Ein "Tiger Girl" durch und durch: Ella Rumpf

Vor zwei Jahren haben wir die Schweizerin Ella Rumpf als 'GOKA-Talent' vorgestellt. Die junge Vollblut-Schauspielerin wurde nach ihrem Film "Tiger Girl" als Entdeckung des Jahres gefeiert wird.

Wer ihre Tour-de-Force-Performance im provokanten Gewaltdrama "Tiger Girl" im Kino verpasst haben sollte und sich einen Eindruck von Ella Rumpfs schauspielerischen Klasse machen will, sollte am 19. Mai um 0.40 Uhr die TV-Premiere im Ersten einschalten.

Darum geht's in "Tiger Girl"

Die schüchterne Vanilla (Maria Dragus) ist durch die Polizeiprüfung gefallen und beginnt eine Ausbildung bei einem Sicherheitsdienst. Eines Nachts lernt sie die eigensinnige Tiger (Ella Rumpf) kennen. Diese wiederum ist fasziniert von dem Mädchen, das so krampfhaft versucht dazuzugehören und bringt ihr eine Kampfkunst bei. Vanilla wird immer selbstbewusster und Tiger muss erkennen, dass sich der Spieß gedreht hat.

Trailer zu "Tiger Girl" (Kinostart: 6.4.2017)

Ella Rumpf im Portrait

"Das war das erste Mal, dass ich keine so extravagante Figur spiele", gibt Ella Rumpf im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA lachend zu Protokoll. Und in der Tat – die Rolle der einfühlsamen Enkelin lässt die schauspielerische Wucht nur erahnen, die nach nur wenigen Auftritten zum Markenzeichen der in Paris geborenen und in Zürich aufgewachsenen Tochter eines Schweizers und einer Französin geworden ist. Ellas Schauspielkarriere begann nämlich erst im Jahr 2012, als sie an der Seite ihres späteren "Tiger Girl"-Co-Stars Maria Dragus in dem Coming-of-Age-Familiendrama "Draußen ist Sommer" ihr kleines aber feines Filmdebüt gab. Weil sie sich in einer Szene überwinden musste, zum ersten Mal vom 5-Meter-Turm zu springen, verwandelte sich das allgemeine Interesse der damals 17-Jährigen an der Schauspielerei, das bei ihr an der Waldorfschule mit Theater-Aufführungen geweckt worden war, in eine waschechte Faszination um: "Ein Beruf, der Dich herausfordert, Sachen zu machen, die Du sonst nicht machen oder die Du Dich sonst nie trauen würdest. Wie cool ist das denn bitte!?" Dem Drang des Herausgefordert-Werdens blieb Ella auch bei der Wahl ihrer Ausbildung treu. Nachdem sie in der Schweiz Aufführungen der "Giles Foreman Centre for Acting"-Kompanie gesehen hatte und von der emotionalen Kraft dieses "glaubwürdigen Theaters" überwältigt wurde, zog Ella 2013 nach London und stürzte sich zwei Jahr lang unter Giles Foreman in die hohe Kunst der schauspielerischen Improvisation.

Was Ella Rumpf in London gelernt hat, ließ sie das Publikum erstmals im Schweizer Drama "Chrieg" (2014) über schwererziehbare Jugendliche spüren. Ihre Meisterprüfung lieferte Ella, die 2016 noch einen kleinen Episoden-Abstecher zum Schweizer "Tatort" in der Folge "Kleine Prinzen" gab, aber im zweiten Film von "Love Steaks"-Regisseur Jakob Lass ab, der auf der diesjährigen Berlinale die Sektion „Panorama Special“ eröffnete und Anfang April ins Kino kam. Wie die zwischenzeitliche Wahl-Berlinerin in "Tiger Girl" als mit Bomberjacke und Baseballschläger bewaffnete Straßengöre die brav-angepasste Maggie (Maria Dragus) unter ihre Fittiche nimmt und (mit bösem Ausgang) von den Vorzügen eines impuls- und lustgesteuerten Lebens überzeugt, kommt einer schauspielerischen Naturgewalt gleich. Grund genug, sich mit der frisch gekürten "New Faces Award"-Preisträgerin ausgiebig über ihre Philosophie der Schauspielerei zu unterhalten...

Ella Rumpf im Interview (Mai 2017)

Das Angebot für "Tiger Girl" kam mitten im Studium und führte dazu, dass Du es abgebrochen hast. Warum war Dir diese Rolle wichtiger als Dein Abschluss?

Zunächst mal wusste ich, wer der Regisseur Jakob Lass ist. Ich hatte das Casting gemacht und ein gutes Gefühl. Ich wusste einfach, dass "Tiger Girl" in Deutschland ein ziemlich großes Ding werden kann. Die Frage war: Was lohnt sich jetzt? Du studierst jetzt noch ein halbes Jahr weiter und hast Dein Diplom. Das ist auch cool. Oder Du machst jetzt einfach etwas, das ein Sprungbrett werden kann, um nachher zu arbeiten. Für mich war diese zweite Option einfach prioritär, denn in England eine Agentur und Arbeit zu finden, war sowieso nicht wirklich mein Plan. Ich bin dahin gegangen, um die Technik zu lernen. Die Grundphilosophie des Studiums habe ich Begriffen. Deswegen ist der Sprung in die Praxis für mich wie weiterstudieren. Ich bin auch jemand, der – wenn ich Projekte mache –große Lust darauf hat, von Anfang bis Ende beim kreativen Prozess involviert zu sein. Für mich ist das Filmemachen ein kollektiver Prozess. Ich will da nicht einfach nur angestellt sein. So einen Film zu machen, war immer mein Traum. Und bei "Tiger Girl" wurde mir nun plötzlich angeboten, von A bis Z voll in ein Projekt mit einbezogen zu sein. Über drei Monate Improvisation – so eine Erfahrung kriegst Du nicht mal eben so angeboten. Deswegen dachte ich: Das ist jetzt der zweite Teil meiner Ausbildung.