Film-Deutschland in Ösi-Hand

Der Kinostart des Vater-Sohn-Dramas "Helle Nächte" mit Berlinale-Gewinner Georg Friedrich hat mal wieder gezeigt: Viele herausragende deutschsprachige Schauspieler kommen aus Österreich! Wir stellen die spannendsten Darsteller der Alpenrepublik vor und verraten ihr schauspielerisches Geheimnis.

Den meisten dürfte Georg Friedrich als schmieriger Schurke und bedrohlicher Brutalinski bekannt sein. In dieser bisherigen Paraderolle machte der 50-jährige Wiener zuletzt Bastian Pastewka in der mit der GOLDENEN KAMERA 2017 ausgezeichneten "Breaking Bad"-Antwort "Morgen hör ich auf" das Leben schwer. Doch in Thomas Arslans Vater-Sohn-Drama "Helle Nächte" (seit 10. August im Kino) kann man den Schauspieler von ganz anderer Seite erleben...

Trailer zu "Helle Nächte" (Kinostart: 10.8.2017)

Georg Friedrich in "Helle Nächte"

Georg Friedrichs Darstellung des einsilbigen Bauingenieurs Michael, der mit seinem Sohn Luis (Tristan Göbel) zur Beerdigung des Großvaters nach Norwegen fährt und beim anschließenden Camping-Roadtrip eine Verbindung zum entfremdeten Teenie-Sprössling aufzubauen versucht, ist eine so eindringliche wie feinfühlige Verkörperung männlicher Sprach- und Hilflosigkeit.

Friedrichs Glanzleistung brachte ihm bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären als "Bester Darsteller" ein und katapultierte den österreichischen Mimen in den Fokus des deutschen Films. Die nahezu logische Konsequenz: Nur wenige Monate später wurde der Charakterdarsteller auch beim Deutschen Filmpreis mit der Lola für die "Best männliche Nebenrolle" in Nicolette Krebitz' Selbstfindungsdrama "Wild" ausgezeichnet.

Österreichische Schauspieler: Legenden und Weltstars

Georg Friedrich steht in einer langen Tradition von Darstellern mit österreichischem Pass, die auch und vor allem im Land der Piefkes zu Ruhm und Anerkennung gelangt sind. Dazu gehören bereits verstorbene Schauspiellegenden wie Romy "Sissi" Schneider, die Schell-Geschwister Maximilian und Maria (GOLDENE KAMERA 1983), Show-Multitalent Peter Alexander (GOLDENE KAMERA 1970 + 1980 + 1984) oder "Raumpatrouille"-Kommandant Dietmar Schönherr (GOLDENE KAMERA 1971 + 1999) ebenso wie Ikonen deutscher TV-Geschichte a la "Ich heirate eine Familie..."-Star Peter Weck (GOLDENE KAMERA 1985 + 1986), "Das Erbe der Guldenburgs"-Grande Dame Christiane Hörbiger oder "Unter Verdacht"-Kommissarin Senta Berger (GOLDENE KAMERA 2010).

Auch international sind es Österreicher wie Klaus Maria Brandauer ("Jenseits von Afrika"), Oscar-Gewinner Christoph Waltz ("Inglourious Basterds") und natürlich "Der Terminator" Arnold Schwarzenegger (GOLDENE KAMERA 1997 und 2015), die die deutschsprachige Schauspielfahne hochhalten. Zuletzt tat dies der in Graz geborene Burgtheater-Mime Peter Simonischek, der in der Titelrolle von Maren Ades Festivalsensation "Toni Erdmann" neben Hauptdarstellerin Sandra Hüller mit dafür gesorgt hat, dass der deutsche Film als Kulturgut auch wieder ein weltweites Gesprächsthema ist.

Österreichische Schauspieler: Die aktuelle Top 20

An Peter Simonischek lässt sich exemplarisch eine darstellerische Stärke beobachten, die den meist theatergeschulten Ösi-Schauspielern besonders eigen zu sein scheint: Egal ob Neben- oder Hauptrolle – sie tragen jede einzelne Einstellung.

Neben Georg Friedrich sind es derzeit 19 weitere Alpenregion-Gastarbeiter, die mit dieser "Scene Stealer"-Qualität in der deutschen Film- und Fernsehbranche für nachhaltigen Eindruck sorgen. Dazu gehören die TV-Kommissarinnen Nora Waldstätten ("Die Toten vom Bodensee") und Ursula Strauss ("Schnell ermittelt"), die in diesem Jahr beim Österreichischen Filmpreis die Romy als "Beliebteste Schauspielerin" verliehen bekam, ebenso wie Vielfilmerin Julia Koschitz oder Charakterdarsteller Nicholas Ofczarek, der als "böser Ösi" vom Dienst nicht nur in der "Tatort"-Episode "Die Geschichte vom bösen Friederich" das deutsche Fernsehpublikum in Angst und Schrecken versetzt hat.

Neben dem einstigen "Kommissar Rex"-Herrchen Tobias Moretti,der für das Crime-Drama "Im Namen meines Sohnes" für die GOLDENE KAMERA 2017 nominiert war, dürfte hierzulande Simon Schwarz zu den bekanntesten Ösi-Gesichtern zählen, der als Hauptdarsteller-Sidekick Rudi Birkenberger in "Schweinskopf al dente" und den anderen Kino-Hits der Rita-Falk-Bestsellerverfilmungen Blockbuster-Prominenz erlangt hat.

Darüber hinaus versinnbildlicht Simon Schwarz als Ensemblemitglied der auch im deutschen Fernsehen gefeierten ORF-Serien "Altes Geld" und "Vorstadtweiber" sowie des vom ZDF und ORF co-produzierten Mehrteilers "Das Sacher. In bester Gesellschaft" einen weiteren Grund dafür, dass österreichische Schauspieler in der deutschen Wahrnehmung eine so zentrale Rolle spielen: Die enge Zusammenarbeit zwischen den öffentlich rechtlichen Anstalten der beiden deutschsprachigen Nachbarländer, die zuletzt mit der GOKA-nominierten Miniserie "Mörderisches Tal – Pregau" höchst sehenswerte Früchte trug.

Österreichische Ermittler: von "Tatort" bis "SOKO"

Diese erfolgreiche Auswertungssymbiose wird nirgends deutlicher als beim liebsten Fernsehkind der Deutschen – dem Krimi. Die Erfolgsgeschichte reicht dabei von Kult-Formaten wie "Kottan ermittelt" (GOLDENE KAMERA 1980) über die "SOKO"-Anfänge des späteren "Bergdoktors" Hans Siglbis hin zum Wiener "Tatort"-Gespann Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer, die sich allesamt als österreichische Quotengaranten im deutschen TV etabliert haben. Wiener Schmäh überwindet einfach alle Grenzen.

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Foto: © Christian Augustin/Getty Images
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