Kino-Event der Woche: "The Square"

Am 19. Oktober startet der umjubelte Gewinnerfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes in unseren Kinos. Wir verraten, warum die hintersinnige Gesellschaftssatire von Ruben Östlund höchst sehenswert ist.

So kann's gehen: Erst wird "The Square" auf letzten Drücker für den Wettbewerb von Cannes 2017 nachnominiert. Und dann macht der neue Film des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund beim Rennen um die Goldene Palme den ersten Platz. Dabei ist die Entscheidung der Jury unter Vorsitz von Regie-Exzentriker Pedro Almodovar komplett nachvollziehbar, denn Östlunds smarte Gesellschaftssatire ist nicht nur fremdbeschämend bis zur Schmerzgrenze, sondern auch absurd komisch.

Darum geht's in "The Square"

Im Mittelpunkt steht Christian Nielsen (Claes Bang), der als Chefkurator des renommierten X-Royal-Museums in Stockholm die titelgebende Kunstinstellation betreut. Das in den Boden eingelassene Leuchtquadrat "The Square" soll Passanten als symbolische Schutzzone dienen und so an ein verantwortungsvolles Miteinander gemahnen. Doch davon ist Christians langsam außer Kontrolle geratenes Privatleben weit entfernt. Zunächst geht er Trickbetrügern auf den Leim und macht beim Versuch, sein geklautes Handy zurück zu bekommen, alles noch viel schlimmer. Dann erweist sich der One-Night-Stand mit der amerikanischen Reporterin Anne (Elisabeth Moss) als problematischer als gedacht. Und zu guter Letzt läuft die Marketingkampagne der nach viraler Wirkung lechzenden Werbeagentur für "The Square" aus dem Ruder.

Trailer zu "The Square" (Kinostart: 19.10.2017)

GOKA-Wertung

Hatte Östlund in seinem Vorgängerfilm "Höhere Gewalt" (2014) noch die Mängel des Menschen am Beispiel einer in Notlage geratenen Familie entlarvt, lässt der Regisseur seinen satirischen Röntgenblick in "The Square" über die schwedische Kunstszene wandern, die stellvertretend für die Selbstbeweihräucherung und Überkorrektheit der bildungsbürgerlichen Gesellschaft steht. Dabei sorgt das furchtlos aufspielende Ensemble um den aus dem deutschen TV bekannten Dänen Claes Bang ("Sibel & Max") und US-Serien-Darling Elisabeth Moss ("The Handmaid's Tale") dafür, dass die vorgeführten Figuren nicht zu Karikaturen verkommen. Und dass der Zuschauer beim dramaturgischen Flickenteppich aus lose zusammenhängenden Episoden nie vollends vom Gefühl übermannt wird, einer skurrilen Nummernrevue beizuwohnen.

Kunstperformance-Clip aus "The Square"

Nachhaltig im Gedächtnis wird fraglos Ruben Östlunds Konzeptidee bleiben, Terry Notary, den führenden Performance-Capture-Primatendarsteller Hollywoods (zuletzt zu bewundern in "Kong: Skull Island" und "Planet der Affen: Survival"), als Performance-Künstler Oleg zu besetzen. Wie Notarys triebgesteuerter Affenmensch ein elegantes Spendendinner eskalieren lässt, demaskiert nicht nur den Showcharakter des modernen Kunstbetriebs, sondern funktioniert auch als Sinnbild für die animalischen Impulse, die unter dem oftmals nur aus Schaumschlägerei bestehenden Deckmantel unserer Zivilisation schlummern.

Muss ich sehen, weil...
...im zeitgenössischen Kino die Spielregeln der modernen Gesellschaft selten so genüsslich und unterhaltsam auseinander genommen wurden.

Für Fans von...
...Maren Ades "Toni Erdmann" und Michael Hanekes "Happy End"