Der Silikon-Skandal: Hannes Jaenicke spricht als Anwalt der Opfer

Er kämpft für das Recht der "Silikon-Frauen" auf Entschädigung: Hannes Jaenicke als Anwalt Axel Schwenn.
Um Schwenn (Hannes Jaenicke) als Anwalt für ihren Prozess zu gewinnen, appelliert Jenny (Susanne Bormann) an seinen Ehrgeiz.
Mit Hilfe ihres Anwalts Schwenn (Hannes Jaenicke) nehmen die drei Frauen Jenny (Susanne Bormann, l.), Konstanze (Muriel Baumeister, r.) und Micky (Susanne Krogmann, 2.v.r.) den Kampf auf Entschädigung auf.
Anwalt Axel Schwenn (Hannes Jaenicke) und die Anwältin des Pharmakonerns DMS Katharina Vogt (Mimi Fiedler).
Kann Jennys (Susanne Bormann) Anwalt (Hannes Jaenicke) ihr zu ihrem Recht verhelfen?
Anwalt Schwenn (Hannes Jaenicke) mit einem Klienten (Johannes Zirner, r.).
Mit Axel (Hannes Jaenicke) als Anwalt wendet sich das Blatt für Jenny (Susanne Bormann, 2.v.r.), Konstanze (Muriel Baumeister, r.) und Micky (Susanne Krogmann) hoffentlich endlich zum Guten.
Jenny (Susanne Bormann) und ihr Anwalt Schwenn (Hannes Jaenicke) begeben sich unerlaubt in die Höhle der Löwen...
In der SAT.1-Dramedy "Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal" spielt Hannes Jaenicke den Anwalt dreier deutscher "Silikon"-Frauen und verklagt den Pharmakonzern, der ihnen aus Geldgier Billig-Brustimplantate verkaufte.

Der Traum vom schönen Dekolletee wurde für 400.000 Frauen weltweit zum Albtraum: Ihnen wurden Implantate mit minderwertigem, krebserregendem Silikon eingesetzt. Das Justizdrama "Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal" (17. Oktober, 20.15 Uhr, Sat.1) erzählt die Geschichte dreier Frauen, die stellvertretend für zahlreiche Opfer den nahezu aussichtslosen Kampf um Entschädigung gegen einen Pharma-Riesen aufnehmen. Doch dank des Hallodri-Anwalts Axel Schwenn, gespielt von Hannes Jaenicke, scheint es noch Hoffnung zu geben ...

Schauspieler Hannes Jaenicke übernimmt in "Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal" nicht nur eine Hauptrolle, sondern entwickelte zusammen mit Regisseur und Autor Holger Haase auch die Idee für den Stoff. Im Interview verrät er, wie er über diesen Justizskandal denkt, warum dieses Thema verfilmt werden musste und wie er zu Schönheits-OP's steht.

Interview mit Hannes Jaenicke

Hannes Jaenicke über "Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal"

Worum geht's in "Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal"?

Um einen der größten Justizskandale, die wir in den letzten Jahren erlebt haben. Bis zum Jahr 2010 wurden weltweit ca. einer halben Million Frauen nach Brustkrebsoperationen oder bei Brustvergrößerungen Silikonkissen des französischen Herstellers PIP implantiert, doch diese Kissen enthielten deutsches Billig-Industriesilikon, das normalerweise zum Abdichten von Fugen eingesetzt wird. Viele dieser Kissen wurden defekt und Silikonpartikel traten aus. Daraufhin erkrankten viele der Patientinnen, zum Teil starben sie sogar. Doch während in Frankreich sämtliche 30.000 Patientinnen entschädigt wurden, wiesen die deutschen Gerichte jeglichen Schadensersatzanspruch der mehr als 5.000 betroffenen Frauen ab. Wir erzählen diese skandalöse Geschichte als Justizdrama und Dramedy.

Angeblich sind Sie selbst auf die Idee gekommen …

Ja, ich bin auf die deutschen "Silikon-Frauen" gestoßen, die in allen Instanzen verloren hatten und gemeinsam mit SAT.1 haben wir uns für eine Art 'Erin-Brokovich'- bzw. Robin-Hood-Geschichte entschieden – nach dem Motto: David besiegt Goliath. 2014 schrieb ich die Story und das Treatment, anschließend haben Holger Haase, der Regisseur und Autor des Films und ich uns Zeit gelassen für das Buch, auch um den schmalen Grat zwischen Drama und Comedy auszuloten.

