GOKA-Star der Woche: Rosalie Thomass

Komplizierte, starke und schwache Frauen. Auch in der neuen Serie dem GOKA-Kandidaten "Lobbyistin" (15. November, 21.45 Uhr, ZDFNeo) scheut sich Rosalie Thomass nicht vor einem unbequemen Charakter. GOLDENE KAMERA traf sie exklusiv zum Interview.

Mal schreit sie sich in Doris Dörries "Grüße aus Fukushima" (2015) die Seele aus dem Leib und beschimpft sich, mal flirtet sie in "Mutter muss weg" (2012) mit Bastian Pastewka und steigt mit "Game of Thrones"-Star Peter Dinklage in "Taxi" ins Bett. In "Das Leben ist nichts für Feiglinge" pflegt sie die krebskranke Mutter des GOLDENE KAMERA-Preisträgers Wotan Wilke Möhring. Keine Rolle ist ihr zu extrem, kein Charakter zu kompliziert. Oft wirkt die große Blonde unterkühlt, doch in Wirklichkeit ist Rosalie Thomass (30) ein herzlicher, offener Mensch mit einem lauten Lachen.

Rosalie Thomass im Interview zu "Lobbyistin"

GOLDENE KAMERA traf sie zum Interview zu ihrer neuen Serie "Lobbyistin" (15. November, 21.45 Uhr, ZDFNeo). Eines wird sofort klar, Frau Thomass macht sich Gedanken, antwortet nicht in abgedroschenen Phrasen. Auf die Frage, was sie denn von den Drehs mit Schauspielern wie Götz George, Peter Dinklage und Bastian Pastewka gelernt habe, antwortet sie spontan mit einem lauten Lachen: "Was soll ich denn von Männern schon gelernt haben? Warum fragst Du mich nicht, was ich von den Frauen gelernt habe?" Recht hat sie! Die aktuelle Sexismus-Debatte ist ihr Thema. Solange Frauen immer noch beruflich benachteiligt sind, will sie engagierte Feministin bleiben, was auch ihre Einträge bei Facebook zeigen.

Trotzdem verrät sie, dass sie an Götz George vor allem seinen Respekt vor den Beruf sehr geschätzt habe. Gemeinsam standen sie 2012 für "Tod einer Polizistin" vor der Kamera. Es war auch ein Krimi, der Rosalie Thomass den Durchbruch brachte: In"Polizeiruf 110: Er sollte tot" von Dominik Graf stellte sie 2005 eine Prostituierte dar, eine Rolle für die sie den Förderpreis Neues Deutsches Kino, den Adolf-Grimme-Preis und den Bayrischen Fernsehpreis verliehen bekam.

Letzteren erhielt sie erneut für Dorris Dörries "Grüße aus Fukushima." Darin stellt sie einen verzweifelten Clown dar, der den Menschen nach der Dreifachkatastrophe von 2011 etwas Lebensfreude in die Notunterkünfte bringen will. Doch ihr Charakter ist so überfordert und selbstzerstörerisch, dass der Film eine ungewohnte Wendung nimmt.

So kaputt ihre Rollen manchmal sind, so geerdet ist Rosalie Thomass privat: "Das Wichtigste für mich auf der ganzen Welt sind meine Herzensmenschen, meine Freunde und meine Familie. Da tanke ich auf." Viele dieser Freunde kennt die gebürtige Münchnerin noch aus ihrer Kindheit in Bayern. Besonders während der Dreharbeiten zum Film "Eine unerhörte Frau", über eine Mutter, deren Kind schwerkrank ist, brauchte sie in ihrer Freizeit die Normalität mit ihren Freunden. Für den Film gewann sie als beste Schauspielerin dieses Jahr den Akademie-Fernsehpreis.

Und noch einmal ertappt Rosalie mich bei meinem Schubladendenken. Auf die Frage, wo denn ihr einjähriger Sohn bei den Dreharbeiten sei, antwortet sie prompt: "Würdest Du diese Frage auch meinen männlichen Kollegen stellen?" In Zukunft auf jeden Fall – versprochen Rosalie!

Bildergalerie: Rosalie Thomass

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