Renée Zellweger brilliert als "Judy"

Renée Zellweger als Showikone Judy Garland auf der Bühne.
Renée Zellweger als Showikone Judy Garland auf der Bühne.
Foto: dpa
Renée Zellweger überzeugt in dem bewegenden Biopic über Judy Garland auch als Sängerin.

Mitten in der Nacht taucht eine sichtlich erschöpfte Frau mit zwei Kindern im Schlepptau in einem Hotel auf, das sie augenscheinlich gut kennt. Die Frau heißt Judy Garland, war lange Zeit eine gefragte Sängerin und Schauspielerin, die einst mit dem Film „Der Zauberer von Oz“ Weltruhm erlangte. Jetzt steht sie vor dem Hotelportier, verlangt den Schlüssel zu ihrer vertrauten Suite – und wird abgewiesen. Offenbar haben sich inzwischen die Suchtprobleme der Künstlerin, ihre Geldnöte und ihre psychische Verfassung herumgesprochen. So beginnt mit „Judy“ (ab Do, 2. Januar im Kino) der außergewöhnliche Film über eine Frau, die eigentlich immer irgendwie fremd­bestimmt war. Jetzt blickt sie auf vier Ehemänner und drei Kinder zurück, vor allem aber auf ein zerrüttetes Leben.

Trailer: "Judy"

Renée Zellweger taucht im Film ganz in ihre Figur ein

Dieser zerbrechlichen Künstlerin in einem Spielfilm Gestalt zu verleihen, das ist sicher keine leichte Aufgabe. Die US-Schauspielerin Renée Zellweger („Bridget Jones“, Oscar für „Chicago“, GOLDENE KAMERA 2011) jedoch spielt sie nicht nur, sie scheint in manchen Momenten in diese Frau geradezu einzutauchen. Sie hat Judy Garland genau studiert, was bei dieser Frau auch das Singen mit einbezieht. Die Drehbuchautoren Tom Edge und Peter Quilter (auch Autor der Theater­vorlage) beschränken sich auf wenige Monate im Jahr 1968, in denen Judy das Angebot einer britischen Agentur angenommen hat.

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Schon mit 16 Jahren nahm Judy Aufputsch- und Schlafmittel

Mehrere Wochen soll sie im berühmten „Talk oft the Town“ auftreten, eine ständige Assistentin inbegriffen. Der Impresario (Michael Gambon) ist nach dem ersten Auftritt noch zufrieden, doch schon bald wird er eines Besseren belehrt. Die Sängerin wird wieder von ihren Dämonen heimgesucht, bricht mitten in der Vorstellung ab oder kommt gar nicht erst auf die Bühne. Eine Ehe mit dem Gatten Nr. 5 geht rasend schnell zu Ende. Regisseur Rupert Goold, der vom Theater kommt, versucht in Rückblenden, Judys körperliche und seelische Verfassung begreifbar zu machen. Immer wieder sehen wir Bilder mit der junge Judy (hier: Bella Ramsey) im Studio von MGM, unter strenger Kuratel von Studio-Chef Louis B. Mayer. Schon hier wird sie mit 16 Jahren in Kontakt gebracht mit Aufputsch- und Schlafmitteln.

„Judy“ ist eine Hommage an eine große Künstlerin

Dass all dies in jener Zeit als unbedenklich angesehen wurde, macht die Dinge nicht weniger verwerflich. Zellweger dominiert diesen Film in fast jeder Sekunde. Man sieht ihre Judy mal strahlend auf der Bühne, wenn sie das Publikum mitreißt mit ihren Songs. Aber man sieht mit ihr eben auch eine zerstörte Frau, die sich an den Alkohol klammert. Aus Judys letzter Begegnung mit ihrem Ex-Ehemann Sidney Luft (Rufus Sewell), der die gemeinsamen Kinder nun ganz für sich haben möchte, filtert Zellweger das endgültige Zerbrechen ihrer Figur.

Den Schluss des Films würde man anderswo vielleicht als zu gefällig empfinden, hier jedoch wirkt er wie die Hommage an eine große Künstlerin – ein letztes Mal auf der Bühne, ein rasendes Publikum mit stehenden Ovationen. Ein Jahr später ist sie gestorben, in London, mit nur 47 Jahren.

(Der Text von Arnold Hohmann erschien zuerst in der W.A.Z.)

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