Andy Gätjen: "Deswegen sind wir rausgeflogen"

Im exklusiven Interview verrät Andy Gätjen warum die Krimireihe "Der Kommissar und das Meer" vor dem Aus steht und warum er nicht in die Fußstapfen seines Bruders treten will.

Bereits seit 2006 geht Andy Gätjen in der Rolle des Ermittlers Thomas Wittberg in Schweden auf Mörderjagd. Am Samstag, den 30. Mai strahlt das ZDF die neue Folge "Der Kommissar und das Meer: Auf dunkler See" (20.15 Uhr und bereits in der ZDF-Mediathek) aus.

Darum geht's in "Der Kommissar und das Meer: Auf dunkler See"

Robert Anders (Walter Sittler) und Thomas Wittberg (Andy Gätjen) müssen einen Mörder auf hoher See stellen. Und das bevor die Gotland-Fähre anlegt und alle 628 verdächtigen Passagiere an Land gehen. Als plötzlich auch noch der Sohn von Robert Anders auf dem Schiff verschwindet, liegen bei dem Kommissar die Nerven blank. Wurde der Junge auch Opfer eines Verbrechens? Robert Anders kann die Ermittlungen nicht mehr fortführen und übergibt die Leitung seinem Kollegen Thomas Wittberg.

Andy Gätjen in "Der Kommissar und das Meer"

GOLDENE KAMERA sprach mit Schauspieler Andy Gätjen über die Krimireihe und sein zweites Standbein beim Fernsehen.

Der 46-Jährige lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Lisa Karlström und dem gemeinsamen 11-jährigen Sohn in Hamburg, wo auch seine Eltern und beiden Brüder wohnen. Mit seinem großen Bruder dem Moderator Steven Gätjen veröffentlichte er schon mehrere Kinderbücher. Sie haben während der Quarantäne die Fortsetzung „Schmitt: Mut tut gut!“ beendet, die im nächsten Frühjahr erscheinen soll.

Steven Gätjen und Andreas Karlström über ihre Bücher

Andy Gätjen im Interview

Sie haben zwei Namen. Wie darf ich Sie ansprechen?

Bürgerlich bin ich Herr Karlström. Ich habe bei der Heirat den Namen meiner Frau angenommen, weil ich den so schön fand. Als Schauspieler fing ich aber mit meinem Geburtsnamen an und bin im Beruf weiterhin Herr Gätjen. Außer als Autor – da bin ich wieder Herr Karlström. (lacht) Ach, ich bin einfach eine gespaltene Persönlichkeit.

In der Krimireihe „Der Kommissar und das Meer“ spielen Sie neben Walter Sittler als Robert Anders den Kriminalassistenten Thomas Wittberg. Was unterscheidet diese beiden Ermittler?

Sie respektieren einander, obwohl sie komplett unterschiedlich sind. Robert Anders geht sehr instinktiv durch die Welt und hat ein sehr gutes Gespür für Lügner. Thomas hingegen kann sich sehr schnell in eine Sache verrennen, er beißt sich fest und ermittelt dann nur in diese Richtung. Zudem ist er der ewige Junggeselle und Robert ein Familienmensch.

Die dritte Hauptrolle spielt Inger Nilsson als Rechtsmedizinerin Ewa Svensson. Wie ist es, neben der ehemaligen Pipi Langstrumpf zu arbeiten?

Am Anfang war das sehr aufregend. In ihren Augen sieht man sofort Pipi Langstrumpf wenn sie einen angrinst. Außerdem hat Inger auch diesen Schalk im Nacken. Manchmal kann man am Set schon sehr mit ihr lachen. Dabei hatte sie es im Leben nicht immer leicht. Es ist schon erstaunlich, wie Inger sich ihren Humor bewahrt hat.

In dieser Folge ist der Sohn von Kommissar Robert Anders verschwunden. Und Thomas Wittberg muss die Ermittlungen leiten…

Das stimmt. Thomas sagt: „Robert, es reicht. Du bist nicht mehr objektiv. Ich übernehme das jetzt. Ich leite die Mordermittlungen und Du suchst Deinen Jungen.“ Es ist eine schöne Abwechslung für Thomas nicht fragen zu müssen, ob er etwas darf.

In der Regel sehen über 6 Millionen Zuschauer die Reihe, warum soll jetzt nur noch eine Folge gedreht werden?

