Warum Peter de Sève dem Lama in "Ice Age 5" Hörner aufsetzt

Was wir bereits wissen
Zum Kinostart von "Ice Age: Kollision Voraus!" (30. Juni) und zur Feier des 30-jährigen Jubiläums der BlueSky Studios gab uns Peter de Sève spannende Enblicke hinter die Kulissen der Filmemacher.

In Hollywood droht der Erde alle drei bis vier Jahre eine Katastrophe: Menschheit, Eisschmelze, Dinosaurier, Kontinentalverschiebung oder Asteroiden. Dieses Mal sind nicht Roland Emmerich oder Steven Spielberg daran Schuld, sondern Blue Sky Studios: seit 2002 legt dieses Animations-Studio in Connecticut an der Ostküste Amerikas mit einem Mammut, einem Riesenfaultier und einem Säbelzahntiger die Welt auf Eis, und das Publikum findet das cooler denn je. Jetzt läuft der fünfte "Ice Age" Film in den Kinos an: "Kollision voraus!".

Trailer zu "Ice Age 5 - Kollision voraus"!"

Aber selbst nach der Kinopremiere von "Ice Age 5" kann der Animations-Liebhaber in die Eiszeit schlittern und sogar einen Blick hinter die Kulissen werfen: Bis zum 18. September zeigt das Art Ludique Museum in Paris das Making-Of nicht nur von "Ice Age", sondern von allen Werke von Blue Sky: "Robots", "Dr. Seuss’ Horton hört ein Hu!", "Rio", "Epic – Verborgenes Königreich" und "Peanuts – Der Snoopy und Charlie Brown Film".

"Ice Age"-Characterdesigner Peter de Sève gab GOLDENE KAMERA eine exklusive Tour durch das in 2013 gegründete und ausschließlich der graphischen und Animations-Kunst gewidmete Museum. Im Interview stellt er seine neu eingeführte Figur vor: In "Ice Age 5" ist diesmal Shangri Llama mit dabei, ein Yoga versessenes Lama.

Interview mit Peter de Sève

Charakterdesigner de Sève über das mystische Lama in "Ice Age 5"

Welche Beziehung haben Sie zum Art Ludique Museum?

Ich bin sehr eng mit den Museumsgründern Diane und Jean-Jacques Launier befreundet. Sie haben zehn Jahre lang gebraucht, bis sie 2013 endlich Art Ludique eröffnen konnten. Dieses Museum ist einzigartig in der Welt: kein anderes Museum zeigt die Kunst, die hinter einer Animation steckt. Die erste Ausstellung war Pixar und ihrem 25-jährigen Jubiläum gewidmet. 2014 konnten Marvel und Stan Lee die Kunst hinter ihren Superhelden-Filmen ausstellen: das Comic-Buch. Dann folgte eine Ausstellung über die Japanischen Anime Götter Isao Takahata und Hayao Miyazaki und 2015 wurde die Knetanimation von Aardman ("Wallace & Gromit") unter die Lupe genommen. Als nächstes ist die Kunst der Videospiele dran.

Was macht die Blue Sky-Ausstellung so einzigartig?

Sie zeigt die Arbeit und Details, die hinter der Erstehung einer Animation stecken. Der Zuschauer genießt im Kino nur das vollendete Produkt, aber hier bekommt er die Anfänge zu sehen: von der Geburt einer Idee zu Skizzen, Skulpturen und Gemälden.

Die Ausstellung beherbergt auch andere Zeichnungen und Gemälde, die nichts mit Blue Sky zu tun haben...

Richtig, wir zeigen die Geschichte der Animation als Kunstform und die Illustrationen, die sie beeinflusst haben. Egal ob durch Höhlenmalerei in der Urzeit oder in der Sixtiniscxhen Kapelle in Rom: Menschen haben sich schon immer mit Zeichnungen und Kunst ausgedrückt. In Art Ludique haben wir sehr viele Werke vom Anfang des 20. Jahrhunderts, wie zum Bespiel von dem deutschen Illustrator Heinrich Kley. Seine Zeichnungen, vor allem von Tieren, haben Walt Disney sehr beeinflusst. Daraus entstanden die tanzenden Krokodile und Nilpferde in "Fantasia." Oder eine Zeichnung von Winsor McCay: "Gertie der Dinosaurier". Sie ist sozusagen die erste animierte Figur.

Sie haben den Look der "Ice Age"-Figuren entworfen. Was war Ihre Inspiration für Manny, Sid und Diego – und natürlich Scrat, das prähistorische fiktive Rattenhörnchen?

Die Inspiration für den Look und Stil der Figuren in einer Animation ist immer das Drehbuch. Aber ich hatte das Glück, dass "Ice Age" der erste Film von Blue Sky war. Das Animationsstudio hatte noch keine Identität, und dadurch hatte ich mehr Freiheit, als wenn ich Figuren für einen Disney- oder Pixar-Film hätte entwerfen müssen. Diese Freiheit ist einerseits toll, aber auch gleichzeitig erschreckend, denn man muss etwas aus dem totalen Nichts kreieren. Meine Zeichnungen sind im Museum ausgestellt – von realistischen Entwürfen zu grotesken und fast absurden Konzepten. Das Endprodukt war dann eine Kombination von meiner Fantasie und der Ära, in der sich "Ice Age" abspielt – die Eiszeit. Deswegen sind einige Figuren authentisch, und andere total erfunden, wie zum Beispiel Scrat.

Was unterscheidet Blue Sky von den anderen Animationsstudios?

Das habe ich mich auch schon gefragt. Die Antwort ist, glaube ich, dass Blue Sky keinen "Hausstil" hat. Es gibt nichts typisches, dass alle Blue Sky Filme gemeinsam haben. "Ice Age" ist so anders verglichen mit "Epic" oder "Robots" oder "Peanuts." Und das ist auch gut so, denn dadurch ist die Tür für etwas Neues und Unerwartetes immer offen.

Text: Anke Hofmann

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