Zack Snyder: "Zombiefilme sind berühmt für Sozialkritik"

Szene aus "Army of the Dead".
Szene aus "Army of the Dead".
Foto: CLAY ENOS/NETFLIX
Exklusiv: Zack Snyder über sein 90-Millionen-Dollar-Zombie-Spektakel "Army of the Dead" (ab 21. Mai im Angebot von Netflix).

Zack Snyder im Interview

GOLDENE KAMERA: Zack, das mehrminütige blutige, brutale Intro zu “Army of the Dead” ist ein einziges Abschlachten - und faszinierend sowie verstörend. Warum dieser extreme Anfang?

Zack Snyder: Ich bin ein großer Fan davon, auf Anhieb die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erregen. Viele meiner Filme haben spektakuläre Anfangssequenzen, die extra designt wurden, um die Zuschauer in den Film eintauchen zu lassen.

Trailer: "Army of the Dead"

“Army of the Dead” scheint von “Oceans Eleven” inspiriert zu sein. Richtig beobachtet?

Ja, das ist lustig! Ähnlichkeiten zwischen OE und AOTD sind natürlich deutlich vorhanden. Beide Filme stehen in der Tradition jener Filme, in denen es darum geht, einen spektakulären Diebstahl zu begehen – und bei beiden spielt die Story in Vegas!

Welche Szenen waren am schwierigsten zu drehen?

Die Casinoszene war extrem kompliziert – erstens wegen der aufwändigen Masken und zweitens wegen einer ausgefeilten Choreographie. Aber auch alle Szenen, in denen die visuellen Effekte im Vordergrund standen, waren für uns herausfordernd – beispielsweise die die Tigerattacke. Denn wir reden hier über ein Raubtier, das es am Set gar nicht gab: Der Tiger existierte nur am Rechner.

Warum spielt der Film in Las Vegas? Beabsichtigen Sie Kapitalismuskritik oder ist es ein Schwanengesang auf die verlorene, menschliche Moral?

Ja, man kann die Kombi von Las Vegas und dem Zombie-Genre als klassischen, gesellschaftskritischen Kommentar interpretieren. Natürlich ist Vegas das perfekte Symbol für Turbo-Kapitalismus, ausufernden Kommerz, Hedonismus und verlorene Werte, und die Zombies eine Anspielung auf die Apokalypse.

Was waren die größten technischen Herausforderungen für die Special Effects?

Die größte Herausforderung war eindeutig, Las Vegas einen postapokalyptischen Look zu geben, in der die Wahrzeichen der Stadt – z.B. der Eiffelturm, die Freiheitsstatue und die berühmten Springbrunnen - mehr oder weniger zerstört sind. Und die Zombiemeute nebst dem Tiger und dem Casinohotel zu kreieren war ebenfalls ein gigantischer Job.

Ist “Army of the Dead” pures Entertainment oder gibt der Film einen Denkanstoß?

Zombiefilme sind berühmt für Sozialkritik. Mein Ziel war es, auf mehr als das hinzuweisen, was man auf den ersten Blick sieht – beispielsweise auf Gier und Abgrenzung sowie den Umgang mit Flüchtlingen, das Errichten von Mauern und dem Ausbruch einer Pandemie. Aber natürlich liegt es an den Zuschauern, ob sie diese Anspielungen auch wahrnehmen wollen oder sich lieber voll und ganz von der vordergründigen Ebene - dem Actionfilm - unterhalten lassen möchten.

Matthias Schweighöfer dreht ein Prequel zu „Army of the Dead“. Wie ist der Titel und worum geht’s inhaltlich?

Ja, sie heißt “Army of Thieves“. Matthias produziert den Film. Inhaltlich geht’s um Dieters Hintergrundgeschichte, seine erwachende Liebe für das Knacken von Safes und den „Ring der Nibelungen“. Außerdem erfahren wir, weshalb Wagners „Götterdämmerung“ für Dieter wie ein „Heiliger Gral“ ist – und es gibt natürlich einen Raubzug. Aber man kann „Army of Thieves“ durchaus auch als romantische Komödie bezeichnen.


Donna Brazile und Sean Spicer haben einen Cameo-Auftritt in “Army of the Dead”. Warum?
Weil es mir wichtig war, einen zeitgenössischen, gesellschaftskritischen Kommentar abzugeben – und weil die beiden politische Experten sind, die zeitgenössische Affären und die aktuelle Politik realistisch kommentieren. Sie haben einen fantastischen Job gemacht.

Interview: Mike Powelz