GOKA-Kandidat: "Zwischen Himmel und Hölle"

Zum Reformationstag zeigt der ZDF-Film "Zwischen Himmel und Hölle" auch die dunklen Seiten von Martin Luther.

Was sich im April 1521 in Worms vor dem Reichstag abspielt, verändert die Welt. Mit seinen 95 Thesen, die er 1517 von Wittenberg aus verbreitete, fordert Martin Luther die katholische Kirche heraus. Er wetterte gegen die "Schamlosigkeit" des Ablasshandels, mit dem sich Sünder bei der Kirche freikaufen können. Aber als der rebellische Mönch in Worms vor Kaiser und Kardinälen wegen Ketzerei angeklagt wird, ist er eingeschüchtert.

Trailer "Zwischen Himmel und Hölle"

Darum geht's in "Zwischen Himmel und Hölle"

Im GOKA-Kandidaten "Zwischen Himmel und Hölle" (30. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF), Teil der Luther-Woche im ZDF, spielt Maximilian Brückner Luther nicht als selbstgewissen, großspurigen Hitzkopf, sondern als Menschen, der um sein Leben bangt, aber standhaft bleibt. Er fühlt sich nur seinem Gewissen verpflichtet, widerruft nicht – und kommt ungeschoren davon. Der Kaiser sichert ihm freies Geleit zu, ehe er am 8. Mai das Wormser Edikt erlässt, in dem Luther als Ketzer geächtet wird.

Er ist nun vogelfrei, findet aber Schutz auf der Wartburg, wo er beginnt, die Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche zu übersetzen. Dass Luther überlebt, hat er den historischen Umständen zu verdanken. Die Reformation wird im Film nicht als Tat eines Einzelnen dargestellt, sondern als Entwicklung, an der viele beteiligt waren. Kurfürst Friedrich von Sachsen etwa, der 1502 die Universität Wittenberg gründete, hält seine schützende Hand über Luther. Dabei geht es ihm weniger um Theologie als um die Beschränkung der Machtfülle der katholischen Kirche und des Kaisers.

Luthers Thesen kommen zur rechten Zeit

Die unterdrückte Bevölkerung begehrt auf. Dank des Buchdrucks verbreiten sich seine Schriften rasant und machen ihn populär. Er wird zum ersten Medienstar der Geschichte und gewinnt viele Anhänger und Mitstreiter, etwa Thomas Müntzer, im Film von Jan Krauter dargestellt. Luthers Fürsprecher feiern ihn wie einen Heiligen, seine Feinde brandmarken ihn als Ketzer.

Selbst Müntzer stellt sich am Ende gegen ihn und nennt ihn "Feigling". Grund: Der Reformator fordert Gehorsam gegenüber der Obrigkeit, die von Gott gegeben sei. Müntzer, der als erster Geistlicher einen Gottesdienst auf Deutsch hält, will eine gerechte Gesellschaft und führt den Bauernaufstand an. Luther jedoch beschimpft die Bauern als "Tiere" und "Schweine", die man wie tolle Hunde totschlagen müsse. Müntzer ist für ihn ein hochmütiger "Mordprophet" und "Erzteufel".

Hintergrund

"Luther hat ein enormes Ego und ist ein rücksichtsloser Machtmensch, der seine Gegner buchstäblich verteufelt und unnachgiebig bekämpft", sagt der Historiker Prof. Heinz Schilling. Luthers dunkle Seiten werden im Film nicht ausgespart. "Wir wollen keine Heldensaga erzählen", sagt ZDF-Redakteurin Solveig Cornelisen. Als Thomas Müntzer 1525 gefoltert, enthauptet und aufgespießt wird, begrüßt Luther den gewaltsamen Tod des ehemaligen Mitstreiters als gerechte Strafe.

GOKA-Wertung

Der aufwendige Kostümfilm zum Reformations-Jubiläum rückt die Luther-Story in den sozialen Kontext.

Muss ich sehen weil...

hier auch die dunklen Seiten des Mönchs aus Wittenberg gezeigt werden.

Für Fans von...

dem TV-Film "Katharina Luther" über die Gattin Luthers oder den Jugend- und Familienfilm "Storm und der verbotene Brief", den KiKA am 31. Oktober, um 15.00 Uhr, zeigt.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

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