Letzte Staffel "Professor T": Zwischen genial und großkotzig

Professor T (Matthias Matschke) bereitet sich für die 4. Staffel vor.
Professor T (Matthias Matschke) bereitet sich für die 4. Staffel vor.
Foto: ZDF
Matthias Matschke spielt ab diesem Freitag im ZDF wieder "Professor T "– und nimmt in der letzten Staffel Abschied von der Rolle.

Er muss nur „Hallo“ sagen mit seiner unverkennbaren Stimme und man weiß, wer am anderen Ende der Leitung sitzt. Man hat auch sofort das Gesicht von Matthias Matschke vor Augen. Aber man kann es nicht gleich einer Rolle zuordnen. Weil Matschke sich nicht auf eine Rolle, nicht einmal auf einen Typen festlegen lässt.

Da sind – um nur mal einige zu nennen - der schluffige Hagen Pastewka, aber da ist auch der geschniegelte Gregor Georgi aus der Krimireihe „Helen Dorn“. Da sind der zauselige Beethoven aus der Sketch-History, aber auch der fahrige Uwe Barschel. Und da ist natürlich Professor Jasper Thalheim, besser bekannt als Professor T, der ab Freitag (15. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) wieder ermittelt.

Niemand hat von Corona gesprochen, als die vier Folgen der vierten und letzten Staffel im vergangenen Jahr gedreht worden sind. Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser Professor T besser in die Zeit passt als jeder andere TV-Ermittler der vergangenen Jahre – bis auf „Monk“ vielleicht. Ein penetranter Besserwisser und ätzender Zyniker, der Höflichkeit für ebenso überbewertet hält wie menschliche Nähe. Und der aus Angst vor Infektionen stets blaue Plastikhandschuhe trägt.

Professor T hilft ihm, den Corona-Alltag zu meistern

Natürlich ist das nur eine Rolle. Aber ein wenig, gibt der 51-Jährige zu, habe sie abgefärbt auf sein eigenes Leben in diesen Wochen und Monaten. So hat er in den Anfangstagen von Corona auch Handschuhe getragen. Schwarz zwar, aber aus Plastik. „Bringt aber nichts“, hat der gebürtige Marburger längst von Experten erfahren. Macht er also nicht mehr. „Aber manchmal“, sagt Matschke, „gilt T in diesen Tagen für mich als Referenz. Dann frage ich mich, was der Professor in dieser Situation wohl machen würde.“

Vielleicht liegt das auch daran, dass ihn diese Figur – von Hagen Pastewka mal abgesehen – länger begleitet hat als jede andere. Er konnte sie formen, konnte sie weiter entwickeln, ihr Tiefe und immer neue Facetten geben. „So eine Chance bekommt man nicht oft.“

Trotzdem, sagt Matschke, sei er nicht enttäuscht, dass nun Schluss ist mit dem ebenso genialen wie großkotzigen Gelehrten. Es sei allen Beteiligten von Anfang an klar gewesen, dass man die Dramaturgie nicht überstrapazieren wolle. Vor allem, weil es neben dem Fall der Woche einen durchgehenden roten Faden in der Handlung gibt. „Der musste fertig erzählt werden. Eine starke Geschichte braucht auch ein starkes Ende.“

Serie über Friedrichstadtpalast liegt vorerst auf Eis

Keine Spur von Wehmut also? Nein, sagt Matschke. Weder bei Professor T, noch bei Pastewka, der mit Staffel 10 ebenfalls in diesem Jahr ausgelaufen ist. „Es ist eher eine unglaubliche Zufriedenheit, daran teilgenommen zu haben. Stolz ein Teil dieser Serien gewesen zu sein“, sagt Matschke. Im übrigen sei es gut, dass Dinge ein Ende haben. „Das gibt ihnen einen Wert.“

Und Matschke die Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren. Das mag er. „Ich bin dankbar für Abwechslung.“ Ewig nur in einer Rolle zu verharren – und sei sie noch so erfolgreich – sei nichts für ihn. „Ich wollte nie Horst Tappert werden.“ Auch weil er sich „schnell langweilt. Daher bin ich froh, wenn die Bandbreite der Herausforderungen groß ist.“

Im Augenblick aber kann er nur keine dieser Herausforderungen annehmen. Eigentlich würde er unter Regie von Uli Edel gerade die Serie „Der Palast“ drehen, in der die Geschichte des Friedrichstadtpalastes erzählt wird. „Aber das Projekt liegt wegen Corona erst einmal auf Eis“, sagt Matschke. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. „Man muss aus jeder Lebenssituation das Beste machen.“

In der Isolation entwickelt er neue Projekte

Das macht er zur Zeit in seiner Wohnung in Berlin. „Ich sitze in selbstgewählter Quarantäne, weil ich denke, dass im Moment nichts anderes zählt, als die Verbreitung des Coronavirus möglichst gering zu halten. Und es ist wichtig, dass wir die Menschen schützen, die möglicherweise besonders gefährdet sind. Ich selbst denke da an meinen 83-jährigen Vater, der vorerkrankt ist. Ich tue es für ihn – und alle Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie er.“

In der Isolation entwickelt er Projekte. „Ich will ja nicht nur vorgegebene Rollen spielen, ich möchte mir auch Geschichten und Charaktere ausdenken.“ Das geht nicht nebenbei, das ist schwierig, findet Matschke. Es hat aber auch einen großen Vorteil. „Mir wird“, ist der Schauspieler überzeugt, „so schnell nicht langweilig werden.“

Dieser Artikel wurde produziert von der FUNKE Zentralredaktion.