Tom Wlaschiha: "Die Serie erzählt von der Bewältigung extremer Kriegssituationen"

Tom Wlaschiha spielt in der neuen Sky-Serie "Das Boot" (ab 23. November, 20.15 Uhr, Sky 1) den Gestapo-Chef Hagen Forster. Wir trafen den 45-jährigen Schauspieler zum Interview.

Interview mit Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha über "Das Boot" im Video-Talk

Wer ist dieser Hagen Forster, den Sie in "Das Boot" spielen?

Hagen Forster ist Chef der Gestapo und Kriminalkommissar in La Rochelle, wo die Geschichte zum großen Teil spielt. Forster ist ein sehr vielschichtiger Charakter …

Wie nähern Sie sich einer solchen Rolle an – und wie weit vertrauen Sie auf das Talent der Drehbuchautoren?

Wenn ich an eine Rolle rangehe, schaue ich genau, was sie hergibt, und stelle mir einige Fragen: Was ist das für ein Mensch? Wie reagiert der in bestimmten Situationen? Gegen welche Widerstände muss er angehen? Je besser ein Drehbuch geschrieben ist, desto glaubwürdiger und einfacher ist es auch für Schauspieler, die Rolle zu spielen.

Wurden Sie für die Rolle gecastet?

Ich wurde gefragt, ob ich darauf Lust hätte – da musste ich nicht lange überlegen. Anschließend gab es einige Konstellationscastings, bei mir etwa mit Vicky Krieps. Dann kam der Anruf, dass ich dabei bin.

Bildergalerie: Wer spielt wen in "Das Boot"

Welches Verhältnis haben Sie zu Wolfgang Petersens "Boot"? Es heißt, Sie hätten das Modell im Alter von 17 Jahren gesehen und seien damals schwer beeindruckt gewesen.

Ja, ich habe das Modell damals bei der Bavaria gesehen und mir anschließend den tollen Film angeguckt. Und als ich wusste, dass ich jetzt an Bord gehe, habe ich mir auch noch mal die grandiose, dreieinhalbstündige Kinoversion angesehen.

Ihre Geschichte knüpft dort an, wo Wolfgang Petersens Film einst endete.

Genau, aber wir haben das alles in ein größeres Panorama eingebettet. Es würde keinen Sinn machen, den Kinofilm nochmals zu erzählen. Zuallererst müssen dem Zuschauer die Zusammenhänge klar werden, und dass 1942 der Höhepunkt des U-Boot-Krieges war. In unserer Serie gibt es eine zentrale Bootsmission, und zusätzlich einen Erzählstrang an Land in La Rochelle, wo sich die U-Boot-Basis befindet. Hagen Forster soll dafür sorgen, dass die deutschen Besatzer ihre Arbeit machen können und nicht von der Résistance gestört werden.

Wie war der Dreh in La Rochelle?

Die Location war großartig und La Rochelle ist architektonisch total interessant. In der Stadt ist alles aus relativ hellen Steinen gebaut. Wenn man dort durch die Straßen läuft, muss man quasi nur noch ein paar Straßenschilder entfernen – und schon hat man ein historisches Set. Und weil La Rochelle obendrein kaum modern ist, eignet es sich als Filmkulisse ziemlich gut.

Bei den Dreharbeiten zum Kinofilm vor 28 Jahren hat sich Jan Fedder wegen seines Körpereinsatzes eine Rippe gebrochen, und Otto Sander stand sogar betrunken vor der Kamera. Unter uns: War Ihr Dreh auch so heftig?

Nein! Der Dreh war sehr friedlich. Ich habe mir keine Rippe gebrochen, und die anderen Kollegen sind auch alle noch intakt.

Bildergalerie: Am Set von "Das Boot"

Ist "Das Boot" eine Antikriegsserie?

Ja. Wir erzählen die Schicksale verschiedener Menschen, wie sie es schaffen, mit der extremen Situation des Krieges klarzukommen. Aber "Das Boot" ist noch viel mehr, weil man sich als Zuschauer mit verschiedenen Figuren identifizieren kann und sich selbst fragt, wie man mit so einem Dilemma umgegangen wäre. Aus heutiger Sicht ist es sehr leicht, moralisierend auf die historischen Ereignisse zurückzuschauen. Aber für die damaligen Zeitgenossen war das nicht so eindeutig.

Die Chancen, dass "Das Boot" ein internationaler Erfolg wird, stehen gut. Sie spielten bereits in einem weltweiten Serienhit mit: "Games of Thrones". Sind Sie auch in der letzten Staffel dabei?

Das ist und bleibt bis zur Ausstrahlung im kommenden Jahr ein Geheimnis.