Kino-Event der Woche: "Sommerhäuser"

Im Spielfilmdebüt der Münchener Regisseurin Sonja Maria Kröner brodelt es im Jahrhundertsommer 1976 unter der Oberfläche eines idyllischen Großfamilienurlaubs.

Wer sich ab dem 26. Oktober einen Eindruck davon verschaffen will, dass der deutsche Film weitaus mehr zu bieten hat als Komödienspektakel a la "Fack ju Göhte 3", sollte einen Blick auf das Ensemblestück "Sommerhäuser" werfen. Denn das Spielfilmdebüt der Münchener Filmemacherin Sonja Maria Kröner wurde auf dem diesjährigen Filmfest München nicht umsonst mit dem "Förderpreis Neues Deutsches Kino" ausgezeichnet.

Darum geht's in "Sommerhäuser"

Wie jedes Jahr verbringt die Großfamilie von Bernd (Thomas Loibl) ihre Ferienfreizeit im Gemeinschaftsgarten der Familie. Im Jahrhundertsommer 1976 ist aber alles etwas anders, denn nicht nur hat Oma Sophie das Zeitliche gesegnet – wie ein böses Omen wurde auch der größte Baum des Areals vom Blitz gefällt. Während die alleinstehende Großtante Ilse (Ursula Werner) nach dem Tod der Patriarchin zaghaft aufzublühen beginnt, liebäugeln Bernds Vater Erich (Günther Maria Halmer) und dessen Gattin Frieda (Christine Schorn) mit dem Verkauf des Grundstücks.

Auch zwischen Bernds Frau Eva (Laura Tonke) und seiner Schwester Gitti (Mavie Hörbiger) hängt der Sommerhaussegen schief. Denn ihre alleinerziehende Schwägerin kümmert sich lieber um ihren neuen Verehrer als um ihre Tochter Inga (Anne-Marie Weisz), die von Opa Erich betüttelt wird – im Gegensatz zu ihren eigenen Kindern Jana (Emilia Pieske) und Lorenz (Elliot Schulte), die sich ihrerseits nicht davon abbringen lassen, das verwunschene Nachbargrundstück zu erkunden.

Trailer zu "Sommerhäuser" (Kinostart: 26.10.2017)

GOKA-Wertung

Anstatt ihr perfekt eingefangenes 70er-Jahre-Szenario mit einer pseudo-nostalgischen Musikuntermalung zuzukleistern, streut Sonja Maria Kröner immer wieder Radiomeldungen über ein verschwundenes Mädchen ein, die den unter der Oberfläche brodelnden Konflikten innerhalb der Großfamilie zusätzliche Dramatik verleihen. Mit dieser Methode des beiläufigen Erzählens schafft es die Autorenfilmerin, den kontinuierlichen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Perspektiven der drei versammelten Generationen trotz einer gewissen dramaturgischen Trägheit wie aus einem Guss erscheinen zu lassen.

Dabei zeichnen sich unter dem Brennglas einer phasenweise dokumentarisch anmutenden Kamera zwischenmenschliche Dynamiken ab, die man aus eigenen Familienzusammenkünften zu kennen glaubt. Und die auf Basis von ausgeklügelten weil von unausgesprochenen Aversionen durchdrungenen Dialogen dem glänzend besetzten Ensemble eine perfekte Bühne für lebensnahe Schauspielleistungen bieten. Ein beachtliches Regiedebüt, das Lust auf mehr Filme der "Menschenforscherin" Sonja Maria Kröner macht.

Muss ich sehen, weil...
...hinter der Trägheit und Episodenhaftigkeit des Plots eine spannende Zeitreise schlummert, die ohne nostalgischen Schmelz die vermeintlich unbeschwerten 70er Jahre auferstehen lässt.

Für Fans von...
...Michael Hanekes "Happy End" und der Romanverfilmung "Die Mitte der Welt"

"Jeder kriegt sein Fett weg" – Elyas M'Barek über "Fack ju Göhte 3"

Zum großen Finale der "Fack ju Göhte"-Trilogie sprachen wir mit Hauptdarsteller Elya M'Barek über gnadenlose Gags, Lachanfälle beim Dreh und seine ihm heilige Privatsphäre.
Mehr lesen