Margarita Broich: "Ich bin als 'Salatbeilage' besetzt worden"

Margarita Broich spielt seit 2018 die Rolle der Heidi in der Gastronominnen-Saga aus der Eifel
Margarita Broich spielt seit 2018 die Rolle der Heidi in der Gastronominnen-Saga aus der Eifel
Foto: © ARD Degeto/Martin Rottenkolber
In zwei neuen "Meine Mutter"-Filmen spielt Margarita Broich wieder Mutter Heidi. Ein Interview über Liebe im Alter, tradierte Rollenverständnisse und Besetzungen im Fernsehen.

Wenn am 5. März mit "Meine Mutter im siebten Himmel" der fünfte Teil der Gastronominnen-Saga aus der Eifel mit Margarita Broich und Diana Amft als Mutter-Tochter-Gespann zur Primetime im Ersten läuft, dann wird es trotz Herzschmerz romantisch.

Denn während Toni (Diana Amft, hier im Interview) nach dem Abgang von Meisterkoch und Herzblatt Rufus jammernd im Bett liegt, läuft es für ihre Mutter Heidi besser. Ihre neu eröffnete Pension ist ausgebucht und der deutlich jüngere Gärtner Ron (Martin Bretschneider) macht Heidi Avancen.

Im zweiten neuen Film "Meine Mutter und plötzlich auch mein Vater" (Freitag, 12. März, 20.15 Uhr, Das Erste) wird Heidi von ihrer Tochter mit der Vergangenheit konfrontiert. Denn den Obdachlosen im Teddy-Kostüm, den Toni aufgegabelt hat, kennt sie gut - es ist Tonis verschollener Erzeuger Kurt.

Heidis Ex wird von Uwe Ochsenknecht gespielt. Warum der gemeinsame Dreh mit ihm ein besonderes Vergnügen war, verrät Margarita Broich im Interview.

Margarita Broich im Interview

Sie haben insgesamt sechs "Meine Mutter"-Filme gedreht. Was macht Ihnen besonders Spaß an der Rolle der Heidi?

Die Freude an den „Mutter-Filmen“ fängt mit den tollen Kollegen und unserer Produktionsfirma an. Wir sind hier - auch und gerade in Coronazeiten - sehr gut aufgehoben. Und die Arbeit mit Diana (Amft, Anm. der Redaktion) macht viel Spaß, weil wir uns gut die Bälle zuwerfen. Nach sechs Filmen ist zwischen uns etwas ganz Wunderbares entstanden.

Die Rolle selber macht mir viel Freude, weil ich mittlerweile so viel mit ihr erlebt habe. Ich lerne Heidi immer besser kennen und sie deshalb auch immer mehr lieben. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich weiß nicht, ob der Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt bei der Rolle an mich gedacht hat. Er zieht da sicherlich ein paar Parallelen, auch wenn ich es nicht wahr haben will (lacht). Ich kann Heidi sehr gut verstehen, ihr Denken und Handeln meist gut nachvollziehen, denn sie ist mir nicht fremd. Heidi trampelt manchmal in ihren Gummischuhen so vor sich hin. Sie ist ein bisschen wie der Elefant im Porzellanladen und trotzdem sensibel. Sie fällt, gerade bei ihrer Tochter, oft mit der Tür ins Haus, vielleicht weil sie sie besonders liebt.

In "Meine Mutter im siebten Himmel" verliebt sich ja Heidi. Wie war der Dreh?

Spannend! Man muss tatsächlich nur an die große Liebe denken und schon sieht man auch verliebt aus. Als ich mir den Film ansah, hatte ich genau das Gefühl. Beim Drehen muss man das, was man spielt, so viel kleiner gestalten als im Theater. Dort sitzen die Leute in der ersten Reihe mindestens 10 Meter weit weg. Sie sind einem nicht nah. Die Geste muss größer sein. Beim Dreh funktioniert es manchmal so, dass man es nur denkt und schon sieht man es auch auf dem Bildschirm. Das ist ein großes Wunder!

Und Talent.

Na ja, Talent, Geschenk, keine Ahnung. Ich wundere mich jeden Tag, dass mich das mein Leben lang ernährt hat. Ist doch irre, dass man mit dem Spielen seine Miete zahlen kann. Wir wollen daran aber jetzt nicht rütteln!

Max Raabe hat über Sie gesagt: Jeder sollte eine Margarita in seinem Freundeskreis haben. Würden Sie sagen, jeder sollte eine Mutter wie Heidi haben?

