Samantha Gold:„ Es gibt keinen Platz für Bodyshaming!“

Samantha Gold kämpft gegen Bodyshaming – und sieht sich als „Teufelchen mit Engelsgesicht“.

Samantha Gold kämpft mit den anderen Kandidatinnen in der sechsteiligen Show „Queen of Drags“ (ab 14. November, 20.15 Uhr, ProSieben) um eben diesen Titel. Wir trafen die 25-Jährige zum Interview.

"Queen of Drags": Samantha Gold im Interview

Samantha Gold im Interview

Wie ist deine Drag entstanden?
Ich habe eine sehr lustige Familie, die schon seit vielen Jahren schräge Mottopartys veranstaltet. Bei einer dieser Partys haben sich die Frauen unserer Familie als Männer verkleidet – und umgekehrt. Damals meinte mein Opa, dass ich als Frau wahnsinnig gut aussähe, und er bewunderte meine Brüste – und irgendwie hat mir das den Kick gegeben, mich öfter zu verwandeln, und in andere Rollen zu schlüpfen. Das Wort „verkleiden“ mag ich nicht.

Und wie wurde daraus „Samantha Gold“?

Samantha ist eine Hommage an Samantha aus „Sex and the City“ – eine verruchte, weibliche, sexy Frau. Und der Nachname entstand, weil ich noch etwas Engelsgleiches als Pendant haben wollte, denn früher meinten auch schon meine Lehrer und Freunde, dass ich mit meinen blonden Haaren aussähe wie ein Engel, es aber faustdick hinter den Ohren habe, wie ein Teufelchen. Und das Gold steht auch für den Glitzer. Als „Samantha Gold“ arbeite ich übrigens schon seit zweieinhalb Jahren bei Olivia Jones.

Du durftest niemandem verraten, dass du bei „Queen of Drags“ dabei bist. Was hast du deinen Freunden erzählt?

Dass ich mit meinem Mann eine längere Skandinavien-Rundreise mache.

Welche Themen möchtest du in „Queen of Drags“ anstoßen?

Ich bin hier die Übergewichtige, also die „Plus Size“-Queen. Es geht mir darum, dass ich zeige, dass Plus Size-Drag Queens, so wie Plus Size-Frauen und -Männer auch für Schönheit stehen können. Es gibt keinen Platz für Bodyshaming! Mir ist es besonders wichtig, auf Themen wie Bodyshaming hinzuweisen – und auf „Body Positivity“. Jeder ist einzigartig und soll so akzeptiert werden. Und besonders in der Community ist es auch oft schwierig sich seinen Platz zu erkämpfen, wenn man nicht der vorgegebenen „Schönheit“ entspricht – „wir“ schreien immer laut nach Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung, aber werden genau dort auch oft angefeindet und aus den eigenen Reihen heraus diskriminiert. Dafür ist kein definitiv kein Platz – und dafür kämpfe ich!

Welche Erfahrungen macht man, wenn man als Drag unterwegs ist?

Es ist immer wieder eine tolle Erfahrung Menschen in eine andere Welt zu entführen, sie staunen zu lassen und den Alltag hinter sich zu lassen. Ich möchte die Menschen mit meiner Art erreichen und kann auch beobachten, wie die Menschen in meinem Umfeld auf meine Erscheinung reagieren. Hier merkt man, dass viele auf mich sehr positiv und offen reagieren. Faszination und Staunen lösen Berührungsängste und negative Gedanken ab – das finde ich toll und genau so sollte auch weiter gemacht werden. Um eine negative Seite anzusprechen finde ich, dass man schlagartig nachempfinden kann, wie groß der Sexismus ist, dem einige Frauen täglich ausgesetzt sind. Frauen werden belästigt, sexualisiert und teilweise weder akzeptiert noch ernst genommen.

Was ist die größte Herausforderung bei „Queen of Drags“?

Mit neun anderen Drags zusammenzuwohnen (lacht). Nein, Scherz beiseite: Ich bin eher ein ruhiger Mensch, der gerne mit seiner Familie alleine ist – mit meinem Mann und unseren drei Katzen. Aber hier bei „Queen of Drags“ gab es natürlich viele Menschen und neue Herausforderungen. Das Ganze ist ein Riesenspaß.

Schlussfrage: Was ist deine Message?

Meine Message ist mein Lebensmotto: Lebe einzigartig! Und mache immer, was du willst. Lass‘ dich nicht unterkriegen, höre nicht auf andere. Zu mir haben unglaublich viele Menschen gesagt, dass ich eine schlechte Drag wäre – und dass ich es niemals schaffen würde, weil ich zu dick, zu pompös und zu divenhaft wäre. Aber hallo? Jetzt bin ich hier! Deswegen: Lebe einzigartig, mach‘ dein Ding und kämpfe für deine Ziele.