Jan Josef Liefers: "Man muss sogar aufm Klo mit Axels Kamera rechnen"

Sie sind die Abräumer am Sonntagabend. Knacken Jan Josef Liefers und Axel Prahl mit ihrem „Tatort Münster“ die 15 Millionen Marke? GOLDENE KAMERA traf die Stars am Set.

Eine Clownstatue, die sich als Leiche entpuppt. Ein dubioser Aktionskünstler – und Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl) auf Mörderjagd bei einer Skulpturenausstellung: Der mittlerweile 32. Münster-"Tatort" mit dem Titel "Gott ist auch nur ein Mensch" (19. November, 20.15 Uhr, Das Erste) wartet wieder mit verrückten Ideen auf.

Interview mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl

GOLDENE KAMERA traf die beiden GOLDENE KAMERA-Preisträger bei den Dreharbeiten.

Wie finden Sie es eigentlich, wenn geschrieben wird, dass Sie mittlerweile wie ein altes Ehepaar wirken?


JAN JOSEF LIEFERS: Dann wundere ich mich, warum man uns alt nennt.

AXEL PRAHL: Wieso? Auf dich trifft das doch zu, Jan Josef ...

LIEFERS: Moment mal, ich bin jünger als du, und zwar deutlich! Das sieht man auch, aber das muss ich wohl nicht extra erwähnen.

PRAHL: Immer muss er das letzte Wort haben!

LIEFERS: Stimmt doch gar nicht.

Vielleicht sind Sie sich ja im nächsten Punkt einig: Der Münster-"Tatort" stellt immer neue Quotenrekorde auf. Was macht seinen dauerhaften Erfolg aus?

LIEFERS: Das will ich gar nicht so genau kennen. Es hat sicher damit zu tun, dass es uns gelungen ist, immer wieder eine Art Versprechen einzulösen – trotz Qualitätsschwankungen. Denn natürlich sind auch die Münster-"Tatorte" mal besser und mal schlechter.

PRAHL: Erfolg hat viele Köche! Bei unserem "Tatort" gibt’s Nervenkitzel und humorvoll verpackte sozialkritische Auseinandersetzungen. Nach Brechts Motto: "Das erkennende Lachen ist das beste Lachen."

LIEFERS: Ganz genau! Man kann mal für 90 Minuten loslassen, über etwas lachen, den Krimi witzig finden und dabei entspannen.

Der "Tatort" ist immer noch "Talk of the Town". Aber ist es auch die letzte große Bastion des Lagerfeuerfernsehens im deutschen Fernsehen?

LIEFERS: Im Moment sieht es so aus. Denn "Wetten dass" ist ja Geschichte. Außerdem ist es dem "Tatort" irgendwie gelungen, die nächsten Generationen für sich zu begeistern.

PRAHL: Viele der heutigen Erwachsenen, die als Kinder in Wolldecken eingewickelt wurden und sich dann schon bei der Titelmelodie von Klaus Doldinger in die Hose machten, haben heute selbst Nachwuchs – und führen ihre Kids an den Krimi ran. Die Liebe zum Krimigenre ist übrigens typisch deutsch. Auch im Ausland wird längst wahrgenommen, dass Deutschland eine Krimination ist.

Wie lange laufen Ihre Verträge noch?

LIEFERS: Wir müssen unsere Verträge nicht unbedingt hier erörtern, aber sie waren von Anfang an zeitlich immer begrenzt. Das ist ein eingebauter Unsicherheitsfaktor, den wir uns auferlegt haben. Denn wenn es uns irgendwann nicht mehr gelingen sollte, mit den Figuren und den Inhalten frisch zu bleiben und uns immer wieder neu zu erfinden, könnten und sollten wir aufhören, statt noch ewig auf der Stelle zu treten, nur weil die Verträge alle Beteiligten dazu zwingen.

PRAHL: Daher ist unser aktuelles Motto: "Man soll nie aufhören, wenn es am schönsten ist."

Welcher war eigentlich Ihr bisheriger Lieblingsfall und warum?

LIEFERS: Lasst uns lieber mal darüber sprechen, welche Fälle besonders gelungen waren – etwa, weil sie Münster großartig repräsentiert haben. Da fällt mir vor allem die Episode "Tempelräuber" ein, in der Ulrich Noethen einen Priester gespielt hat.

PRAHL: Stimmt! Bei der hatte sich Boerne beide Arme zeitgleich gebrochen…

LIEFERS: Toll fand ich auch die Idee, Boerne in "Feierstunde" ein vergiftetes Kanapee essen zu lassen…

PRAHL:… nach dem Motto: "Da wird dem Plapper-Professor endlich mal das Mundwerk gelegt – durch ein lähmendes Gift!"

Was funktioniert nicht so toll?

PRAHL: Gelegentlich der Humor. Aber wir versuchen ja, Grenzbereiche auszuloten. Da kann es schon mal passieren, und ja, da ist auch ein gewisses Risiko, dass der Pegel zu extrem in eine Richtung ausschlägt.

LIEFERS: Es gab mal ein paar Ausrutscher mit den Drehbüchern – etwa bei "Das Wunder von Wolbeck". Aber die Qualität ist inzwischen besser und vor allem stabiler geworden. Mein Gefühl ist, dass wir mit ein paar Dellen und Beulen in der Karosserie immer heil ans Ziel gekommen sind.

