Neue Mission für "Das Boot"

Ein extremer Dreh, jede Menge Action und eine blutjunge Crew in Gefahr: Die spektakuläre Sky-Serie "Das Boot" knüpft an Wolgang Petersens großen Kinoklassiker an.

Der tödliche Angriff kommt aus heiterem Himmel: Gerade noch hat der deutsche Kommandant mit einem Blinzeln die aufgehende Sonne begrüßt und sich an den Delfinen erfreut, die sein Schiff an diesem frühen Morgen flankieren, als eine Wasserbombe explodiert.

An Bord bricht Panik aus, weitere Bomben folgen. Das Boot beginnt zu sinken, und das Meer verschlingt die komplette Crew – unheilvoll verfremdet begleitet Klaus Doldingers weltberühmte Titelmelodie aus dem Kino lm "Das Boot" (1981) diese spektakuläre Anfangssequenz der neuen gleichnamigen Serie (ab 23. November, 20.15 Uhr, Sky 1).

Teaser-Trailer zum Serien-Sequel "Das Boot"

Darum geht's in der Serie "Das Boot"

In dem hoch spannenden Antikriegsdrama steht erneut eine deutsche U-Boot-Mannschaft im Zentrum – und zahlreiche Stars wie Rick Okon, Robert Stadlober und Franz Dinda sind mit an Bord. Doch anders als in Wolfgang Petersens Kinohit wird diesmal nicht nur unter Wasser gekämpft, sondern auch an Land!

Die von Tony Saint (" The Interceptor") und Johannes W. Betz ("Der Tunnel") erdachte Handlung der 26,5 Millionen Euro teuren Sky-Produktion beginnt im Herbst 1942 auf dem Höhepunkt der Atlantikschlacht, als der U-Boot-Krieg immer gefährlicher wird. Während an Bord der "U-612" eine blutjunge Besatzung zum Einsatz gegen den Feind aufbricht, wird in der französischen Hafenstadt La Rochelle, einem Stützpunkt der deutschen U-Boot-Flotte, die Widerstandsbewegung, der Résistance, immer stärker.

"Auf hoher See muss meine Figur, der Kapitänleutnant Klaus Hoffmann, zum ersten Mal als Kommandant eine Feindfahrt mit einem U-Boot bestreiten", erklärt Rick Okon GOLDENE KAMERA. "Leider jedoch ist Hoffmann in dieser Rolle ziemlich unerfahren, und so dauert es nicht lange, bis er es mit dem wesentlich älteren, erfahreneren Ersten Wachoffizier Karl Tennstedt zu tun bekommt." Der von August Wittgenstein gespielte Tennstedt nämlich hält Klaus Hoffmann als Vorgesetzten für die falsche Wahl: "Er wäre selbst gern Kommandant geworden." Mehr über seine Rolle, verrät Rick Okon im Video-Interview:

Rick Okon im Video-Talk über "Das Boot"

Doch auch an Land sind Konflikte vorprogrammiert: Zeitgleich mit dem Ablegen der "U-612" kommt die junge Elsässerin Simone Strasser (Vicky Krieps) in La Rochelle an, um als Übersetzerin für die deutsche Marine zu arbeiten. Strasser, deren Bruder Frank (Leonard Scheicher, "Finsterworld") als Oberfunkmaat auf der "U-612" stationiert ist, lernt in der Hafenstadt bald die überzeugte amerikanische Widerstandskämpferin Carla Monroe (Lizzie Caplan) kennen – der Beginn einer gefährlichen Freundschaft. Denn Hagen Forster (Tom Wlaschiha), der ebenso intelligente wie gnadenlose Gestapo-Chef von La Rochelle, hat sich in Simone verguckt und macht ihr beinahe täglich Avancen. Mehr über seine Rolle, verrät Tom Wlaschiha im Video-Interview:

Tom Wlaschiha über "Das Boot" im Video-Talk

Hintergrund

Bei aller Lust am Auserzählen ihrer verschiedenen Handlungsstränge verlieren die Autoren die Realität und den historischen Kontext nicht aus den Augen. Fregattenkapitän a. D. Jürgen Weber war als Berater am Set. Der 65-Jährige zu GOLDENE KAMERA: "Die Macher haben sehr viel Wert auf die Originaltreue gelegt! Und die Serie zeigt wunderbar, dass man einen Krieg nicht als Abenteuer begreifen darf. Denn die meisten Heranwachsenden wussten damals überhaupt nicht, was sie auf einem U-Boot erwartete! Und wenn sie die Härte des Krieges begriffen, war es meistens schon zu spät!"

