Ulrike C. Tscharre: "Als Schauspielerin bin ich durchaus auch ein bisschen Detektiv"

Ihr zweiter Einsatz als Zielfahnderin im Ersten führt Ulrike C. Tscharre nach Urugay.

2016 fahndete die deutsch-österreichische Schauspielerin noch an der Seite von Ronald Zehrfeld in den rumänischen Karpaten. Als Hanna Landauer heftet sie sich nun in "Blutiger Tango" (Sa, 26. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten) gemeinsam mit ihrem neuen Partner Lars Röwer (Hanno Kofler) an die Fersen eines Entführerpaars, das in Montevideo ihren Anteil eines Lösegelds kassieren will.

Im Interview mit GOLDENE KAMERA erzählt Ulrike C. Tscharre (47), warum sie sich als Schauspieler auch ein bisschen wie ein Detektiv fühlt und ihre erster Südamerika-Dreh so beeindruckend - und anstrengend war.

Ulrike C. Tscharre im Interview zu "Zielfahnder - Blutiger Tango"

GOLDENE KAMERA: Wie sehr schmerzen Ihre Füße, Frau Tscharre?

Ulrike C. Tscharre: Schmerzen? Wieso?

Nun, immerhin mussten Sie für Ihren neuen Film „Zielfahnder: Blutiger Tango“ extrem viel Tango tanzen.

Ulrike C. Tscharre: Das stimmt, ich habe viel trainiert, aber glücklicherweise haben meine Füße nicht geblutet – ich brauche bloß ein paar Pflaster, weil ich mir während des Trainings wiederholt meine Zehen mit meinen Hacken blutig geschrammt habe. Das passiert, wenn die Füße nicht so schnell sind, wie ich es gerne hätte.

Was mögen Sie an der Rolle der Zielfahnderin Hanna Landauer?

Ulrike C. Tscharre: Hanna ist eine Frau, die ohne die üblichen Attribute auskommt, mit denen weibliche Figuren gern ausgestattet werden. Sie lacht nicht viel, ist eher ernst, konsequent und unglaublich durchsetzungsstark. Aber sie hat auch ihre Schwächen: Sie nimmt in Kauf, dass ihr Partner durch ihre Impulsivität immer wieder in Gefahr gerät. Und weil sie leidenschaftlich ehrgeizig ist, ordnet sie ihr Privatleben dem Job unter. Die Rolle ist ambivalent, vielschichtig und herausfordernd. Auch körperlich – aber das mag ich!

Apropos körperlich: Im ersten „Zielfahnder“-Film „Flucht in die Karpaten“ haben Sie die Gangster bis ins rumänische Gebirge verfolgt. War der Dreh zu „Blutiger Tango“ denn wieder körperlich so anstrengend?

Ulrike C. Tscharre: Der Dreh in Urugay war tatsächlich wieder körperlich fordernd - vor allem, weil wir die letzten drei Wochen der Dreharbeiten fast ausschließlich nachts gedreht haben. Dadurch gerät der komplette Biorhythmus aus dem Takt. Zudem habe ich gelernt, wie man argentinischen Tango tanzt.

Aber wie war die Zeit in Urugay?

Ulrike C. Tscharre: Ich war wahnsinnig gespannt auf Uruguay, weil ich vorher noch nie in Südamerika war. Außerdem ist Uruguay das kleinste spanisch-sprechende Land Lateinamerikas mit einer unglaublich interessanten Geschichte, denn der auch hierzulande bekannten Ex-Präsident „El Pepe“ ist ein ehemaliger Blumenzüchter, der einen VW Käfer fährt, auf einer kleinen Farm wohnt, einige Jahre als Rebell im Gefängnis saß, nur zehn Prozent seines Einkommens behalten hat und den ganzen Rest an NGOs oder kleine Unternehmen gespendet hat.

Gibt’s eigentlich Schnittmengen zwischen dem Beruf der Schauspielerin und dem der Zielfahnderin?

Ulrike C. Tscharre: Interessanterweise ja! Als Schauspieler bin ich durchaus auch ein bisschen Detektiv. Ich beobachte häufig beiläufig, wie sich jemand bewegt oder ob er einen besonderen Tick hat. Und auf der Schauspielschule gab’s mal eine Übung, bei der wir in die Stadt gehen und uns eine fremde Person herauspicken und sie mindestens eine Stunde lang verfolgen mussten, ohne von ihr entdeckt zu werden. Das war total spannend und hatte auch was von Polizeiarbeit.

Ulrike C. Tscharre im Interview zu "Zielfahnder"

Wurde Ihre TV-Jagd nach der bisexuellen Bonnie und dem cleveren Clyde – dargestellt von Heike Makatsch und Jörg Hartmann - von einer wahren Geschichte inspiriert?

Ulrike C. Tscharre: Unser Author Rolf Basedow recherchiert prinzipiell viel. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich vielleicht von der Jagd auf Thomas Drach, den Entführer des Hamburger Multimillionärs Jan Phillip Reemtsma, hat inspirieren lassen. Drach bewohnte ab 1996 eine Luxusvilla in Uruguay – und wurde kurz vor Ende der Neunziger von Zielfahndern gefangen. Mich persönlich hat die Jagd auf die Figuren von Heike Makatsch und Jörg Hartmann beim Dreh durchaus an die Drach-Jagd erinnert. Aber wie bereits gesagt: Ob dieser Fall tatsächlich eine Inspiration für Rolf Basedow war, ist meine reine Spekulation.

Gibt’s weitere Fälle der „Zielfahnder“-Reihe?

Ulrike C. Tscharre: Ja! Momenten stecken wir bereits in der Vorbereitung für den dritten Fall – und ich freue mich jetzt schon darauf. Das Land darf ich noch nicht verraten, aber es ist wirklich eine fremde Welt und wieder ein spannender Fall. Wenn alles nach Plan läuft drehen wir den dritten Teil in der ersten Jahreshälfte 2020.