Rick Okon: "Die Besatzung des Boots ist eine höchst explosive Mischung!"

Rick Okon übernimmt in der neuen Sky-Serie "Das Boot" (ab 23. November, 20.15 Uhr, Sky 1) als Kapitänleutnant Klaus Hoffmann das Kommando. Wir trafen den 29-jährigen Schauspieler zum Interview.

Interview mit Rick Okon

Rick Okon im Video-Talk über "Das Boot"

Sie treten als Kaleu in Jürgen Prochnows Fußstapfen: Haben Sie sich Wolfgang Petersens Film "Das Boot" zur Vorbereitung noch mal angeschaut?

Selbstverständlich kenne ich das Original und habe es mir zur Vorbereitung noch mal komplett angesehen, ebenso die längere Serienfassung. Genau genommen trete ich aber nicht in Prochnows Fußstapfen, sondern wir spielen nur in der gleichen Funktion. Ich habe Jürgen Prochnow auch kurz kennengelernt, und wir hatten einen sympathischen Smalltalk.

Wurden Sie für die Rolle gecastet?

Ja. Zuerst gab's ein Casting, anschließend ein Marine-Bootcamp. Dort haben wir viel Sport gemacht, und gelernt, wie man richtig salutiert und in welcher Reihe man zu stehen hat. Außerdem gab's jede Menge Theorieunterricht, etwa, wie ein U-Boot überhaupt aufgebaut ist.

Bildergalerie: Wer spielt wen in "Das Boot"

Haben Sie sich mit der Geschichte des U-Boot-Kriegs befasst?

Ja. Ich war in Museen, habe mir Bildbände und Informationen über U-Boote besorgt, um einen Eindruck zu bekommen, wie das damals aussah und wie die Männer rüberkamen. Ich erinnere mich noch gut an ein Bild einer Mannschaft, auf dem alle zusammen lachen. Einen kurzen Moment lang strahlen sie eine Freude aus, obwohl sie wissen, dass sie sich im Krieg befinden und ihr Leben verlieren können. Diese Momentaufnahme beweist: Im Extremfall kann man lachen, obwohl man sein Leben riskiert. Genau diese Ambivalenz findet sich in unserer Serie in allen Figuren wieder.

Und wie waren die Dreharbeiten?

Anstrengend, sowohl physisch, als auch psychisch. Aber auch im besten Sinne außergewöhnlich und besonders. Als wir das Auslaufen des U-Bootes mit der gesamten Besatzung gedreht haben, fühlte es sich nicht mehr wie 2018, sondern zeitlos an. Da standen wir alle in Maske und Kostüm auf dem Boot im Hafen von La Rochelle – und plötzlich wirkte es unfassbar echt. Faszinierend und erschreckend zugleich.

Wie schwierig war es für Sie, in einem engen, niedrigen U-Boot zu drehen?

Teilweise hart. Ich bin "nur" 1,82 Meter, aber der größte Kollege ist, glaube ich, 1,87 Meter lang. Für den war es schon ziemlich schwierig, wenn er in dem U-Boot stand. Filmisch macht das aber Sinn, denn es sagt viel über die Situation aus, wenn man als Zuschauer einen großen Mann in enger Umgebung sieht. Dadurch wird die Klaustrophobie plastischer und spürbarer.

Welche Denkanstöße gibt die Geschichte der U-Boot-Besatzung?

Es geht darum, dass unsere Figuren allesamt junge Männer sind, die in den Krieg geschickt werden, und dass sich wegen ihrer Unterschiedlichkeit und den verschiedenen Motivationen an Bord die Spannung auflädt. So kommt es zu Missverständnissen und Diskrepanzen in einem klaustrophobischen Raum, dem niemand entziehen kann. Eigentlich müsste man sich in einem solchen Fall besonders zusammenreißen und respektieren, gemeinsam für das Gleiche einstehen. Aber weil das bei jungen Männern selbstverständlich nicht der Fall ist, wird die Situation sehr gefährlich.

Würden Sie "Das Boot" als eine Antikriegsserie bezeichnen?

Ja. Während einer Feindfahrt hinterfragen unsere Protagonisten, ob der U-Boot-Krieg sinnlos ist – und mit welcher Motivation man überhaupt in einen U-Boot-Krieg zieht. Einerseits gibt es Figuren, die fanatisch sind, gern in den Krieg ziehen. Doch andererseits gibt's auch viele, die nur ihre Pflicht erfüllen und gesund zu ihren Familien zurückkehren wollen.