Ja, die Quote ist sehr, sehr gut. Es gibt da unterschiedliche Gründe und Gerüchte. Zum einen ist die Serie wohl sehr teuer. Bis auf die skandinavischen Schauspieler kommen ja fast alle aus dem Team aus Deutschland und müssen auf Gotland untergebracht werden. Zum anderen gibt es anscheinend einfach zu viele Krimis, und es sollen wieder neue Formate entstehen. Ich glaube alles zusammen könnten die Gründe sein, warum wir rausgeflogen sind. Außerdem gibt es auf Gotland langsam keine Mörder mehr. Wo sollen die nach so vielen Folgen noch herkommen? Bei der kleinen Bevölkerungsdichte hat ja schon die Hälfte sich gegenseitig umgebracht oder sitzt im Gefängnis. (lacht)

Deshalb also der Dreh auf der Fähre?

Genau, damit wir wieder neue Verdächtige haben.

Sie landen ja mit einem Helikopter auf der Fähre. Sind Sie da wirklich geflogen?

Ja und ob, aber die Fähre stand. Der Dreh war schon aufregend. Wir mussten jeden Morgen um 4.30 Uhr aufstehen, damit das gesamte Team rechtzeitig vor Ablegen um 7 Uhr auf der Fähre ist. Bis sie dann wieder um 15 Uhr anlegt, haben wir quasi durchgängig gedreht.

Das heißt Sie haben jeden Tag die ganz normale Fährverbindung genommen?

Ja, es waren natürlich Teile für den Dreh abgesperrt. Aber ansonsten haben die keine Rücksicht auf uns genommen. Jedes Mal, wenn eine Lautsprecherdurchsage für die Fahrgäste kam, mussten wir die Arbeit unterbrechen. Das war schon nervig. Und auch wenn jemand nur eine Szene hatte, musste er die gesamte Tour mitfahren, weil man ansonsten ja nicht mehr auf die Gotland-Fähre kam.

Was verbinden Sie mit Gotland?

Es ist eine fantastische Insel mit guter Luft und schönem Licht. Außerdem habe ich dort 2006 bei der ersten Folge von „Der Kommissar und das Meer“ meine Frau Lisa kennengelernt. Sie spielte über drei Folgen die Frau eines pädophilen Mörders.

Und im TV-Film „Die Holzbaronin“ standen Sie auch gemeinsam vor der Kamera…

Ja, das war großartig. Wie haben ein Ehepaar gespielt, das sich die ganze Zeit gehasst und angeschrien hat.

Außerdem drehten Sie schon mit Tom Cruise, William Hurt und William H. Macy. Wie war es mit diesen Hollywoodstars zu arbeiten?

Mit William Hurt war es ein ganz besonderer Moment. Ich hatte eine schwierige Reitszene, in der ich auf ihn zu galoppierte. Er muss gemerkt haben, wie nervös ich war und hat mich einfach in den Arm genommen. Das hat mich so geerdet, dass die Szene gleich beim zweiten Versuch geklappt hat.

Wissen Sie schon, was Sie nach „Der Kommissar und das Meer“ machen werden? Wollen Sie vielleicht in die Fußstapfen ihres Bruders treten und moderieren? Würden Sie gern mehr ins Rampenlicht tauchen?

Nein. Das kann ich mir nicht vorstellen. Beim Moderieren wäre das ja ICH. Ich brauche schon eine Rolle.

Auch die Red-Carpet-Show bei den Oscars oder ein anderes Format ihres Bruders würden Sie nicht reizen?

Nein, nach Stevens Erzählungen müssen die Bedingungen bei den Oscars schrecklich sein. Ich bewundere ihn sehr, dass er sich da so durchschlägt. Das einzige Format, um das ich ihn beneide, ist „Mit 80 Jahren um die Welt“. Da trifft er sehr interessante Menschen, die viel zu erzählen haben. Das würde mich interessieren, weil ich auch gern reise und zuhöre.

Und was interessiert Sie beruflich noch?

Was ich mache, muss mit Schauspiel zu tun haben und etwas Kreatives sein. Ich habe ein Drehbuch geschrieben, das im August verfilmt werden soll. Den Namen darf ich noch nicht verraten, aber es ist ein 90 Minuten langer Spielfilm für die ARD. Und mit dem ZDF bespreche ich noch diese Woche ein weiteres Drehbuch, das ich geschrieben habe.