Doch warum haben die deutschen Klägerinnen überhaupt vor Gericht verloren? Hatten sie mit so starken Vorurteilen zu kämpfen?

Vermutlich fanden es die Richter fragwürdig, dass Frauen, die Geld für Brustvergrößerungen hatten, andererseits Geld erstreiten wollten, um sich die Silikonkissen wieder entfernen zu lassen. Auch wollten sie den Zusammenhang zwischen dem Billig-Silikon und den Erkrankungen nicht erkennen. Dabei sind es gar nicht nur Frauen aus dem Showbusiness oder Models, die sich den Busen vergrößern lassen – sondern häufig auch Brustkrebs-Rekonvaleszentinnen. Ausgerechnet sie, die gerade den Krebs besiegt hatten, verloren den Kampf gegen die Krankheit wieder, weil ihnen Industrie-Silikon implantiert wurde. Das ist ein unglaublicher Skandal. Im Übrigen finde ich, dass es niemandem zusteht, Frauen zu verurteilen, die eine Brustvergrößerung vornehmen lassen, es ist ihre Entscheidung. Und unabhängig davon wurde aus reiner Profitgier giftiges Material in Medizinprodukten verwendet. Die betroffenen Frauen in Deutschland müssten sofort entschädigt werden, und genau das passiert nicht.

Wie eng lehnt sich der Film an die wahren Geschehnisse um PIP an?

Er ist "inspired by true events". Bei uns treten keine Figuren auf, die in den realen Skandal verwickelt waren – aber wir orientieren uns exakt an den Fakten bzw. dem technischen und juristischen Ablauf der Geschichte.

Welches Ereignis im Rahmen der Recherche ist besonders denkwürdig?

Ich bekam schon während des Drehs Mails von betroffenen Frauen, die sich bedankten. Sie schrieben: "Gut, dass Sie das ins Fernsehen bringen – denn ich gehöre zu den Betroffenen und habe den Glauben ans deutsche Rechtssystem restlos verloren. Ich hoffe, dass Ihr Film etwas bewegt."

Heißt das, es laufen immer noch Frauen mit schadhaften PIP-Implantaten herum?

Genau. Weltweit sind es immer noch mehrere Hunderttausend. Diese Implantate sind tickende Zeitbomben. Wir brauchen in Deutschland dringend die Möglichkeit der sogenannten Sammelklage, wie es sie z. B. in den USA gibt. Es ist unglaublich, dass mehr als 5.000 Frauen in Deutschland betroffen sind und jede einzelne von ihnen ein eigenes Verfahren anstrengen muss. Leider hat die CDU den Vorstoß von Justizminister Heiko Maas blockiert, bei uns Sammelklagen einzuführen.

Ein purer Frauenfilm?

Keineswegs! Mit dem Thema Busen und Brustvergrößerung beschäftigen sich ja auch die Herren der Schöpfung gelegentlich gern. Und unter Frauen beschäftigen sich schon Teenagerinnen mit der Idee, sich operieren zu lassen – ebenso wie Mütter, die mehrere Kinder abgestillt haben oder Brustkrebs-Patientinnen. Und eben auch Männer, die ihrer Liebsten zu Weihnachten einen größeren Busen schenken wollen.

Bitte ein Wort zu Ihrer Rolle?

Ich spiele einen abgehalfterten, zynischen Anwalt namens Axel Schwenn, der über diesen Fall seinen Idealismus wiederentdeckt – einen klassischen, versoffenen Lebemann, der dringend eine Kurskorrektur braucht um nicht komplett abzustürzen. Und wir haben eine fantastische Frauen-Riege gefunden: Susanne Bormann als Polizistin, die ihr Leben lang wegen ihrer flachen Brüste gehänselt wurde, Stephanie Krogmann als Porno-Sternchen, die ihren Marktwert per Brust-OP steigern wollte, und Muriel Baumeister als verlassene Ehefrau, die sich noch mal begehrenswert und sexy fühlen möchte.

Ihre Meinung über Schönheits-OP’s?