Lothar-Günther Buchheim, auf dessen 1973 erschienen Bestseller "Das Boot" Wolfgang Petersens Kinofilm basiert, hatte als Kriegsberichterstatter selbst Feindfahrten an Bord von U-Booten im Zweiten Weltkrieg erlebt. Der 2007 verstorbene Autor, der mit "Das Boot" und vor allem mit dem Nachfolgeroman "Die Festung" auch die Serienmacher inspirierte, erklärte einst: "Die U-Boote wurden Eiserne Särge genannt. Von 40.000 U-Boot-Männern sind 30.000 im Atlantik geblieben. Viele von ihnen waren noch nicht einmal Männer, in Wirklichkeit waren es halbe Kinder: Der gesamte U-Boot-Orlog (Krieg, die Red.) war ein riesiger Kinderkreuzzug. Wir hatten 16-Jährige an Bord, gegen Kriegsende gab es 20-jährige Kommandanten und 19-jährige Leitende Ingenieure, im Schnellbrütverfahren frontreif gemacht."

Franz Dinda als Robert Ehrenberg

Den inneren Konflikt eines solchen Ingenieurs verkörpert der Schauspieler Franz Dinda. Robert Ehrenberg, sein Alter Ego in der Serie, ist Jahrgang 1908 und hat, als er an Bord der "U-612" geht, bei den Luftangriffen auf Kiel bereits das Grauen des Krieges aus nächster Nähe erlebt. Auf der "U-612", so der 35-jährige Dinda zu GOLDENE KAMERA, diene Ehrenberg der Mannschaft als eine Art "moralisches Pendel. Die Rolle ist ein Privileg. Aber bevor ich sie bekommen habe – ich bin beim Casting in mehrere andere geschlüpft – hätte ich auch den Schrauber hinten links in der Ecke gespielt. Ich wollte einfach nur dabei sein! Denn es ging schließlich um 'Das Boot' – und somit um die Fortsetzung eines der größten deutschen Filme!"

Franz Dinda bleibt der Dreh als extrem actionreich und anstrengend in Erinnerung: "Am Ende mancher Drehtage war ich schon ziemlich k. o. und wollte einfach nur schlafen, aber schon am nächsten Morgen konnte ich es kaum erwarten, wieder an das Set zu kommen." Mal, so der Schauspieler, habe er tagelang im künstlichen Nebel gestanden, ein anderes Mal sei er durchgeschüttelt worden: "Die Stimmung war trotzdem unglaublich gut. Eigentlich hatte ich mit Konflikten hinter der Kamera gerechnet, da hier schließlich ein Haufen junger Alphatierchen mit jeder Menge Testosteron aufeinandertrafen – und obendrein eingepfercht wurden. Aber dann lief alles glatt – und das an allen vier Drehorten!"

Bildergalerie: Am Set von "Das Boot"

Lizzie Caplan als Spezialagentin Carla Monroe

In La Rochelle trifft Simone Strasser auf die Amerikanerin Carla Monroe, gespielt von "Masters of Sex"-Star Lizzie Caplan. Die Kalifornierin verrät GOLDENE KAMERA: "Meine Rolle hat einen historischen Hintergrund. Sie ist an Nancy Wake angelehnt. Die war eine der bekanntesten Heldinnen des Zweiten Weltkriegs, weil sie für die Alliierten in der Résistance kämpfte."

Die tollkühne Spezialagentin, so Lizzie Caplan, sei nicht nur aus Flugzeugen gesprungen, sondern habe obendrein Briefe geschmuggelt, Widerstandskämpfer rekrutiert und Angriffe ausgeführt. Wake war gleichermaßen für ihren Mut und ihre Trinkfestigkeit bekannt: "Ihr Spitzname lautete 'White Mouse', weil sie den Nazis stets entkam!"

Zeitloser Serienstoff

Aber liefert der historische Stoff auch Denkanstöße für ein heutiges, junges Publikum? "Ja", meint Regisseur Andreas Prochaska: "Ich hoffe, dass sich die Zuschauer Fragen stellen: Wäre man der Propaganda auf den Leim gegangen? Hätte man den Mut gehabt, sich gegen das mörderische System zu stellen? Die Fragen sind zeitlos. Man kann nur hoffen, dass wir irgendwann aus unserer Geschichte lernen. Im Moment sieht es leider nicht danach aus."

Oliver Vogel, Chief Creative Officer der Produktionsfirma Bavaria Fiction, ergänzt: "Unsere Serie illustriert, wie junge Leute durch Propaganda geblendet werden und sich ihr nicht entziehen können. Insofern ist das neue 'Boot‘ auch ein unverzichtbares Lehrstück für jüngere Deutsche, weil es illustriert, wie dankbar wir alle sein können, dass wir in Friedenszeiten leben!"

Bleibt noch eine Frage: "Das Boot" wurde bereits vor der Premiere in über 100 Territorien verkauft – wird es eine Fortsetzung geben? Regisseur Andreas Prochaska: "Ich spoilere nur so viel: Am Schluss gibt es keinen Fliegerangriff – insofern bleiben theoretisch genug Überlebende für eine potenzielle zweite Staffel."

Bildergalerie: Wer spielt wen in "Das Boot"