"Trautmann": Das Wunder von Bert

Wie der deutsche Torwart Bert Trautmann nach dem Krieg 1956 in England vom Feind zum Fußballhelden wurde.

Es ist der Moment, der ihn unsterblich macht: Torwart Bert Trautmann wird 1956 von einem gegnerischen Spieler mit dem Knie am Kopf getroffen, doch trotz Schmerzen hält er durch bis zum Schluss – und rettet seiner Mannschaft so den Sieg im FA-Cup, einem der größten britischen Fußballwettbewerbe. Wie sich später herausstellt, hat Trautmann mit Genickbruch gespielt – und nur wie durch ein Wunder überlebt. Bert Trautmann war in den 50er-Jahren der deutsche Torwart des englischen Clubs Manchester City. Der Spielfilm "Trautmann" (Montag, 5. Juli, 20.15 Uhr im Ersten) zeigt nun seinen Weg vom Feind der Briten in deren Kriegsgefangenschaft hin zum gefeierten Sporthelden.

Darum geht's in "Trautmann"

Das Drama beginnt mit den letzten Kriegstagen und der Inhaftierung Trautmanns. Im Lager wird sein Talent als Torwart entdeckt. Nach der Entlassung 1948 bleibt er in England, spielt Fußball und wechselt 1949 von einem Provinzklub zu Manchester City. Viele Briten sind empört, 20.000 Menschen protestieren öffentlich gegen „Traut the Kraut“. Trautmann weicht nicht aus, sondern stellt sich den kritischen Diskussionen. Doch die Wogen glätten sich erst, als der Rabbiner Alexander Altmann, ein von den Nazis Vertriebener, fordert, Trautmann vorbehaltlos zu begegnen. Als dieser auch noch durch seine sportlichen Leistungen überzeugt, schlägt die Ablehnung um in große Begeisterung.

Hintergrund

Schauspieler David Kross, der eine Torwartschulung bekam und monatelang trainierte, sagt über Trautmann: „Obwohl er das nicht geplant oder gewollt hat, wurde er zum Friedensbotschafter, weil er den Sportsgeist so sehr verkörpert hatte.“

Englands Fußballer des Jahres 1956 bleibt bescheiden, die Verehrung ist ihm bis zum Karriereende 1964 unangenehm. Zu schwer wiegen seine Schuldgefühle wegen der Taten der Nazis. Immer wieder versucht er, sich zu entschuldigen: „Wir hatten keine andere Wahl.“ Die schrecklichen Kriegserlebnisse belasten ihn ein Leben lang, bis zu seinem Tod 2013 mit 89 Jahren.

Regisseur Marcus H. Rosenmüller konnte Bert Trautmann vor den Dreharbeiten zu seinem Film noch kennenlernen. „Er wollte nicht, dass wir uns auf diesen einen Moment mit dem Genickbruch fokussieren, sondern er wollte als Botschafter der Versöhnung gelten.“ Und genau das ist er. Trautmann wurde zur Symbolfigur für die Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung, für Versöhnung und Völkerverständigung.