Beim aktuellen Dreh haben Sie auf Facebook viele Kurzclips vom Set veröffentlicht. Wird das immer wichtiger?

PRAHL: Mir macht das irrsinnig viel Spaß! Nur die Kollegen waren nicht immer begeistert.

LIEFERS: Man musste sogar auf der Toilette damit rechnen, dass Axel plötzlich die Klotür aufreißt und einen fragt: "Na, nun erzähle unseren Zuschauern doch mal, was genau machst du hier?"

PRAHL: Ja, was machst du denn da? Das interessiert unsere Fans. Ist dann übrigens zu Sehen auf meiner Facebookseite.

Tatort Toilette?

LIEFERS: Genau – damit hat Axel jetzt seine Bestimmung gefunden.

PRAHL: Dich auf der Toilette zu filmen? Also, wenn das meine Bestimmung ist…

LIEFERS: Künftig werde ich erbarmungslos zurückfilmen. Dann wird Axel morgens um 5 Uhr geweckt und alle sehen, wie er ungeschminkt aussieht, ohne Make-up im Gesicht. Ich sage Ihnen, der Anblick verstößt gegen die Genfer Konvention!

PRAHL: Na und? Dann sehe ich aus wie immer! Aber cool, ich habe mir schon lange einen Assistenten für meine Filmchen-Drehs gewünscht.

Apropos Netz: Twittern Sie eigentlich mit, wenn Ihr "Tatort" am Sonntagabend läuft?

LIEFERS: Nein, aber ich habe den "Tatort" schon gleichzeitig mit den Leuten bei "Facebook Life" geschaut, weil ich dachte, dass man darüber mit ihnen in Dialog treten kann. Das war zwar lustig, aber ich war überfordert, weil zehntelsekündlich Likes und Kommentare reinflogenund man überhaupt nicht schnell genug darauf eingehen konnte. Letztlich ist es völlig aus dem Ruder gelaufen.

PRAHL: Für mich ist das überhaupt nichts. Wenn ich einen Film gucke, dann möchte ich mich darauf konzentrieren. Beim Filmeschauen nervt mich schon eine Zwischenbemerkung, schon wenn mich jemand fragt, ob ich noch was trinken will. Da kriegt man doch nur noch die Hälfte mit, wenn man ständig auf das Geschriebene gucken muss – oder?

LIEFERS: Stimmt genau. Aber wenn der "Tatort" vorbei ist, schaue ich mir manchmal die Rückschau bei Twitter an, weil es wirklich lustig ist, was dort alles unter dem Hashtag #Tatort zu finden ist. Manche Tweets sind kreativ, viele ironisch, aber es ist auch immer cleveres, cooles Zeug dabei. Auf mich wirken die Mitglieder der Twitter-Gemeinde wie Fußballkommentatoren, die das Spiel sehen und es mit einer Zeitverzögerung kommentieren. Aber ich stelle mir das auch ziemlich anstrengend vor. Und irgendwie rückt unter diesem Hashtag dann ja auch die Republik zusammen.

Sind wir Deutschen süchtig nach Verbrechen?

LIEFERS: Wohl eher nach der Aufklärung der Verbrechen. Und die beruhigende Nachricht ist ja, dass sie fast immer aufgeklärt werden und die Bösen anschließend ihre gerechte Strafe bekommen. Übrigens laufen in anderen Ländern – etwa Amerika, England und Skandinavien – ebenfalls sehr viele Krimis. Aber bei uns ist sind die Genres auffällig aus der Balance geraten, weil gefühlt nur jeder fünfte fiktionale Fernsehbeitrag kein Krimi ist.

PRAHL: Dabei sind die Ingredienzien für einen Krimi eigentlich total begrenzt. Es gibt ja kaum noch etwas, was man vorher noch nie gesehen hat. Immer wird jemand erstochen, erschlagen, erhängt, erwürgt, erdrosselt oder in die Luft gesprengt.

LIEFERS:… und nur die Zusammenhänge werden immer wieder neu erfunden.

PRAHL: Mag sein, die sozialen Umstände sind vielleicht andere, aber die Zutaten sind immer dieselben. Ich wünschte, dass man mit etwas mehr Fantasie noch in viele andere Lebensbereiche reinschauen könnte, um eine gute fiktionale Abendunterhaltung herzustellen.

LIEFERS: In der Literatur ist es ja auch so. Eines der meistverkauftesten Bücher ist von Sebastian Fitzek gewesen – also auch ein Krimi. Ich glaube, dass das Erfolgsgeheimnis der Krimis ist, dass ihnen ein Bruch der Norm zugrunde liegt – wahlweise ein Mord oder eine Erpressung oder eine Entführung oder ein Raub. Wir brechen ja alle gelegentlich die Normen. Mal geht einer mit dem Hund raus und hat keine Plastiktüte für den Hundehaufen. Oder man fährt zu schnell mit dem Auto oder sagt dem Chef, dass er gut aussieht – obwohl es nicht stimmt.

Ihr persönlich kriminellstes Delikt?

LIEFERS: Ich habe als Kind mal Skiwachs in einem Sportgeschäft geklaut. Keine Ahnung, warum, denn ich hatte nicht mal Skier.

PRAHL: Mein letzter Konflikt mit dem Gesetz war im Alter von elf Jahren.

LIEFERS: War das, als du die Deutsche Bank ausgeräumt hast?

PRAHL: Richtig!

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