Das Second-Screen-Erlebnis: Internet und TV wachsen zusammen

Second Screen: für mehr Spaß beim Fernsehen
Second Screen: für mehr Spaß beim Fernsehen
Foto: Frazer Harrison/Getty Images
Immer mehr Zuschauer nutzen parallel zum Fernsehkonsum das Smartphone oder Tablet, auch Second Screen genannt. Welche Apps ein Second-Screen-Erlebnis bieten.

Second Screen bedeutet zweiter Bildschirm. Ein Second-Screen-Erlebnis ist die gleichzeitige Nutzung von Fernsehen und Internet – was recht anschaulich ein Szenario beschreibt, in dem parallel zur Fernsehnutzung ein zweiter Bildschirm zum Einsatz kommt.

Vor allem jüngere Zuschauer nutzen mobile Geräte wie Smartphone oder Tablet als zweiten Bildschirm. Während im TV eine Sendung läuft, suchen sie auf einem zweiten Bildschirm nach Hintergrundinformationen oder diskutieren in den sozialen Netzwerken über das Gesehene. Die Studie der Mediaagentur Initiative "My Screens II" fand heraus, dass bereits 74 Prozent der 14 bis 49-Jährigen parallel zum Fernsehekonsum das Internet nutzen - Tendenz steigend. Keine Frage: Der Second Screen boomt.

Wird Fernsehen wieder zum Gemeinschaftserlebnis?

Früher stritt am Samstagabend die Familie über Gottschalks Outfit. Heute ersetzt das soziale Netzwerk die Sofagemeinschaft. Über Facebook, Twitter oder Apps (Apps ist die Abkürzung vom englischen Wort Applications, was auf Deutsch übersetzt Programme oder auch Anwendungen heißt) diskutieren Zuschauer über die Frisur der Moderatoren oder den neuen "Tatort". Die App von Couchfunk zeigt zu jeder Sendung die Tweets von Twitter und Posts von Facebook aller Zuschauer an, was das Mitreden in den sozialen Netzwerken besonders einfach macht. Der passive Zuschauer wird mit seinem Second Screen aktiv.

Second Screen: Das neue "Mitmach-TV"

Die Nutzung eines Second Screens ist aber mehr als nur Informationsbeschaffung und Diskussionen in sozialen Netzwerken. Der Second Screen kann dank unterschiedlicher Apps auch zum "Mitmach-TV" werden. So bietet die "Tatort"-App zu jeder "Tatort"-Premiere im Ersten das Second-Screen-Angebot "Live ermitteln" an. Die potentiellen Täter, Motive, etc. erscheinen in der App sukzessive und parallel zum Handlungsstrang im Fernsehen. Ziel des Live-Quiz‘ ist es, den richtigen Tipp vor der Auflösung im Fernsehen abzugeben. Der Zuschauer wird zum Ermittler.

Auch mit der App "Quizduell im Ersten" ist parallel zur Livesendung "Quizduell-Olymp" (freitags, 18.50 Uhr, Das Erste) das Mitspielen möglich. Beim "Quizduell-Olymp" wird das "Team Deutschland" von drei festen Spielern, dem "Olymp", in der Sendung vertreten. Alle Teilnehmer am Smartphone treten als Teil vom "Olymp" an. Um zu gewinnen, muss man einfach nur die richtige Antwort zu den eingeblendeten Fragen tippen. Wenn der "Olymp" gewinnt, oder das Duell unentschieden ausgeht, kann man mit etwas Glück echte Gewinne abräumen.

Das ZDF geht einen anderen Weg und bündelt seine Second-Screen-Angebote in seiner ZDF-App. Zu einigen Sendungen werden Hintergrundinformationen der Redaktion passend zum Livebild angeboten. Zudem können Nutzer über Live-Abstimmungen und Diskussionen auf Online-Plattformen wie Facebook oder Twitter am Programm teilhaben.

Wenn im November die neue Staffel von "Schuld nach Ferdinand von Schirach" startet, können die Zuschauer wie auch in der vergangenen Staffel mit der ZDF-App über die Frage "Schuldig oder unschuldig?" abstimmen und damit in die Rolle des Richtenden schlüpfen.

Während der Champions -League-Übertragungen im ZDF bietet die App Live-Sportdaten zu den Partien. Und mit "MyView" können sich Nutzer die spannendsten Momente der ZDF-Spiele noch einmal aus verschiedenen Kameraperspektiven ansehen. Zudem gibt es zu einigen Spielen parallele Livestreams, mit denen man zum Beispiel das Livesignal der Hintertor-Kamera verfolgen kann. So wird jeder Nutzer zu seinem eigenen Programmdirektor, da er selbst bestimmen kann, aus welcher Perspektive er das Spiel verfolgen möchte.

Diese kleine Auswahl an Apps zeigt, dass Second Screen noch in den Kinderschuhen steckt und die Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft sind. Hoffentlich wird es in Zukunft mehr Sendungen geben, die Second-Screen-Erlebnisse bieten. Für mehr Spaß beim Fernsehen wäre das eine gute Sache.