"Das Boot": Die wahre Geschichte

Die Mannschaft von "U-505" ergibt sich, aufgebracht vom US-Flugzeugträger "Guadalcanal".
Die Mannschaft von "U-505" ergibt sich, aufgebracht vom US-Flugzeugträger "Guadalcanal".
Foto: picture alliance/WZ-Bilddienst
Soldaten? Täter? Oder nur unpolitische Helden? Der Mythos "U-96" lebt bis heute. Nur ein einziger Zeitzeuge kennt noch die Wahrheit. So grausam war der U-Boot Krieg.

"Wir waren nicht in der Marine, um Zeit totzuschlagen. Wir wollten den Feind vernichten", sagt Friedrich Grade. "Je mehr wir dazu beitragen konnten, umso besser." Der 102-Jährige ist der letzte Überlebende der Mannschaft von jenem legendären U-Boot "U-96", das dem mitreisenden Kriegsberichterstatter Lothar-Günther Buchheim als Vorlage für seinen Roman "Das Boot" (1973) diente. Der wiederum bildete die Grundlage für Wolfgang Petersens gleichnamigen Spielfilm (1981).

Blu-ray-Release-Trailer zu "Das Boot" (1981)

Zur achtteiligen Sky-Serie "Das Boot" (ab 23. November, 20.15 Uhr, Sky 1), die von Buchheims Werk inspiriert wurde, zeigt Spiegel TV Geschichte nun die wahre Geschichte des U-Boot-Kriegs "Entscheidung im Atlantik" (26. November, 20.15 Uhr, Spiegel Geschichte). In der dreiteiligen Doku kommt auch Grade zu Wort, er war der Leitende Ingenieur an Bord.

Teaser-Trailer zum Serien-Sequel "Das Boot"

Erfolgreich: die deutsche U-Boot-Flotte

Der Erfolg der deutschen U-Boot-Flotte ist anfangs beeindruckend: Der Zweite Weltkrieg ist erst wenige Wochen alt, da dringt das deutsche U-Boot "U-47" in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1939 unter Kommandant Günther Prien in die britische Flottenbasis Scapa Flow ein, versenkt das Schlachtschiff "Royal Oak" durch Torpedobeschuss und verlässt den Hafen unbehelligt.

833 Besatzungsmitglieder der "Royal Oak" sterben. Prien und seine Crew werden von der NS-Propaganda als Helden gefeiert. "Die wurden durchs Reich gereicht", erinnert sich Zeitzeuge Grade. Prien spricht im Berliner Sportpalast, lässt sich mit Hitler fotografieren, Illustrierte drucken Homestorys mit den Familien deutscher U-Boot-Kommandanten.

Eigentlich hat die deutsche Marine der britischen wenig entgegenzusetzen. Allein die deutschen U-Boote sind enorm erfolgreich. An den besetzten Küsten Norwegens und Frankreichs entstehen gewaltige U-Boot-Bunker. In kurzer Zeit versenkt die Untersee-Flotte Handelsschiffe mit einem Volumen von 4,5 Millionen Bruttoregistertonnen, Großbritannien droht der Nachschub an Rüstungsgütern und Rohstoffen auszugehen.

Die "U-96"

Das U-Boot "U-96" wird im September 1940 in Dienst gestellt, im Dezember kommt Friedrich Grade als Leitender Ingenieur an Bord. Bis Anfang 1943 geht das U-Boot auf elf Feindfahrten, versenkt mindestens 28 Schiffe, bringt dabei rund 1300 Menschen den Tod. "Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, aus großer Entfernung 3 Aale [Torpedos] = 3 Treffer", notiert Grade am 28. April 1941 in seinem persönlichen Bordtagebuch. Dessen Entdeckung wäre wegen Verletzung der Geheimhaltungsvorschriften sein Todesurteil gewesen.

An diesem Tag versenkt "U-96" zwei Tanker und einen Dampfer, 60 Menschen sterben. "Wir wollten alle, dass das Boot Erfolg hat und dass wir möglichst viel versenken. Ohne Rücksicht auf Verluste von uns", erzählt Grade im TV-Interview. Gleichwohl betont er: "Von Heldentum oder irgendwelchen anderen seltsamen Gedanken waren wir nicht beseelt. Keinesfalls." Und: "Militärisch ging es auf U-Booten nicht zu. Hacken zusammenklappen und Hand an die Mütze legen", das sei schon aus Platzgründen völlig unmöglich gewesen. "Da herrschte ein völlig legerer Ton."

Die Tagebücher von Friedrich Grade

An Bord drängen sich 45 Mann auf engstem Raum, die hygienischen Bedingungen sind katastrophal: "Die Luft stinkt nach Diesel und ist abwechselnd heiß, kalt und feucht. Die Kleidung klebt fast immer am Körper", heißt es in den Tagebüchern, von denen Friedrich Grade nicht einmal seiner Frau erzählt und die 75 Jahre auf dem Dachboden verstauben. Weiter: "Eine der beiden Toiletten ist als Lagerraum umfunktioniert. Auch Kojen gibt es nicht genug, man schläft im Wechsel im Schweiß des anderen."

Und dann gibt es wieder sentimentale Einträge, wie diesen vom 17. August 1941: "Der Schmut hat für jeden einen Kuchen mit Buttercreme gebacken. Herrlich! Anschließend spielen wir Rommee zu viert. Man weiß gar nicht mehr, dass Krieg ist. Radioempfang heute hervorragend. Amerika blendend zu hören. Prima Tanzmusik."

In Wolfgang Petersens Verfilmung stellte Klaus Wennemann den namenlosen Leitenden Ingenieur dar, kurz "LI". Es war Wennemanns Durchbruch als Schauspieler. "Gut getroffen" fand sich Grade damals. Ihn störte nur der deftig-ordinäre Ton, den Autor Buchheim die Protagonisten anschlagen ließ. "Ein unheimlicher Arbeiter, ein Streber" sei er an Bord gewesen, urteilt Grade über Lothar-Günther Buchheim, der 2007 verstarb.

Die Wende im U-Boot-Krieg

Im geheimen "Unternehmen Paukenschlag" dringen Anfang 1942 deutsche U-Boote unentdeckt in die Gewässer der USA ein, wo sie etliche Handelsschiffe und Zerstörer versenken. Wiederum ein gewaltiger Erfolg für die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten. Doch noch im selben Jahr ist es vorbei: Dem britischen Geheimdienst gelingt es, den Code der Verschlüsselungsmaschine Enigma zu knacken. Nun lesen die Alliierten ohne Wissen der Deutschen deren Funkbefehle mit. Mittels hochauflösender Radar- und verfeinerter Sonargeräte spüren sie fortan fast jedes deutsche U-Boot auf. Bei Kriegsende sind 784 von 863 deutschen U-Booten zerstört, rund 30.000 Mann Besatzung tot.

Bildergalerie: So war der Dreh von "Das Boot"