"Atomic Blonde" Charlize Theron: "Ich liebe Berlin!"

Hollywoods neue Action-Ikone: Als "Atomic Blonde" erklärt Oscar-Gewinnerin Charlize Theron (41) ihre Liebe zum Genre-Kino und zum Drehort Berlin.
Hollywoods neue Action-Ikone: Als "Atomic Blonde" erklärt Oscar-Gewinnerin Charlize Theron (41) ihre Liebe zum Genre-Kino und zum Drehort Berlin.
Foto: © Theo Kingma
Ab dem 24. August lässt Hollywood-Star Charlize Theron in "Atomic Blonde" die Muskeln und ihre Reize spielen. Wir trafen die Oscar-gekürte GOLDENE KAMERA-Preisträgerin vorab zum Gespräch.

Wir kennen Charlize Theron als Oscar-prämiertes "Monster" (2004) und als apokalyptische Amazone Furiosa im Endzeit-Blockbuster "Mad Max: Fury Road". Doch so tough wie in der Comic-Verfilmung "Atomic Blonde", in der sie die MI6-Agentin Lorraine Broughton spielt, die im Berlin des Jahres 1989 ohne Rücksicht auf Verluste nach einer in die falschen Hände geratenen Liste mit Agenten-Namen sucht, haben wir die 41-jährige Südafrikanerin noch nicht gesehen.

Was Charlize Theron an der Rolle der knallharten Geheimagentin so gereizt hat und warum ihr Herz schon lange für die deutsche Hauptstadt schlägt, verrät die Preisträgerin der GOLDENEN KAMERA 2006 im Interview.

Charlize Theron im Interview

GOLDENE KAMERA: "Atomic Blonde" hat zwei coole Hauptfiguren: Sie und Berlin. Steckt in Ihnen eine Berlinerin?

CHARLIZE THERON: Ich liebe Berlin! Diese Stadt ist eine meiner Top 5 Städte in Europa. Sie ist nicht nur wunderschön, sondern auch die sich am schnellsten verändernde Stadt, die ich kenne. Ich verbringe unheimlich gerne meine Zeit in Berlin. Ich habe schon sehr oft hier gearbeitet, und ich liebe die Menschen, das Essen und die Kultur. Berlin als historischer Schauplatz gibt diesem Film mehr Gewicht und Realität, denn 1989 stand tatsächlich sehr viel auf dem Spiel. Die ganze Welt blickte auf diese Stadt und das damalige politische Klima inspirierte sehr viele Filme und Songs.

Charlize Theron als Action-Queen ist nichts Neues. Aber in "Atomic Blonde" haben Sie sich selbst übertroffen...

(lacht) Ich suche immer nach einer neuen Herausforderung. Mich hat es schon immer fasziniert, wie Hong Kong-Filmemacher Action in die Handlung verarbeiten, statt Action nur der Action zuliebe einzusetzen. Und genau das hat mich an "Atomic Blonde" gereizt. Dank meines Trainings als Balletttänzerin ist mein Körper ziemlich abgehärtet, aber diese Actionszenen erforderten Bewegungen und Verrenkungen von mir, die ich nie für möglich gehalten hätte. Am Anfang kam ich morgens kaum aus dem Bett, weil mir jeder Muskel weh tat. Meine Kinder haben mich ständig ausgelacht, weil ich mich so seltsam bewegte. Aber je fitter ich wurde, desto stärker, fähiger und mutiger fühlte ich mich. Und desto gewagter wurden die Szenen.

Ist je echtes Blut geflossen?

Nein, wir hatten keine ernsteren Verletzungen – abgesehen von ein paar Schlägen ins Gesicht, die meine Stuntpartner von mir abbekamen. Ich habe sehr viel Geld für Alkohol ausgegeben, um mich bei ihnen zu entschuldigen. (lacht)

Was machen die Actionszenen in "Atomic Blonde" so besonders?

Actionszenen bestehen normalerweise aus Sequenzen, die höchstens zweieinhalb Sekunden lang sind. Aber Regisseur David Leitch drehte Szene, die acht oder neun Sekunden lang waren. Da kann man nicht viel schummeln. Das bedeutete, dass ich 98% der Stunts selber machen musste. Ich bin also wirklich die Treppe runtergestürzt und habe mich mit Männern geprügelt, die doppelt so groß waren wie ich. Den Sprung aus dem Gebäude mit einem Feuerwehrschlauch musste ich allerdings meinem sehr talentierten Stuntdouble überlassen.

"Voller Körpereinsatz"-Trailer zu "Atomic Blonde" (Kinostart: 24.8.2017)

Könnten Sie sich jetzt auch im wahren Leben verteidigen?

Nicht mit meinen Fäusten. Wenn ich einem Mann ins Gesicht boxte, würde ich jeden Knochen in meiner Hand brechen. Und auch im Film teile ich so gut wie keine Schläge aus. Im Nahkampf sind Ellenbogen, Schultern und Knie wesentlich effektiver, denn sie brechen nicht so leicht.

Hätten Sie Talent als Spionin?

Ich wäre eine verdammt gute Spionin sein! (lacht) Frauen können Männer in physischer Stärke nicht übertreffen. Aber wir sind sehr gut darin, das mit Manipulationstalent und Einfühlungsvermögen zu kompensieren.

Was bedeutete der Fall der Mauer und das Ende des Kalten Krieges für Sie?

Ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern, als sie Mauer fiel. Ich war damals 15. Als Kind der 80er empfinde ich sehr viel Nostalgie für diese Ära. Ich lebte damals in Südafrika, das selbst viel Tumult durchmachte. Aber genau deswegen habe ich mich auch mit anderen Brennpunkten der Welt identifiziert und verbunden gefühlt.

Interview: Anke Hofmann

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