Jede und jeder darf und muss selbst für sich entscheiden, was sie bzw. er an sich basteln lassen wollen. Ich verurteile das nicht, auch wenn die Schönheitschirurgie mittlerweile oft skurrile Blüten treibt. Aber wenn man sich für eine OP entscheidet sollte man sich sehr genau überlegen, was man seinem Körper antut und von wem man das machen lässt. Bevor man sich einer Billig-OP in gewissen Ländern unterzieht, wo Zähne, Busen und Schönheits-OPs wenig kosten, sollte man sich gründlich schlau machen und nur zu Top-Adressen gehen, die mit den besten Ärzten und Materialen arbeiten. Es geht fürchterlich viel schief in diesem Bereich, und das ist dann das krasse Gegenteil von dem was diese Patienten eigentlich erreichen wollten.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Am 15. Oktober läuft ein RAF-'Tatort' von Dominik Graf, am 8. November das Vergewaltigungs-Drama 'Meine fremde Freundin' von Stefan Krohmer, und am 12. Dezember kommt die neue Doku "Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner" im ZDF. Dazwischen mache ich Lesungen für mein Buch 'Wer der Herde folgt sieht nur Ärsche', und drehe einen zweiteiligen Thriller in Amsterdam. Dann ist Weihnachten und ich mache mal 'ne kleine Pause, bevor es mit einer Doku über die letzten Geparden in Afrika weitergeht.

Interview: Mike Powelz

Anja Kling: "Stalking ist perfide!"

Rebecca (Anja Kling) hat Angst vor ihrem Nachbarn Herr Tiberius.
Der scheinbar nette Nachbar, Herr Tiberius (Udo Samel), entpuppt sich für Familie Tiefenthaler (Heino Ferch und Anja Kling) als doch nicht ganz so nett.
Rebecca Tiefenthaler (Anja Kling) hat gegenüber ihrem Nachbarn aus dem Souterrain, Herrn Tiberius, ein ungutes Gefühl.
Der scheinbar nette Nachbar, Herr Tiberius (Udo Samel).
Tiberius (Udo Samel, l.) beobachtet Rebecca (Anja Kling, r.) dabei, wie sie Wäsche aufhängt.
Als Tiberius nachts vor ihrem Fenster steht, ruft Rebecca (Anja Kling) panisch ihren Mann Randolph an.
Randolph (Heino Ferch) macht sich aufgrund der Situation mit Tiberius große Sorgen um seine Familie.
Rebeccas (Anja Kling, r.) Angst vor Tiberius (Udo Samel, l.) wird immer größer.
Randolph und Rebecca suchen nach ihren Kindern Paul (Levi Eisenblätter, l.) und Fee (Philine Steuer, r.) - diese spielen bei Tiberius (Udo Samel, M.) mit der Modelleisenbahn.
Hermann Tiefenthaler (Dietrich Hollinderbäumer, l.) möchte seinem Sohn Randolph (Heino Ferch, r.) und dessen Familie helfen.
Tiberius (Udo Samel, r.) behauptet, Randolph (Heino Ferch, l.) und Rebecca (Anja Kling, M.) würden ihre Kinder sexuell missbrauchen.
Panisch versteckt sich Rebecca (Anja Kling, l.) vor Tiberius (Udo Samel, r.), als dieser den Waschraum betritt.
Randolph (Heino Ferch, l.) und Rebecca (Anja Kling, r.) wenden sich in ihrer Verzweiflung über Tiberius' Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs an ihre Anwältin.
Randolph Tiefenthaler (Heino Ferch, l.) und seine Frau Rebecca (Anja Kling, r.) warten angespannt auf die Eröffnung der Gerichtsverhandlung.
Rebecca (Anja Kling, l.) und Randolph (Heino Ferch, r.) fahren mit den Kindern an den Strand, um sich von den quälenden Gedanken an Tiberius abzulenken.
Dieter Tiberius (Udo Samel) beobachtet die Tiefenthalers Tag und Nacht.
Im Thriller "Angst - Der Feind in meinem Haus" gerät Anja Kling ins Visier eines gefährlichen Stalkers. Wie realistisch der Film ist, verrät Hauptdarstellerin Anja Kling im Interview.
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