Andreas Prochaska: "Der Dreh war das Härteste, was ich je gemacht habe!"

Regisseur Andreas Prochaska drehte mit Sky, Bavaria und Sonar die Fortsetzung von "Das Boot" aus dem Jahr 1981. Vor welchen Schwierigkeiten er und seine Crew beim Dreh standen, verrät der 53-Jährige im Interview.

Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska hat für das Kino "Das finstere Tal" inszeniert, für das Fernsehen "Spuren des Bösen" - und mit "Das Boot" (ab 23. November, 20.15 Uhr, Sky 1) die Serien-Variante des legendären Kino-Klassikers. In dem hoch spannenden Antikriegsdrama steht - wie schon bei Wolfgang Petersens "Das Boot" - eine deutsche U-Boot-Mannschaft im Zentrum. Diesmal sind zahlreiche Stars wie Rick Okon, Robert Stadlober und Franz Dinda mit an Bord. Doch anders als in Wolfgang Petersens Kinohit wird hier nicht nur unter Wasser gekämpft, sondern auch an Land! Wie hart die 105 Drehtage waren und vor welchen Herausforderungen er und seine Crew standen, verrät er im Interview.

Interview mit Andreas Prochaska

Die an Wolfgang Petersens Kinohit "Das Boot" angelehnte Serie wird weltweit mit Spannung erwartet. Wie haben Sie diesen Druck verkraftet, Herr Prochaska?

Ich setze mich bei jedem Projekt unter Druck, aber hier war er in jeder Hinsicht größer. Und das nicht nur, weil es Wolfgang Petersens Original gibt, sondern weil ich Ende 2016 an Bord gekommen bin und wir schon im August 2017 mit dem Dreh begonnen habe. Das war sehr sportlich für acht Folgen Buchentwicklung inklusive Filmvorbereitung.

Und wie hart war der Dreh?

Er war mit Abstand das Anstrengendste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Wir hatten schließlich 105 Drehtage mit 120 Sprechrollen in Deutsch, Französisch und Englisch und vier Sprachen hinter der Kamera. Auch technisch war die Produktion sehr anspruchsvoll.

Welche Szenen waren technisch am schwierigsten zu drehen?

Die Szenen im Bunker in La Rochelle und jene in der Zentrale des U-Boots, ein enger Raum, in den man nicht nur 15 Schauspieler, sondern obendrein auch noch eine Kamera und einen Tonassistenten hineinzwängen musste.

Wie oft mussten Sie Kompromisse mit der historischen Genauigkeit machen?

Der Kompromiss begleitet einen ständig – und man versucht so genau wie möglich zu arbeiten, aber es ist ja keine Dokumentation. Manchmal macht man auch aus ästhetischen Gründen "Fehler". Es gibt beispielsweise eine Szene in einem Kriegsgericht, bei dem laut dem militärischen Protokoll eigentlich jeder eine Mütze aufhaben müsste. Doch das wirkte auf mich ziemlich albern – und ich habe es weggelassen.

Haben Sie sich mit den Machern von Petersens "Boot" ausgetauscht?

Ja, mit Götz Weidner. Er war damals Artdirector und hat mich anfangs beraten. Außerdem habe ich eine Stunde mit Petersen telefoniert. Dabei ging es mir vorrangig darum, meinen Respekt zu zeigen.

Haben Ihnen Weidner und Petersen Geheimtipps für den Dreh gegeben?

Sie haben mir dazu geraten, das Boot 1:1 nachzubauen, statt es größer herzustellen. Dadurch wird die Kamera zu einem Teil der Mannschaft und unterstützt die klaustrophobische Atmosphäre.

Wo haben Sie eigentlich die 67 Meter lange U-Boot-Attrappe aufgetrieben?

Auf Malta! Sie war vor 18 Jahren im Einsatz in dem amerikanischen Kriegsfilm "U-571" mit Matthew McConaughey. Eigentlich war es von Anfang an ein perfektes Boot für die Außenaufnahmen als "U-612". Aber weil es schon ziemlich verrottet war, mussten wir die Rostlaube erst einmal total renovieren. Und das hat Monate gedauert!

Ihre Sicht auf die junge Besatzung?

Die Möglichkeiten, sich zu informieren, waren damals höchst beschränkt. Wenn ich mir heute vorstelle, dass U-Boot-Fahrer in der "Wochenschau" ständig als eine Art "Rockstars der Nazis" verklärt wurden, versteht man vielleicht, warum sich so viele junge Männer freiwillig gemeldet haben.

Wie haben die Bürger von La Rochelle auf die ganzen Naziflaggen reagiert?

Verständnisvoll, genau wie auf die Nazi-Uniformen. Wir haben sie rechtzeitig auf den sensiblen Dreh vorbereitet.

Und wie viele Digitaleffekte stecken in Ihrer Serie?

Schon einige, aber ich hoffe, sie funktionieren so gut, dass sie niemandem auffallen.

Das klingt ganz schön geheimnisvoll.

Aus gutem Grund! Visuelle Effekte dienen der Geschichte. Wenn der Zuschauer Computertricks bemerkt, ist sofort der ganze Zauber zum Teufel.

Bildergalerie: Wer spielt wen in "Das Boot"