"Zwillinge kann man einfach nicht trennen": Die Lochis über ihren Abschied von YouTube

Die Lochis denken nicht in Genres, sondern machen einfach Musik.
Die Lochis denken nicht in Genres, sondern machen einfach Musik.
Foto: dpa
Bei der Premiere des GOLDENE KAMERA Digital Awards wurden "Die Lochis" 2017 in der Kategorie "Best Music Act" ausgezeichnet. Nur zwei Jahre später kündigten die Brüder Heiko und Roman Lochmann in einem letzten Video das Ende ihres musikalischen YouTube-Duos an.

Unsere jungen Kollegen von funky.de haben die beiden noch ein letztes Mal als Lochis getroffen und mit ihnen über Zukunftspläne, Bodyshaming und Klimawandel gesprochen.

Wie ist bisher das Feedback aus eurer Community zum Ende der Lochis?

Heiko: Überraschenderweise war das Feedback überwiegend positiv. Natürlich sind auch viele Fans sehr traurig, das kann ich auch verstehen. Aber die meisten können diese Entscheidung nachvollziehen. Ich glaube, viele unserer Fans haben eine ähnliche Situation schon einmal durchlebt. Wenn man zum Beispiel gerade mit der Schule fertig ist, dann muss man ins kalte Wasser springen.

Roman: Man muss loslassen, um weiterzugehen. Das war für uns sehr schön, dass die meisten das verstanden haben.

Denkt ihr, ihr könnt eure Fans mitnehmen, oder werdet ihr zukünftig eine andere Zielgruppe ansprechen?

Roman: Am Ende machen wir diese Veränderung ja auch ein bisschen für unsere Fans, die ja selber auch älter werden und einen Teil ihrer Jugend hinter sich lassen. Ganz viele da draußen haben uns geschrieben, dass wir ihre Kindheit und Jugend geprägt hätten. Jetzt geht es darum, dass wir diesen Schritt in Richtung Erwachsenwerden zusammen gehen. Wir haben auf unseren Konzerten außerdem gemerkt, dass viele nicht nur Fans von den Lochis sind, sondern von uns, Heiko und Roman.

Heiko: Es werden sicherlich auch Fans gehen und auf jeden Fall neue dazukommen. Aber für uns war von Anfang an wichtig, dass wir auf unser Herz hören, und da gehört diese Veränderung einfach dazu.

Das Ende der Lochis

Plant ihr denn jetzt auch Solo-Karrieren?

Roman: Es ist ja keine Trennung – so wie manche das aufgefasst haben. Wir trennen uns einfach von dem Namen „Lochis“ und hören mit YouTube auf. Nach unserer Abschlusstour kommt noch ein Buch und dann ist hoffentlich mal ein bisschen Zeit, um kreativ zu sein, sich zu besinnen. Wie es dann weitergeht, wissen wir nicht. Einzelprojekte sind natürlich spannend, aber es macht auch Bock, sich auf der Bühne die Bälle zuzuwerfen.

Heiko: (unterbricht Roman) Zwillinge kann man einfach nicht trennen!

Werdet ihr auch stilistisch neue Wege gehen?

Roman: Es wird kein Schlager und auch kein Gangster-Rap, aber alles andere wissen wir einfach noch nicht. Wir brauchen diesen Cut auch für uns selbst, um herauszufinden, was wir wollen – sowohl persönlich als auch künstlerisch. Letztendlich denken wir auch gar nicht so in Genres, sondern machen einfach Musik. Und die klingt dann so, wie sie klingt.

Jetzt mal zu euch persönlich: Habt ihr Erfahrungen mit Bodyshaming gemacht? Denkt ihr, das Thema ist noch aktuell?

Roman: Ja, wir kriegen öfter Nachrichten von Fans, weil die auch Probleme damit haben oder sich nicht so wohlfühlen in ihrem Körper. Wir kennen das ja auch von früher. Besonders Akne war ein Problem für uns, wenn man das dazuzählen kann – vor allem bei meinem Bruder.

