Penélope Cruz: "Nacktszenen gehören einfach dazu!"

Lebensfroh trotz Hiobsbotschaft: Penélope Cruz (42) als Krebspatientin Magda in "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe"
Lebensfroh trotz Hiobsbotschaft: Penélope Cruz (42) als Krebspatientin Magda in "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe"
Foto: © MFA+ FilmDistribution e.K.
Ab dem 30. Juni ist Spaniens Exportschlager im Krebsdrama "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" zu bewundern. Wir sprachen mit der Oscar-Gewinnerin über ihr Herzblutprojekt und die Notwendigkeit, schauspielerisch aufs Ganze zu gehen.

Wir kennen sie als Oscar-gekrönte Muse von Woody Allen ("Vicky Cristina Barcelona") und Pedro Almodóvar ("Volver - Zurückkehren") oder als rassiger Showstealer in Blockbuster-Events wie zuletzt "Zoolander 2" und Sacha Baron Cohens Krawall-Komödie "Der Spion und sein Bruder". Wenn Penélope Cruz aber ein Filmthema wie bei "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" (Kinostart: 30. Juni) besonders am Herzen liegt, nimmt die in Madrid geborene Spanierin gerne auch mal als Produzentin das Heft in die Hand. Wie beim neuen Streich des spanischen Frauenverstehers Julio Medem ("Lucía und der Sex"), in dem la Cruz als Mutter eines kleinen Sohnes glänzt, die nach ihrer Brustkrebsdiagnose nicht zusammenbricht, sondern lebensfroh in ein neues Leben und eine neue Liebe startet.

Trailer zu "Ma Ma - Der Ursprung der Liebe" (Kinostart: 30.6.2016)

Penélope Cruz im Interview

Wie herausfordernd war diese Rolle für Sie? Haben Sie sich wirklich von Ihrer Haarpracht trennen müssen?

Nein, die Haare geschoren habe ich mir für diese Rolle nicht, weil wir das nur am Ende der Dreharbeiten hätten machen können und ich direkt nach "Ma Ma" schon ein neues Projekt anstehen hatte. Eine Glatze wäre aber einfacher gewesen, weil so mein magischer Haarkünstler Massimo Gattabrusi meine ganze Haarmasse, die damals sogar noch länger war als jetzt, unter einer Perücke oder künstlichen Glatze verstecken musste (lacht). Es war uns so wichtig, dass alles echt aussah. Nicht nur die Glatze, auch die Narbe von der Brustamputation und der Schwangerschaftsbauch, denn ansonsten hätte unsere Geschichte lächerlich gewirkt. Magda zu spielen war weniger eine körperliche Herausforderung für mich, aber extrem emotional. Ich habe mich dieser Figur voll und ganz hingegeben, denn ich wollte ein ehrliches Porträt und eine Hymne auf die Stärke aller Frauen geben, die von Brustkrebs betroffen sind. Figuren wie Magda sind genau diese Art von Rolle, nach der ich suche und für die ich bereit bin, mein Ego und meine Eitelkeit aufzugeben. Mir war es egal, ob ich gut oder schlecht in den Szenen aussah, solange es authentisch wirkte.

Welchen emotionalen Preis haben Sie bezahlt?

Es gab Tage, wo Magdas Schmerz so groß und tief war, dass ich das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können. Nach drei Monaten in ihrer Haut fühlte ich mich fast von ihr besessen und nicht mehr wie ich selbst. Aber trotzdem fiel es mir sehr schwer, Abschied von ihr zu nehmen. Ich liebe diese Figur! Sie wird für immer in meinem Herzen bleiben. Meine größte Belohnung war es, als bei der Premiere in Spanien die Frauen, die Brustkrebs überlebt und mir bei der Vorbereitung für diese Rolle geholfen haben, vor Rührung über die Ehrlichkeit unserer Darstellung dieser Krankheit weinten.

Wie schwer waren die Nacktszenen für Sie?

Sie gehören einfach dazu. Magda betrachtet sich vor ihrer Mastektomie in einer emotional wichtigen Schlüsselszene noch einmal nackt im Spiegel. Die Frauen, die sich mir für diese Rolle anvertraut haben, haben sich auch nicht gescheut, mir ihre Körper und ihre Narben zu zeigen.

Wie aktiv sind Sie selbst im Kampf gegen Brustkrebs?

Ich bin sehr offen dafür, mich für Krebskampagnen einzusetzen. "Ma Ma" ist mein zweiter Film, in dem es um Brustkrebs geht. Ich habe auch eine Krebspatientin in Isabel Coixets "Elegy oder die Kunst zu lieben" gespielt. Der Film mit Ben Kingsley in der Hauptrolle, basiert auf den Roman "Das sterbende Tier" von Philip Roth. Und ich habe gerade eine Dokumentation über Kinder mit Leukämie fertiggestellt. Das war einer der härtesten Erfahrungen meines Lebens. Der Film wird im September in Europa starten und soll eine Bühne für diese Kinder und ihre Familien sein, über die Krankheit und ihren Kampf zu sprechen. Ich war geschockt, wie sehr es an Krebsforschung für Kinder mangelt. Deswegen werde ich jedn Pfennig, den mein Film einspielen wird, an eine Stiftung namens "1 in 100.000" spenden.

Julio Medem, Pedro Almodóvar – diese spanischen Regisseure drehen gerne Filme über Frauen. Ist das Zufall? Oder verstehen Spanier das weibliche Geschlecht besser als der Rest der Welt?

(lacht) Wenn ich mir ihre Filme anschaue, habe ich tatsächlich das Gefühl, dass sie verstehen, was wir Frauen fühlen oder denken. Deswegen arbeite ich so gerne mit ihnen zusammen. Aber das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass sie Spanier sind. Woody Allen schreibt beispielsweise auch fantastische Rollen für Frauen.

Interview: Anke Hofmann