Ist der Hype um "Dinner for one" nicht völlig übertrieben?

Freddie Frinton und May Warden im "Dinner for one".
Freddie Frinton und May Warden im "Dinner for one".
Foto: picture alliance
Sind Sie auch schon ganz aufgeregt? Es ist endlich wieder Silvester, mit allem was jedes Jahr dazu gehört. Die dröge Neujahrsansprache der ewigen Kanzlerin, merkwürdige Figuren frisch aus Blei gegossen, Raclette mit Tonnen von Käse, nervige Ballerei vor Mitternacht, lauwarmer Sekt und – last, but not least, saving the best for last: das legendäre, fantastische, geniale und unfassbar lustige "Dinner for One"!!!

Applaus bitte – aber nicht unbedingt von mir. Seit 1972 stolpert der besoffene Butler James am Silvesterabend elfmal über den Tigerkopf, brüllt unzählige Male "Skål", schlägt dabei die Hacken zusammen und lallt zunehmend besoffen: "The same procedure as last year, Miss Sophie?" Und diese erwidert stets: "The same procedure as every year, James." Das ist vielleicht der berühmteste Dialog der TV-Geschichte, aber muss man ihn zwanghaft jedes Jahr genießen – und in die Tat umsetzen?

Insgesamt 15 Mal im Ersten und den Dritten Programmen der ARD wird der Sketch, der übrigens in Großbritannien zu Recht nahezu unbekannt ist, trotz ewiger YouTube-Präsenz am 31. Dezember über die Flachbildschirme der Republik flimmern. Ist das Rekord? Das muss Rekord sein, schließlich setzten wir jedes Jahr noch einen drauf! Und wem die aufwendig nachkolorierte Originalfassung des NDR nicht reicht, der kann den Sketch auch auf plattdeutsch, hessisch, nordhessisch, in Schwyzerdütsch und als "Döner for one" genießen. Haaahhh, isch bin so ufgeregt, dat wir so scheeen!

Nein, wird es nicht! Denn dieser Sketch ist absolut vorhersehbar und politisch völlig unkorrekt: Ausgestopfte Tiere sind das allerletzte, mit Alkoholismus sollte man nicht spaßen und über alleinstehende 90jährige Damen, die offensichtlich an Altersdemenz leidet, macht man sich einfach nicht lustig! Daher meine Forderung: Ab ins GEZ-Archiv mit dem Ding und erst wieder rausholen, wenn es zu Weihnachten mal wieder schneit, also nie wieder!

Wer unbedingt die Zeit zwischen dem Blei vergießen und dem TV-Countdown mit Fernsehen überbrücken will, dem empfehle ich den "Sylvesterpunsch" mit Ekel-Alfred. Diese Realsatire gibt es auch schon seit 1973 – ist aber topaktuell!

Ein Herz und eine Seele: "Sylvesterpunsch"

Zum Autor: Seit der DVB-T-Umstellung guckt Jens Gebhardt nur noch öffentlich-rechtliches Pay-TV plus Netflix, Schwerpunkt organisiertes Verbrechen. Doch die merkwürdigen VOX-Auswanderer vermisst er schon. Laufen die bald bei YouTube?