Heiko: (an Roman gewandt) Lass mich doch mal erzählen! Ich habe zu dem Thema ein, zwei Videos gemacht, in denen ich meine Erfahrungen mit den Leuten geteilt und meine Tipps weitergegeben habe. Ich kriege da nur positives Feedback und das berührt mich sehr, wenn ich so etwas sehe oder Fans mich bei Konzerten ansprechen und sagen: „Hey, durch dich und deine Videos habe ich so viel Kraft gewonnen und mir geht es jetzt wirklich gut!“ Ich will Mut machen!

Was tragt ihr zum Stopp des Klimawandels bei?

Heiko: Keine Plastiktrinkhalme mehr benutzen in erster Linie.

Roman: Ich weiß, dass es noch viele Sachen gibt, die ich besser machen kann, und ich versuche es jetzt einfach Stück für Stück – zum Beispiel auf Plastikflaschen oder Plastiktrinkhalme zu verzichten. Manchmal geht es natürlich nicht anders, aber man muss ja nicht immer fliegen, sondern kann ja auch mal mit der Bahn fahren, da ist der CO2-Ausstoß ja viel geringer. Wir haben ja eine große Reichweite und haben in Zukunft auch vor, diese mehr zu nutzen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Es ist einfach so wichtig! Ihr habt es ja allein bei den Wahlen mitbekommen, das Thema ist aktueller denn je!

Was mich auch so geärgert hat: Ihr kennt ja diese Bottle Cap Challenge, oder? (Es handelt sich um einen Trend, der Mitte 2019 entstand. Vor allem Prominente versuchten, auf kreative Art und Weise – zum Beispiel mit den Füßen – den Verschluss einer Trinkflasche zu entfernen. Anm. d. Red.)

Heiko: Und Roman hat die Challenge mit einer Plastikflasche gemacht.

Roman: Ja, das hat mich so genervt! Ich habe das nicht gepeilt, dass es dabei ja genau darum ging, auf die Überproduktion von Plastik aufmerksam zu machen. Hätte ich das gewusst, hätte ich es mit einer Glasflasche gemacht.

Bei welcher Abo-Zahl wart ihr am überraschtesten?

Heiko: Das Ding ist, das ist ja nie von einem Moment auf den anderen passiert, sondern es war ein langer Prozess. Das ging immer Stück für Stück. Die erste Million war schon krass, als dann da sechs Nullen standen …

Roman: Das Krasseste war eigentlich der Anfang, als wir die ersten hundert Abonnenten hatten. (mimt sein jüngeres Ich) „Alter! Hundert Abonnenten! Digga, wir sind berühmt!“

Ist eure neue Single „Nicht von dieser Welt“ an jemand Bestimmtes gerichtet?

Roman: Der Song handelt ja von einem außergewöhnlichen Mädchen und ich glaube, wir beide haben da schon ein bestimmtes Mädchen vor Augen gehabt. Das macht es viel einfacher, einen Song zu schreiben.

Etwa dasselbe Mädchen?

Heiko: Hoffentlich nicht, oder? (lacht)

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Roman: Ich hoffe auch, nicht! Wir haben den Song schon zusammen geschrieben. Aber diesmal macht Heiko zum Beispiel den Refrain, ich mache die Strophen. Da beschreibe ich ein bisschen mehr das Mädchen und er haut dann noch so raus: „Ey, du bist nicht von dieser Welt!“ Aber beim Schreiben hatten wir beide schon ein Mädchen vor Augen. Aber jeder für sich, ganz unverbindlich.

Wofür kritisiert ihr euch selbst am meisten?

Heiko: Ich bin manchmal zu impulsiv und bereue es danach.

Roman: Mein Zeitgefühl kannst du wegwerfen. Ich komme eigentlich immer zu spät. Selbst wenn ich mir zwei, drei Stunden vor einem Termin den Wecker stelle, bin ich am Ende in Eile und komme nicht pünktlich. Ich versteh’s nicht.

Das Interview wurde zuerst bei funky.de veröffentlicht, dem Portal der Jugendredaktion der FUNKE Mediengruppe.