Das weiß ich nicht. Heidi ist ja wirklich etwas übereifrig. Ich, als Margarita, habe ja auch Kinder und ich weiß, wie oft es wahnsinnig schwer ist, sich zurückzunehmen und sich bei seinen Kindern nicht in alles einzumischen. Das fällt mir im wirklichen Leben tatsächlich nicht leicht. Dann denke ich an meine eigene Jugend. Ich habe auch nicht all das gemacht, was mir meine Eltern vorgeschlagen haben – selbst wenn es vollkommen vernünftig war. Und ich glaube tatsächlich, man kann Kindern keine wirkliche Abkürzung zeigen, die müssen leider alle Umwege selber gehen. Da muss ich mir schon oft auf die Zunge beißen, dass ich ihnen nicht sage, wie sie es machen sollen. Man muss da eine gewisses Vertrauen in sie haben und mit Wohlwollen hinter ihnen her gucken und denken, die kriegen das schon hin, die machen das schon. Und so was ähnliches hat ja Heidi auch. Sie hat permanent das Gefühl, sie weiß irgendwas besser. Das ist, glaube ich, der einzig schwierige Punkt im Verhältnis zu ihrer Tochter. Sie ist ein bisschen übergriffig, ihr und auch anderen Menschen gegenüber. Aber das ist ja der Witz, dass sie manchmal zu weit geht. Sie ist wirklich keine vornehme Dame. Dafür hat sie etwas Hochgekrempeltes und Bodenständiges. Sie ist eben ein Kind der Eifel. Da ich auf dem Land im Westerwald groß geworden bin, waren mir daher auch bestimmte Sachen im Drehbuch in die Wiege gelegt. Dieses Leben auf dem Dorf: Wer sich für wen interessiert, das alles ans Licht kommt, diese eindeutigen Wahrheiten und dass man gut darauf achten muss, dass die Leute nicht anfangen, hinter dem Rücken zu reden - und man daher besser noch den Rasen schneiden muss. Das alles war mir nicht ganz unbekannt. Das ist präzise beobachtet und gut im Drehbuch geschrieben und macht auch viel Spaß zu spielen.

Heidi hat Bedenken, was die Dorfbewohner über ihre Liebe zum jungen Ron sagen. Aber der Dorfpostbote Hase stellt fest, sie hätte es doch nur erzählen sollen, dann hätten alle Verständnis. Was meinen Sie, akzeptiert unsere Gesellschaft heutzutage die Liebe zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann? Oder anders gefragt, sind Männer und Frauen mittlerweile gleichberechtigt?

Nein, ich glaube, da sind wir noch sehr weit von entfernt. In der Gesellschaft ist vollkommen akzeptiert, dass der Mann sich noch mal mit 60 verliebt und Kinder bekommt. Das wird andersherum kaum akzeptiert, vielleicht auf dem Land noch weniger als in der Stadt. Das finde ich nicht gut. Nicht, dass ich jetzt gerne einen jüngeren Mann hätte, das wäre jetzt gar nicht mein Thema, aber letzten Endes sollten sich Menschen in Liebe begegnen und dann spielt das Alter auch keine Rolle. Das tradierte Rollenverständnis begegnet mir übrigens auch bei meiner Arbeit. Denn natürlich spiegeln sich unsere Sehgewohnheiten auch bei den Besetzungen im Fernsehen. Ich bin mit Anfang 40, freundlich ausgedrückt, des Öfteren als "Salatbeilage" besetzt worden. Salatbeilage deshalb, weil ich zwei Drehtage hatte und mein Filmmann 10. Er war zum Beispiel Architekt, erfolgreich und natürlich 15 Jahre älter als ich. Dass man auf Augenhöhe besetzt wird, ist also auch im Fernsehen nicht die Regel.

Spielt bei Ihnen das Alter eine Rolle?

Ich bin jetzt 60. Ich weiß, dass es bei mir einen Moment gab, da passierte so etwas, wie ein „Unsichtbarwerden“. Ich war nie eine Schönheit, die ins Restaurant kam und alle lassen die Gabeln fallen. Ich musste mich erst hinsetzen und einen Witz erzählen, dann fanden sie mich lustig und der eine oder andere attraktiv. Als ich älter wurde und fast gar nichts mehr passierte, das hat mich dann doch getroffen. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich dachte, ich hätte wahrscheinlich früher viel mehr flirten sollen. Jetzt ist es zu spät (lacht). Außerdem ist die Alternative zum Älterwerden ja auch nicht schön. Insofern führt daran kein Weg vorbei. Ich glaube tatsächlich, dass eine jugendliche Ausstrahlung auch im Alter damit zusammenhängt, wie neugierig man bleibt. Auf jeden Fall ist die Neugierde auf alles und auch auf andere Menschen für mich ein kleiner Jungbrunnen. Bei mir ist das natürlich einfach, weil das mein Beruf mit sich bringt. Man kann nicht Schauspieler sein und sich nicht für andere Menschen interessieren. Wenn man nur auf sich selbst achtet, weiß man nicht, wie ein Postbote läuft oder wie Heidi mit den Schuhen umgeht.

