Wir sind dann mal weg! – Auslandsproduktionen immer beliebter

Eine Extraportion Exotik, erstklassige Schauspieler und Erholung! Die Gründe, warum ARD und ZDF so viel im Ausland drehen sind vielfältig. Doch was hat der Zuschauer davon?

Barcelona – die Sagrada Familia, Strand und ein großartiger Fußballverein. Jetzt bringt das Erste auch den nichtreisenenden Deutschen die katalonische Hauptstadt näher. Im neuen "Barcelona-Krimi" (2. Folge: "Tod aus der Tiefe", 9. November, 20.15 Uhr, Das Erste) geht Clemens Schick als Xavi Bonet vor der Kulisse der Stadt auf Mörderjagd.

Europäische Städte und vor allem Regionen, die mit "Süd" anfangen, wie Südschweden, Südengland und Südtirol sind die beliebtesten Drehorte der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Auch Südafrika bekommt regelmäßig Besuch von deutschen Filmproduktionen: "Kilimandscharo – Reise in Leben" (17. November, 20.15 Uhr, Das Erste) spielt zwar auf dem höchsten Berg Afrikas, wurde aber in Kapstadt und Umgebung gedreht.

Es scheint, als wäre es der Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen den Zuschauern die Welt zu zeigen. Die Geschichte wirkt dabei oft nebensächlich – das Erste setzt bei ihren Auslandskrimis auf Spannung, das ZDF konzentriert sich vor allem bei seinen internationalen "Herzkinoreihen" auf Romantik. Was dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt, ist aber nicht der Mörder oder das rührselige Happy-End, sondern der traumhaftschöne Drehort.

Cornwall und Rosamunde Pilcher

Besonders eine Gemeinde kann sich dank des ZDFs über zunehmenden Tourismus freuen: Cornwall. Bereits seit 24 Jahren bewundern die TV-Zuschauer in den Rosamunde-Pilcher-Filmen die malerische Küste dieser Region. Auch in diesem Jahr verbrachte der Sender über eine halbes Jahr in Südengland um sechs neue Pilcher-Filme zu drehen. Das erste Ergebnis, der 138. Pilcher-Film "Wenn Fische lächeln" kann am 19. November, 20.15 Uhr im ZDF bewundert werden.

Selbst Prinz Charles bedankte sich bei dem ZDF und der Autorin Rosamunde Pilcher dafür, dass sie in hohem Maße zur Bekanntheit und Beliebtheit des Herzogtums Cornwall beigetragen hätten.

Gutes Geld und gute Schauspieler

Doch nicht nur die Einheimischen freuen sich über das zunehmende Interesse an ihrer Region, auch die Schauspieler begrüßen es, im Ausland zu drehen, hängen oft noch Urlaubstage dran. Viele der großen Schauspieler sagen bei einem ausländischen Dreh sogar schneller und lieber zu. Sie wissen, dass in Deutschland ein ständiger Zeitmangel herrscht, die Produktionen streng getaktet sind und das Budget oft knapp bemessen. Bei Auslandrehs ist oft Flexibilität und Improvisation gefragt. Meist ist die Finanzierung sogar besser als bei einem "Tatort"-Dreh. Caroline Hartig berichtet auf Facebook begeistert von ihrem Arbeit in Südafrika.

Das Geheimnis der Faszination

Volker Herres Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen erklärt die Fasziniation der ausländischen Krimis: " Die Ermittler führen die Zuschauer nicht nur souverän durch den Fall, sondern zugleich auch durch die Schönheit und Besonderheit ihrer Gegend. Und dadurch erzielen sie nicht nur Krimihochspannung, sondern – so paradox das klingen mag – eben auch Entspannung".

Weitere exotische Drehs sehen Sie in unserer Bildergalerie:

TV-Event der Woche: "Meine fremde Freundin"

Hannes Jaenicke spielt einen mutmaßlichen Vergewaltiger. Der ARD-Themenabend behandelt sexuellen Missbrauch und das Risiko von Justizirrtümern.
Mehr lesen