GOKA-Kandidat: Spannender Vierteiler "Das Verschwinden"

In "Das Verschwinden" nabelt sich Janine Grabowski (Elisa Schlott, li.) von ihrer Mutter Grabowski (Julia Jentsch) ab.
Beste Freundinnen (v. l. n. r.) seit Schulzeiten: Manu (Johanna Ingelfinger), Janine Grabowski (Elisa Schlott) und Laura (Saskia Rosendahl).
Michelle Grabowski (Julia Jentsch) ist überrascht, als sie erfährt, dass ihre Tochter Janine die von ihr vermittelte Lehre in einem örtlichen Baubetrieb vor wenigen Tagen abgebrochen hat.
Michelle Grabowski (Julia Jentsch) macht sich auf die Suche nach ihrer Tochter, die unter mysteriösen Umständen wie vom Erdboden verschluckt scheint.
Der örtliche Polizeichef Gerd Markwart (Stephan Zinner, re.) hat in der Nacht des Verschwindens etwas beobachtet, das er für sich behält.
Manus Mutter Steffi Essmann (Nina Kunzendorf) versucht nach außen den Anschein einer intakten Familie mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten.
Niemand ahnt, dass Janine Grabowski (Elisa Schlott) vor einer schweren Entscheidung steht.
Der Kleinstadtdealer Tarik Karaman (Mehmet Atesçi) gerät ins Visier der Polizei.
Das hochklassige Free-TV-Event im Herbst: Die Miniserie "Das Verschwinden" ist ein deutsches Thrillerdrama um eine verschwundene junge Frau.

Am Anfang stand eine Zeitungsmeldung. Regisseur Hans-Christian Schmid ("Crazy") las sie vor fünf Jahren in einem Lokalblatt: "Darin ging es um eine verschwundene junge Frau und darum, welche Verunsicherung ihr Verschwinden in der Kleinstadt, in der sie lebte, auslöste." Endlich sah Schmid, der ein Fan der "Sopranos" und von "Kommissarin Lund" ist, einen Stoff, der für eine deutsche Miniserie taugt. Und der genügend Wucht hat, um ordentliche Thrillerelemente mit einer ernsthaften Milieustudie zu verbinden. Das faszinierende Ergebnis zeigt das Erste in viermal 90 Minuten ab dem 22. Oktober. Die drei weiteren Teile folgen am 29., 30. und 31. Oktober, jeweils um 21.45 Uhr.

Darum geht's in "Das Verschwinden"

In der Miniserie macht sich Michelle (Julia Jentsch) auf die Suche nach ihrer Tochter Janine (Elisa Schlott), die urplötzlich fort ist. Ohne Unterstützung der Polizei spürt sie Janines letzten Aufenthaltsorten nach und erfährt, dass ihre Tochter zwar nicht abhängig, aber in die Party- und Meth-Szene ihrer Kleinstadt an der bayerisch-tschechischen Grenze abgedriftet war. Immer tiefer dringt Michelle auch in schmutzige Geheimnisse von Nachbarn vor. Mystery-Effekte und Rückblenden verstärken das Gefühl des unaussprechlich Bedrohlichen.

Hintergrund

"Das Verschwinden" spielt an acht aufeinanderfolgenden Tagen im Oktober. Gedreht wurde die fiktive Story von August bis Dezember letzten Jahres. Enorme 56 Drehtage hatte allein Julia Jentsch: "Eine Miniserie ist etwas ganz Neues für mich. An der Michelle mag ich, dass sie eine Ermittlerfigur, dabei aber kein Profi ist. Sondern eine Mutter, die emotional betroffen ist."

Julia Jentsch im Interview zu "Das Verschwinden"

Die Darsteller

Julia Jentsch führt eine Schauspielerriege an, deren Zusammenstellung preiswürdig ist: Elisa Schlott, Johanna Ingelfinger und Saskia Rosendahl als Freundinnen auf Abwegen bringen eine ungeheure Energie ins Spiel – dass viele Jungs und mancher andere in der Kleinstadt wegen der drei Mädchen durchdrehen, ist kein Wunder.

Höchst glaubwürdig auch Ex-"Tatort"-Star Nina Kunzendorf und Sebastian Blomberg als fatalistische Eltern, die bei der Therapiesitzung mit ihrer drogensüchtigen Tochter Manu Optimismus heucheln, wohlwissend, dass sie schamlos belogen werden. Ebenso großartig Mehmet Atesçi als Methdealer ohne jedes Unrechtsbewusstsein und Godehard Giese als Janines Vater, von dessen Vaterschaft weder sie noch seine Frau wissen. Das muss man in einer so kleinen Provinzgemeinde erst mal schaffen.

Elisa Schlott findet gerade diese verkorkste Gemengelage faszinierend: "Spannend sind die Familien, was sie vorgeben zu sein. Schockierend finde ich zu sehen, wie gut sich Menschen maskieren, die Nachbarn sind und die man glaubt zu kennen." Elisa Schlott, 23 Jahre alt, ist selbst eher Großstadtkind, in Berlin geboren. Nach dem Abitur ging sie für ein Jahr nach London, gerade wohnt sie in Köln. Mit der Mädchenclique aus der Schule, mit der sie Abitur gemacht hat, hält sie engen Kontakt. "Zu dieser Clique gehört auch Johanna. Es war purer Zufall, dass wir zusammen für die Rollen von Janine und Manu gecastet wurden." Die wenigen gemeinsamen Szenen sprühen wohl auch daher vor Intensität.

