine Chance. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Um Honeckers Vertrauen zu gewinnen, machen Johann (Max Bretschneider, l.) und Maik (Maximilian Mauff) auf DDR-Sympathisanten. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Maik (Maximilian Mauff, l.) und Johann (Max Bretschneider) suchen den einstigen DDR-Bonzen Karl Eduard von Schnitzler (Bernd Stegemann) auf. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, l.) und Maik (Maximilian Mauff) geben sich als Jungpioniere aus. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Maik (Maximilian Mauff, r.) beginnt, an den Plänen seines Freundes Johann (Max Bretschneider) zu zweifeln. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Auch Johanns (Max Bretschneider) Freundin Jenny (Cornelia Gröschel), deren Bruder bei der "Republikflucht" ums Leben kam, wendet sich langsam von ihrem Zukünftigen ab. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Mutter Susanne (Inka Friedrich) und Vater Klaus (Tom Jahn) finden es seltsam, dass Johann (Max Bretschneider) plötzlich auf Jungpionier macht. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, l.) und Maik (Maximilian Mauff) scheuen vor nichts zurück. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, r.) wirbt um das Vertrauen des einstigen DDR-Bonzen Fritz Krozowski (Thomas Thieme). Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider) korrespondiert mit dem gestürzten DDR-Staatschef Erich Honecker im chilenischen Exil. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Der Coup gelingt: Johann (Max Bretschneider) trifft Erich Honecker (Martin Brambach) zum Interview. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Ex-Kellner Johann (Max Bretschneider) erschleicht sich das Vertrauen von Erich Honecker (Martin Brambach). Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Im Gegensatz zu ihrem Mann Erich (Martin Brambach) begegnet Margot Honecker (Johanna Gastdorf) dem angeblichen Jungpionier Johann (Max Bretschneider) mit Skepsis. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Geschafft: Johann (Max Bretschneider, l.) hat das letzte Interview mit Erich Honecker (Martin Brambach) geführt. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Margot Honecker (Johanna Gastdorf) kommt dem angeblichen Jungpionier Johann (Max Bretschneider) auf die Schliche. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, l.) präsentiert Zeitungsmann Jochen Trommel (Misel Maticevic) die Bilder seiner Chile-Reise zu Honecker. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Ein ehrgeiziger Kellner ergaunert sich ein Interview mit Erich Honecker in Chile: Die TV-Tragikomödie von Philipp Leinemann erzählt die wahre Geschichte aus dem Jahr 1993.

Die Geschichte der ARD-Komödie "Willkommen bei den Honeckers" (bis zum 3. Januar 2018 hier in der ARD-Mediathek abrufbar) klingt verrückt, basiert aber auf einer wahren Begebenheit.

Darum geht's in "Willkommen bei den Honeckers"

Frankfurt an der Oder 1993: Der junge Kellner Johann Rummel (Max Bretschneider) träumt von einer Karriere als Boulevardjournalist, bekommt bei den Magazinen aber keinen Fuß in die Tür. Da schlägt seine große Stunde: Es gelingt ihm, Kontakt zu Erich Honecker (Martin Brambach) aufzunehmen. Doch der frühere Staats- und Parteichef der DDR, der todkrank im Exil in Chile lebt, misstraut Journalisten.

Also wendet Rummel eine List an: In Briefen gibt er sich als Bewunderer aus und behauptet, er habe eine kommunistische Jugendorganisation gegründet, die sich großen Zulaufs erfreue. Honecker glaubt das und lädt den jungen Mann in sein Refugium ein. Nun hat Rummel endlich seine "Story". Er verkauft sie an eine große Zeitung und darf dort ein Volontariat machen.

Der Hintergrund von "Willkommen bei den Honeckers"

In Wahrheit heißt der Honecker-Besucher Mark Pittelkau, seit dem Coup arbeitet er bei der "Bild". "Wir haben diesen Stoff gewählt, um mal eine andere Art von Wendegeschichte zu erzählen“, sagt Drehbuchautor Matthias Pacht. "Schon oft ging es um die klaren Gewinner und Verlierer. Aber was ist mit all den Biografien, die nicht ganz so eindeutig sind? Wir haben hier einen Antihelden, der in einer Gesellschaft im Übergang nach Chancen sucht und im richtigen Moment die Gelegenheit beim Schopfe packt. Der das alte System nutzt, um im neuen anzukommen. Das finde ich spannend."

Eindeutige Antworten möchte Pacht mit dem Film nicht abgeben: "Bei der Bewertung des Vorgehens von Mark Pittelkau muss man so manchen Widerspruch berücksichtigen", sagt er. "Ich bewundere seinen nassforschen Mut und sein Talent. Gleichzeitig fühlt es sich nicht nur gut an, wenn jemand so belogen wird – selbst wenn der Belogene ein Verbrecher war. War es in Ordnung, was der Nachwuchsjournalist damals gemacht hat, oder nicht? Es würde mich freuen, wenn sich die Zuschauer nach dem Abspann darüber ein bisschen streiten.“

GOKA-Wertung

Drehbuchautor Pacht traf sich mit Pittelkau, um die Ereignisse aus erster Hand zu erfahren. Einiges ist auch erfunden, etwa die Freundin des Kellners (Cornelia Groöschel), deren Bruder einst bei einem Flucht versuch erschossen wurde. Erzählt wird die Geschichte nicht als Haudraufklamauk mit knalligen Gags, sondern als überwiegend stille Komödie mit ernsten Momenten. Und Martin Brambach wuppt in dem Schmierenjournaille-Unsittenbild den Balanceakt, dem einstigen DDR-Despoten tragische Züge zu verleihen.

Muss ich sehen, weil...
...weil diese Tragikomödie einen skurrilen Aspekt der deutschen Wiedervereinigung ohne Schänkelklopf-Humor aufarbeitet und Martin Brambach schauspielerisch über sich hinauswächst.

Für Fans von...
..."Good Bye Lenin!" (2003) und "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (2017)

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

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