Heidis Jungbrunnen ist ja der junge Gärtner, der sich in sie verliebt. In welche Situation verstrickt sie sich dabei?

Ja, Heidi verliebt sich wirklich. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, fand ich meine Darstellung ganz gut – und das sage ich selten. Aber ich habe empfunden, oder es auch so gespielt, wie sehr sich Heidi am Anfang wundert, dass sie überhaupt gemeint sein könnte. Das hat so einen gewissen Witz, dass sie immer denkt, da steht einer hinter ihr und er guckt gar nicht sie an. Sie kann sich das am Anfang gar nicht erklären und ganz langsam durch ein gewisses Zutrauen, und auch durch die gewisse Hartnäckigkeit dieses jungen Mannes, lässt sie sich tatsächlich die Hand reichen. Auf einmal merkt sie, dass da auch bei ihr etwas entsteht, und dass sie sich langsam verliebt, ganz zart.

Aber leider sind ihre Freundinnen noch nicht bereit, daran zu glauben. Sie denken, er wolle nur ihr Geld und sie können sich das einfache Glück in seiner Reinheit nicht vorstellen. Da entstehen natürlich Spannungen. Und am Ende besucht Heidi ihn im Krankenhaus und sieht, dass seine zwei Kinder und seine frühere Frau. Das hat er ihr eigentlich nicht verheimlicht, aber sie sieht eine andere Generation als Familie vor sich. Deshalb zieht Heidi sich zurück, auch wenn es ihr weh tut. Sie hat die Liebe auf die Möglichkeit hin abgetastet, diese muss auch im Alltag bestehen und diese Möglichkeit gibt es für sie nicht.

In "Meine Mutter und plötzlich auch mein Vater" wird Heidi mit ihrem Ex und Tonis Vater konfrontiert, der von Uwe Ochsenknecht gespielt wird. Wie war der gemeinsame Dreh?

Ich habe schon einmal mit Uwe gedreht und wusste, dass es lustig wird und es wurde wirklich lustig. Er ist wunderbar, ein wirklicher Profi und ein toller Schauspieler. Und er spielt tatsächlich auch mit einem. Manchmal gibt es Begegnungen mit Kollegen, bei denen man das Gefühl hat, man spielt gegen eine Wand. Aber Schauspielerei ist Teamwork oder Mannschaftssport. Man kann allein spielen, aber das macht eigentlich keinen Spaß. Mit Uwe konnte ich Sachen erfinden und schauen, was sich daraus dann entwickelt. Das war ein großes Vergnügen.

Was konnten Sie Eigenes einbringen?

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. In der Szene, in der ich mit Uwe Ochsenknecht tanze, hatte ich zum Beispiel zuerst ganz schöne Schuhe an. Das ist so ein Moment, wo sie sich nach den 30 furchtbaren Jahren noch einmal kurz hingibt und sich fallen lässt. Da habe ich gesagt, Heidi sollte ihre schrecklichen blauen Clogs tragen. Denn das ist Heidi. Die hat sich nicht extra schick gemacht für diesen Tanz. Und weil der Kameramann und der Regisseur toll und flexibel sind, haben sie es auch so umgesetzt. Meist ist beim Drehen alles detailliert vorbereitet und man hat nur einen winzigen Spielraum, in dem man improvisieren kann. Gute Regisseure schauen sich die Vorschläge an. Manchmal ist man aber auch dankbar, wenn der Regisseur all die guten Ideen hat, besonders wenn einem selbst gar nichts einfällt. Also im besten Fall ist das wirklich ein Geben und Nehmen.

Heidi steht ja auch mal in der Kupferkanne hinter dem Herd. Welches Gericht würde sie wohl ihrem jungen Freund Ron kochen und welches würde sie ihrem Ex Kurt auftischen?

Für den jungen Mann würde Heidi wahrscheinlich ein Estragonhähnchen backen. Oder etwas Mediterranes. Wenn er lieb ist, dann gibt es auch einen Tafelspitz mit Salsa Verde. Auf jeden Fall keine Kohlrouladen. Der Ex, Kurt, ist hungrig. Er würde etwas weitaus Bodenständigeres bekommen, so was wie Kartoffelpuffer mit Apfelkompott.

Auch Sie kochen sehr gerne.

Ja, vor allem koche ich zur Zeit sehr viel. Mittlerweile könnte ich selbst ein Restaurant aufmachen (lacht), wobei wir natürlich auch unsere Lieblingsrestaurants unterstützen. Wir wollen ja, dass es sie nach Corona auch noch gibt.