Elisa Schlott im Interview zu "Das Verschwinden"

Woher rührt bei den jungen Frauen im Film dieser unbedingte Wille, sich abzunabeln? "Es liegt sicher auch an der bayerischen Pampa, wo sich jeder kennt, aber eben nur oberflächlich. Da wird eine Gemeinschaft behauptet, die in Wahrheit keine ist." Realistisch sei auch der hohe Konsum von Crystal Meth: "Ich glaube, in dem Grenzgebiet, dort, wo wir gedreht haben, ist die Droge in der Jugendszene allgegenwärtig."

Regisseur Hans-Christian Schmid

Dies deckt sich mit den Recherchen von Filmemacher Schmid: "Ich komme aus der Provinz. Ich kenne das Kleinstadtmilieu sehr gut." Der Handel mit Crystal Meth an der bayerisch-tschechischen Grenze sei zudem "nicht so mafiös organisiert wie bei anderen Suchtmitteln. Weil er in Tschechien recht milde bestraft wird und die Droge günstig zu kriegen ist, kann jeder ganz einfach zum Dealer werden". Was die Möglichkeit, schnelles Geld zu verdienen, mit den Menschen macht, analysiert er in den vier Teilen mitleidlos.

"Das Verschwinden"-Regisseur Hans-Christian Schmid im Interview

Hans-Christian Schmid zählt zu den Großen im Kino- und TV-Fach, die Schauspieler reißen sich darum, bei ihm mitzuspielen. Die besten Szenen bietet er auffällig oft starken Frauen. "Rein intuitiv", wehrt er lachend ab, "ich verfolge da keinen Masterplan."

GOKA-Wertung

Unaufdringlich inszeniert Hans-Christian Schmid Lebenslügen, gesellschaftliche Zwänge und eine handfeste Drogenmisere. Im Zentrum Julia Jentsch als Michelle, die aus der Überforderung heraus eine ungeheure Kraft entwickelt und ihre Rolle klasse spielt.

Muss ich sehen, weil...

...diese Miniserie ein Glanzlicht im TV ist.

Für Fans von...

... "Tod eines Mädchens" (2015), "Das unsichtbare Mädchen (2011) und der Miniserie "Pregau" (2016)

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

GOKA-Kandidat: "Willkommen bei den Honeckers"

Johanna Gastdorf und Martin Brambach als Margot und Erich Honecker in der Tragikomödie "Willkommen bei den Honeckers". Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann Rummel (Max Bretschneider) träumt von einer Karriere als Boulevardjournalist. An Stars wie Heino kommt der trickreiche Möchtegern-Reporter aber bisher nur in seinem Beruf als Kellner heran. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Gemeinsam mit seinem Freund Maik (Maximilian Mauff, l.) versucht Johann (Max Bretschneider) vergeblich, seine Klatschstorys an den Mann zu bringen. Starjournalistin Elke Marbach (Suzanne von Borsody) zeigt sich von seinem Engagement beeindruckt. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider) möchte sich bei Zeitungsmacher Jochen Trommler (Misel Maticevic) als Journalist empfehlen. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Zeitungsmann Jochen Trommler (Misel Maticevic, r.) und Kollege Ronny (Ronald Zehrfeld) geben Johann (Max Bretschneider) eine Chance. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Um Honeckers Vertrauen zu gewinnen, machen Johann (Max Bretschneider, l.) und Maik (Maximilian Mauff) auf DDR-Sympathisanten. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Maik (Maximilian Mauff, l.) und Johann (Max Bretschneider) suchen den einstigen DDR-Bonzen Karl Eduard von Schnitzler (Bernd Stegemann) auf. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, l.) und Maik (Maximilian Mauff) geben sich als Jungpioniere aus. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Maik (Maximilian Mauff, r.) beginnt, an den Plänen seines Freundes Johann (Max Bretschneider) zu zweifeln. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Auch Johanns (Max Bretschneider) Freundin Jenny (Cornelia Gröschel), deren Bruder bei der "Republikflucht" ums Leben kam, wendet sich langsam von ihrem Zukünftigen ab. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Mutter Susanne (Inka Friedrich) und Vater Klaus (Tom Jahn) finden es seltsam, dass Johann (Max Bretschneider) plötzlich auf Jungpionier macht. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, l.) und Maik (Maximilian Mauff) scheuen vor nichts zurück. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, r.) wirbt um das Vertrauen des einstigen DDR-Bonzen Fritz Krozowski (Thomas Thieme). Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider) korrespondiert mit dem gestürzten DDR-Staatschef Erich Honecker im chilenischen Exil. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Der Coup gelingt: Johann (Max Bretschneider) trifft Erich Honecker (Martin Brambach) zum Interview. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Ex-Kellner Johann (Max Bretschneider) erschleicht sich das Vertrauen von Erich Honecker (Martin Brambach). Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Im Gegensatz zu ihrem Mann Erich (Martin Brambach) begegnet Margot Honecker (Johanna Gastdorf) dem angeblichen Jungpionier Johann (Max Bretschneider) mit Skepsis. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Geschafft: Johann (Max Bretschneider, l.) hat das letzte Interview mit Erich Honecker (Martin Brambach) geführt. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Margot Honecker (Johanna Gastdorf) kommt dem angeblichen Jungpionier Johann (Max Bretschneider) auf die Schliche. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Johann (Max Bretschneider, l.) präsentiert Zeitungsmann Jochen Trommel (Misel Maticevic) die Bilder seiner Chile-Reise zu Honecker. Foto: © ARD Degeto/Frederic Batier
Ein ehrgeiziger Kellner ergaunert sich ein Interview mit Erich Honecker in Chile: Die TV-Tragikomödie von Philipp Leinemann erzählt die wahre Geschichte aus dem Jahr 1993.
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