Kino-Event der Woche: "Animals - Stadt Land Tier"

In diesem Festival-Geheimtipp wandeln die österreichischen Theatermimen Birgit Minichmayr ("Dengler") und Philipp Hochmair ("Vorstadtweiber") als Paar in der Krise auf den surrealen Spuren von David Lynch.

Zu den beeindruckendsten Premieren der diesjährigen Berlinale gehörte eine österreichisch-schweizerisch-polnische Co-Produktion, die unverkrampft veranschaulichte, wofür die Sektion "Forum des Jungen Films" gedacht ist. Begleitet vom bravourösen Hauptdarsteller-Duo Birgit Minichmayr und Philipp Hochmair ging Greg Zglinskis ursprünglich "Tiere" betiteltes Mystery-Psychogramm seitdem auf Festivaltour und mauserte sich dabei zum gefeierten Filmfest-Hit, der am 16. November in unsere Programmkinos kommt.

Darum geht's in "Animals - Stadt Land Tier"

Minichmayr spielt die Wiener Kinderbuchautorin Anna, die mit ihrem Mann Nick (Hochmair) über den Sommer eine Auszeit auf einer Schweizer Berghütte plant, um ihren ersten Roman für Erwachsene zu schreiben. Das gemeinsame Sabbatical soll allerdings auch dazu dienen, ihre nicht erst seit Nicks Affäre mit Nachbarin Andrea (Mona Petri) kriselnde Beziehung zu retten. Doch bereits auf der Hinfahrt steht ihr Vorhaben unter einem schlechten Stern: Beim Zusammenstoß mit einem plötzlich auf der Landstraße stehendem Schaf erleidet Anna eine Kopfverletzung, in deren Folge sie an ihrer Wahrnehmung zu zweifeln beginnt. Und das nicht nur, weil eine schwarze Katze anfängt, mit ihr zu sprechen...

Trailer zu "Animals - Stadt Land Tier" (Kinostart: 16.11.2017)

GOKA-Wertung

Mit "Animals - Stadt Land Tier" verfilmte Greg Zglinski ein Drehbuch des 2007 aus dem Leben geschiedenen Regisseurs Jörg Kalt ("Crash Test Dummies"), das ihn nach eigener Aussage im höchsten Maße fasziniert aber auch ratlos zurückgelassen hat. In seiner Adaption macht der polnische Filmemacher aus der Not der Rätselhaftigkeit eine Tugend und verwandelt seinen Film in ein surrealistisches Potpourri aus Perspektivwechseln und Zeitsprüngen, das erzählerisch zwar viele Fragen offen lässt, aber als "Filmkunstwerk" das irritierende Spiel mit Raum und Zeit auf faszinierende Weise atmosphärisch spürbar macht – zumal Birgit Minichmayr als langsam die Kontrolle verlierende Heldin eine preisverdächtig intensive Performance abliefert.

Zur fesselnden Atmosphäre trägt auch der Parallelplot im Mystery-Thrillergewand um Housesitterin Mischa (Mona Petri in einer Doppelrolle) bei, die Nachbarin Andrea zum Verwechseln ähnlich sieht und in Anna und Nicks Wohnung mysteriöse Entdeckungen macht. Dieses zusätzliche Doppelgänger-Motiv als irrationales Sinnbild des Eifersuchtgefühls der Protagonistin mag "Animals" auf ersten Blick überladen und zugleich schlicht erscheinen lassen. Doch dass man in Lebenskrisen Gefahr läuft, von Realitätsverlust heimgesucht zu werden, wurde schon lange nicht mehr so spannend und exzellent gespielt auf die Leinwand gezaubert.

Muss ich sehen, weil...
...wagemutiges Kino, das auf unterhaltsame Weise mit Sehgewohnheiten bricht, eine Seltenheit ist.

Für Fans von...
...David Lynchs "Mullholland Drive" (2001) und Julian Pölslers "Die Wand" (2012) mit Martina Gedeck.

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